"Gemeinsame Hoffnung auf Gott in einer säkularen Gesellschaft"
Benedikt XVI. betont Nähe zum Judentum
Berlin. Papst Benedikt XVI. hat das Verhältnis von katholischer Kirche und Juden in Deutschland gelobt und die große Nähe zwischen beiden Glaubensgemeinschaften hervorgehoben.
Bei einer Begegnung mit Repräsentanten der deutschen Juden mahnte er am Donnerstag (22.09.2011) im Berliner Reichstagsgebäude, die Christen müssten sich "immer mehr ihrer inneren Verwandtschaft mit dem Judentum" klar werden. Die Kirche empfinde eine große Nähe zum jüdischen Volk. "Für Christen kann es keinen Bruch im Heilsgeschehen geben. Das Heil kommt nun einmal von den Juden."
"Verheißungsvolle Früchte"
Der Austausch zwischen katholischer Kirche und Juden in Deutschland habe "schon verheißungsvolle Früchte getragen", sagte das Kirchenoberhaupt. Er lobte dabei insbesondere den seit vier Jahrzehnten bestehenden Gesprächskreis "Juden und Christen" des Zentralkomitees der deutschen Katholiken.
Christen und Juden hätten eine gemeinsame Verantwortung für die Entwicklung der Gesellschaft; sie müssten die "gemeinsame Hoffnung auf Gott in einer zunehmend säkularen Gesellschaft" bezeugen. Zugleich müsse der Respekt vor dem jeweils Eigenen des anderen Glaubens wachsen.
Schreckensherrschaft der Nationalsozialisten
Der Papst erinnerte daran, dass von Berlin aus die Vernichtung der jüdischen Mitbürger geplant worden sei. Die Schreckensherrschaft der Nationalsozialisten habe auf einem rassistischen Mythos gegründet, zu dem die Ablehnung Gottes gehört habe.
"Der 'allmächtige' Adolf Hitler war ein heidnisches Idol, das Ersatz sein wollte für den biblischen Gott", sagte er. Der Mensch, der Gott ablehne, verliere auch die Achtung vor der Würde des Menschen.
Graumann: Beziehungen "ganz dramatisch verbessert"
Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dieter Graumann, sagte, die Beziehungen zwischen der katholischen Kirche und dem Judentum hätten sich in den vergangenen Jahrzehnten "ganz dramatisch verbessert". An Benedikt XVI. gewandt, sagte Graumann, mit Freude und großer Erleichterung hätten die Juden in Deutschland auch die vom Papst formulierte Absage an jede Judenmission und "Ihre mehr als deutliche Zurückweisung des Jahrhunderte alten Vorwurfes des Gottesmords" aufgenommen. "Das hat uns allen gut getan."
Zugleich verwies der Zentralrats-Präsident auf Themen, die die Juden in Deutschland schmerzten: die Haltung der Piusbrüder, die "unserer Meinung nach wie vor für Fanatismus, Fundamentalismus, Rassismus, Antisemitismus, ja schlicht für finsterstes Mittelalter und für Unversöhnlichkeit pur stehen", die geänderte Karfreitagsfürbitte im vom Papst zugelassenen außerordentlichen Messritus und die mögliche Seligsprechung von Papst Pius XII..
"Älteren Brüdern" herzlich zugetan
Graumann betonte, die Juden in Deutschland wünschten sich eine Kirche, die ihren "älteren Brüdern" herzlich zugetan sei. Sie wollten einen respektvollen Umgang miteinander, einen Dialog auf Augenhöhe und der Freundschaft.
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Text:
KNA Katholische Nachrichtenagentur GmbH
22.09.2011
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