
Bundespräsident Christian Wulff begrüßte Papst Benedikt XVI. vor Schloss Bellevue. Mit dabei waren rund 1100 Bürger aus allen Bundesländern.
Empfang durch den Bundespräsidenten
Papst will religiöse Akzente setzen - Wulff mahnt zu Öffnung
Berlin. Während seiner Deutschlandreise will Papst Benedikt XVI. vor allem religiöse Akzente setzen. Trotz des offiziellen Besuchscharakters sei er in erster Linie gekommen, "um den Menschen zu begegnen und über Gott zu sprechen", betonte der Papst am Donnerstag (22.09.2011) zum Auftakt seiner viertägigen Visite im Berliner Schloss Bellevue. Er unterstrich, der Besuch werde "die guten Beziehungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und dem Heiligen Stuhl weiter festigen".
Bundespräsident Christian Wulff hatte zuvor in einer mehrfach von Applaus unterbrochenen Rede die katholische Kirche aufgerufen, mehr Barmherzigkeit zu zeigen und sich zu öffnen. So sei zu fragen, wie sie "mit Brüchen in der Lebensgeschichte von Menschen" umgehe oder welchen Platz Laien neben Priestern und Frauen neben Männern hätten. Als weitere Themen nannte das Staatsoberhaupt die Auseinandersetzung mit dem Thema Missbrauch und den ökumenischen Dialog.
"Kirchen sollten sich nicht zurückziehen"
Die Kirchen sollten sich, so Wulff, "trotz Sparzwängen und Priestermangel" nicht auf sich selbst zurückzuziehen. Der Bundespräsident weiter: "Was die christlichen Kirchen leisten, in Diakonie und Caritas in der Sorge um Arme und Schwache in unserem Land und überall auf der Welt, das ist einfach großartig und unverzichtbar für den Zusammenhalt!" Nach der Begrüßung zogen sich Wulff und Benedikt XVI. zu einem Vier-Augen-Gespräch zurück.
Weitere Höhepunkte heute sind die Rede von Benedikt XVI. vor dem Bundestag am Nachmittag und eine Messe im Berliner Olympiastadion. Dazu werden am frühen Abend 70.000 Menschen erwartet. Unter Verweis auf die Rolle des Papstes als Kirchenoberhaupt haben einige Abgeordnete angekündigt, der Rede im Parlament demonstrativ fernzubleiben. In Berlin sind am Nachmittag auch Demonstrationen gegen den Besuch geplant.
"Proteste sind normal in einem demokratischen Land"
Auf dem Flug nach Deutschland reagierte Benedikt XVI. mit Gelassenheit auf die angekündigten Kundgebungen. "Proteste sind normal in einem säkularisierten demokratischen Land", sagte er zu mitreisenden Journalisten. Viele hätten aber auch "große Erwartungen und große Sympathie für den Papst".
Zum Thema Missbrauch unterstrich Benedikt XVI., die Kirche müsse jeden Missbrauch entschieden bekämpfen. Wörtlich sagte er: "Ich kann verstehen, dass angesichts von Verbrechen wie dem sexuellen Missbrauch Minderjähriger durch Priester Personen, die den Opfern nahestehen, sagen: Dies ist nicht meine Kirche, die Kirche ist eine Kraft der Humanität und Moral und wenn ihre eigenen Leute das Gegenteil tun, kann ich nicht mehr in dieser Kirche sein."
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Text:
KNA Katholische Nachrichtenagentur GmbH | Foto: Michael Bönte
22.09.2011
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