
Messe im Olympiastadion.
NACHRICHTENTICKER: Deutschlandbesuch des Papstes (Donnerstag)
Messe im Olympiastadion und Rede im Bundestag
Der Papst in Deutschland: Von Donnerstag bis Sonntag ist Benedikt XVI. in seiner Heimat. Er besucht Berlin, Erfurt, Etzelsbach und Freiburg. Umfangreich ist das Programm mit Gottesdiensten, Reden, Begegnungen. Insgesamt wird Benedikt XVI. in den nächsten vier Tagen 17 Ansprachen halten "und dabei sicherlich wichtige Impulse geben, nicht nur für Deutschland", meinte Erzbischof Zollitsch im Vorfeld. - kirchensite.de informiert Sie über die wichtigsten Ereignisse.
DONNERSTAG - 22. September 2011
Papst Benedikt feiert ersten Gottesdienst seines Deutschlandbesuches
Ausführlicher Bericht in kirchensite.de ...
Fotos aus dem Olympiastadio
Weitere Fotos vom ersten Tag des Papstbesuches
61.000 Gläubige feiern mit Papst Benedikt XVI. im Berliner Olympiastadion eine Heilige Messe. Der Gottesdienst in der größten Berliner Sportstätte ist der erste von drei Gottesdiensten unter freiem Himmel auf der Deutschlandreise von Papst Benedikt XVI. - Die Predigt des Papstes finden Sie
hier.
Benedikt XVI. trifft Vertreter des Judentums
Papst Benedikt XVI. hat dazu aufgerufen, die guten Beziehungen zwischen Christen und Juden weiter zu intensivieren. Bei seiner nicht öffentlichen Begegnung mit Vertretern der jüdischen Gemeinschaft am Donnerstagnachmittag in Berlin sagte er, dass „wir Christen uns auch immer mehr unserer inneren Verwandtschaft mit dem Judentum klar werden müssen“. Für Christen gebe es keinen Bruch mit dem Heilsgeschehen. „Das Heil kommt nun einmal von den Juden“, so Benedikt XVI.
Historische Papst-Rede vor dem Bundestag
Mit Applaus haben die Abgeordneten des Deutschen Bundestages Papst Benedikt XVI. im Reichstag begrüßt.
In der
Eröffnung sagte Bundestagspräsident Norbert Lammert: "Noch nie in der Geschichte hat ein Papst vor einem deutschen Parlament gesprochen. Nie hat eine Rede so viel Interesse gefunden, bevor sie überhaupt gehalten wurde. Seien Sie herzlich willkommen in Ihrem Heimatland, im Bundestag!"
Grundlagen des freiheitlichen Rechtsstaates
Papst Benedikt sagte in seiner
Rede: "Es ist mir Ehre und Freude, vor diesem Hohen Haus zu sprechen." Dann kündigt er an, über die Grundlagen des freiheitlichen Rechtsstaates zu sprechen.
Welt.de meint: "Die Papst-Rede gleich einem theologischen Seminar, viele Abgeordnete scheinen mit dem Inhalt überfordert."
Schmunzeln und Applaus
Spiegel-Online schreibt: "Benedikt XVI. hat seine Rede im Bundestag beendet - nicht ohne für Schmunzeln zu sorgen. Er hatte die Ökologiebewegung in Deutschland gelobt, fügte aber hinzu: 'Es ist wohl klar, daß ich hier nicht Propaganda für eine bestimmte Partei mache.'"
Die Abgeordneten quittieren die Ansprache mit anhaltendem Applaus. Viele Abgeordneten - zuerst diejeniger von CDU/CSU und der Grünen stehen dazu auf.
Reaktionen von Politikern
Bundestagspräsident Norbert Lammert hat sich sehr zufrieden über die Papstrede im Bundestag geäußert. Schon zu Beginn der Rede habe eine ungewöhnlich konzentrierte Stimmung geherrscht, "wie wir das selten erlebt haben", sagte er am Donnerstag in der ARD.
Als besonders wichtigen Punkt der Rede bezeichnete er den Hinweis des Papstes auf die Grenzen des Mehrheitsprinzips. Damit stelle das Kirchenoberhaupt den Abgeordneten die zentrale Frage, wie sie jenseits demokratischer Verfahren Recht und Gerechtigkeit schaffen könnten. Überrascht habe die Forderung des Papstes, nicht nur die Ehrfurcht vor der Natur, sondern auch die Ehrfurcht vor dem Menschen neu zu entdecken.
Der CDU-Politiker hielt den Medien vor, die Debatte um den Boykott der Papstrede befeuert zu haben. Erst die intensive Berichterstattung habe dazu geführt, dass mancher Abgeordnete einen "Tapferkeitsorden" angestrebt habe, indem er seinen Boykott angekündigt habe.
Andrea Nahles, SPD-Generalsekretärin, lobte im Fernsehkanal "Phoenix" die Rede des Papstes im Bundestag. "Es war eine sehr kluge, auch streckenweise humorvolle, auch teilweise selbstironische Rede", so Nahles. Über die Äußerungen des Papstes zur Geschichte Europas zeigte sich Nahles "sehr angetan". Dies zeige einen verbindenden Moment, "jenseits von Debatten einer Euro-Krise," sagte Nahles bei "Phoenix".
Renate Künast, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, zeigte sich im "Phoenix"-Gespräch angenehm überrascht, dass der Papst in seiner Rede die ökologische Bewegung positiv bewertet hat. "Verantwortung für die Politik hat sich durch die ökologische Bewegung und ihre Werte erweitert. Es hat mich gefreut, dass wir der gleichen Auffassung sind."
Rainer Brüderle, FDP-Fraktionsvorsitzender, sieht in der Papstrede eine eindrucksvolle Darstellung der Grundlagen verantwortlichen, freiheitlich-demokratischen Handelns. "Man muss auf das Herz hören. Allein nur Recht und Organisation perfekt zu mach ist zu wenig, " so Brüderle. Es war jedoch nicht zu erwarten, dass der Papst ein "Rezeptbuch für die aktuellen Probleme vorlegt. Aber es schärft den Blick für die Grundlagen unseres Handelns," sagte Brüderle gegenüber "Phoenix".
Proteste gegen den Papst
In Berlin gibt es an verschiedenen Stellen Proteste gegen den Papstbesuch, wie verschiedene Medien berichten. Papstfeindliche Tranparente seien zu sehen. Auf dem Potsdamer Platz wird es eine Demonstration unter dem Motto "Keine Macht den Dogmen" geben.
Treffen mit Bundeskanzlerin Merkel
Papst Benedikt XVI. kam mit Bundeskanzlerin Angela Merkel zu einem Gedankenaustausch in der Repräsentanz der Deutschen Bischofskonferenz in Berlin zusammen. Im
Anschluss sagte Merkel, sie habe sich über die gemeinsame Begegnung sehr gefreut, wie die Bundesregierung mitteilte.
Gesprächsthemen, so die Bundeskanzlerin, seien auch Europa und die Situation auf den internationalen Finanzmärkten gewesen. Sie habe dabei deutlich gemacht, so Merkel, dass für die Deutschen die europäische Einigung unverzichtbar sei. Sie bedeute Wohlstand, Demokratie und Freiheit. Politik sollte die Kraft haben, für die Menschen zu gestalten und nicht getrieben zu sein, betonte die Kanzlerin.
Unmittelbar vor dem Papstbesuch hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel erklärt, sie sei überzeugt, dass "uns der Papstbesuch bereichert". Sie erhoffe sich von der Reise Orientierung "in diesen gewiss nicht leichten Zeiten". Der Staatsbesuch Benedikts finde in einer Zeit statt, in der die katholische Kirche vor neuen Herausforderungen und Fragen stehe. Merkel betonte zugleich, ohne die Kirche würde Deutschland nicht nur spirituell verarmen, sondern wäre auch sozial kälter.
Empfang durch den Bundespräsidenten
Bundespräsident Christian Wulff begrüßte Papst Benedikt XVI. am Haupteingang von Schloss Bellevue. Nach dem Empfang mit militärischen Ehren, hielt der Bundespräsident eine
Ansprache.
Darin sagte Wulff: "Sie kommen in ein Land, in dem Millionen von Frauen und Männern sich Tag für Tag aus ihrem Glauben heraus engagieren. In dem gerade in der kirchlichen Jugendarbeit so viele junge Menschen Verantwortung für sich und andere übernehmen." Zwar seien Kirche und Staat "zu Recht" in Deutschland getrennt. Die Kirche sei aber keine Parallelgesellschaft, sondern lebe mitten in dieser Gesellschaft.
Kritische Fragen
Deswegen ist sie nach den Worten des Bundespräsidenten selbst immer wieder von neuen Fragen herausgefordert: "Wie barmherzig geht sie mit Brüchen in den Lebensgeschichten von Menschen um? Wie mit den Brüchen in ihrer eigenen Geschichte und mit dem Fehlverhalten von Amtsträgern? Welchen Platz haben Laien neben Priestern, Frauen neben Männern? Was tut die Kirche, um ihre eigene Spaltung in katholisch, evangelisch und orthodox zu überwinden?"
Millionen Menschen sehen mit großer Freude und Neugier auf die kommenden Tage, wie Wulff betonte. "Ihr Besuch wird die Christen und ihr Engagement stärken. Und er wird uns allen helfen, Orientierung und Maßstäbe zu finden."
Ansprache des Papstes
Es folgte die Erwiderung von Papst Benedikt XVI. In seiner
Ansprache stellte er klar: "Auch wenn diese Reise ein offizieller Besuch ist, der die guten Beziehungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und dem Heiligen Stuhl weiter festigen wird, so bin ich nicht in erster Linie hierher gekommen, wie es andere Staatsmänner zu Recht tun, um bestimmte politische oder wirtschaftliche Ziele zu verfolgen, sondern um den Menschen zu begegnen und über Gott zu sprechen."
Der Religion gegenüber sei eine zunehmende Gleichgültigkeit in der Gesellschaft zu erleben. "Es bedarf aber für unser Zusammenleben einer verbindlichen Basis, sonst lebt jeder nur noch seinen Individualismus." Religion sei eine dieser Grundlagen für ein gelingendes Miteinander.
Freiheit geht nicht ohne Solidarität
Im menschlichen Miteinander geht Freiheit nach Darstellung von Benedikt XVI. nicht ohne Solidarität. "Was ich auf Kosten des anderen tue, ist keine Freiheit, sondern schuldhaftes Handeln, das den anderen und auch mich selbst beeinträchtigt."
Wirklich frei entfalten könne sich der Mensch nur, wenn er seine Kräfte auch zum Wohl der Mitmenschen einsetze. "Das gilt nicht nur für den Privatbereich, sondern auch für die Gesellschaft."
1100 Bürger bei Empfang
Bei der Begrüßung im Park von Schloss Bellevue waren rund 1100 Bürgerinnen und Bürger aus allen Bundesländern dabei. Unter den Besucherinnen und Besuchern waren Familien ebenso wie Schulklassen und zahlreiche Mitglieder katholischer und evangelischer Gemeinden sowie Vertreter verschiedener Konfessionen und Weltreligionen.
Es nehmen rund 160 Kinder und Jugendliche teil. Die Gäste wurden hauptsächlich von den 16 Staats- und Senatskanzleien der Länder vorgeschlagen.
Danach folgt ein Zusammentreffen des Papstes mit der Familie des Bundespräsidenten.
Geschenk des Präsidenten
Anlässlich des viertägigen Deutschlandbesuches von Papst Benedikt XVI. hat Bundespräsident Christian Wulf dem Oberhaupt der katholischen Kirche ein ungewöhnliches Gastgeschenk gemacht: Der Bundespräsident sicherte die finanzielle Unterstützung für ein vom katholischen Entwicklungshilfswerk Misereor gefördertes Projekt in der Hungerregion Ostafrika zu.
Dabei handelt es sich um ein Wassermanagement-Projekt der Diözese Marsabit im Nordosten Kenias. Dort leiden die Menschen in besonderer Weise unter der Dürre. - Das teilte das Hilfswerk mit.
Ankunft in Berlin
Papst Benedikt XVI. ist zu seinem viertägigen Deutschlandbesuch aufgebrochen. Gegen 8.15 Uhr startete das Kirchenoberhaupt an Bord eines Airbus A 320 der italienischen Fluggesellschaft Alitalia von Rom-Ciampino aus. Er landete um 10.18 Uhr auf dem Flughafen Berlin-Tegel und wurde von Bundespräsident Wulff und Bundeskanzlerin Merkel begrüßt. Noch an Bord der Maschine sagte der Papst: "Ich bin glücklich, dass ich das Wort Gottes in meine Heimat bringen darf."
Vatikan-Sprecher Pater Federico Lombardi sagte in einem Interview mit der "Bild"-Zeitung: Benedikt XVI. wisse um die geteilte Stimmung in Deutschland. "Er weiß, dass viele ihn mit einer sehr positiven Haltung erwarten, und dass es andere gibt, die ihm sehr kritisch zuhören werden."
Programm am Donnerstag
Höhepunkte des heutigen ersten Tages (22.09.2011) sind die Rede des Papstes vor dem Bundestag am Nachmittag und eine Messe im Berliner Olympiastadion, zu der am frühen Abend 70.000 Menschen erwartet werden.
Einige Abgeordnete haben angekündigt, der Rede im Bundestag demonstrativ fernzubleiben. In Berlin sind am Nachmittag auch Demonstrationen gegen den Papstbesuch geplant.
Berlin - Erfurt - Etzelsbach- Freiburg
Benedikt XVI. bleibt insgesamt vier Tage in Deutschland. Die weiteren Stationen seiner Reise sind Erfurt, der Wallfahrtsort Etzelsbach in Thüringen und Freiburg. Nach der Reise zum Kölner Weltjugendtag 2005 und in seine bayerische Heimat 2006 ist diese Reise der erste offizielle Besuch des Papstes in Deutschland.
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Text: Norbert Göckener - mit Material von
KNA Katholische Nachrichtenagentur GmbH und verschiedener Pressedienste
Foto: Michael Bönte
22.09.2011
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