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24.05.2012
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Auftakt in Berlin.

Herzliche Gastfreundschaft vor offenen Kirchentüren erwartete die Niederrheiner und Borkener in der ehemaligen Gemeinde von Kardinal von Galen in Berlin.

Erste Etappe in Galens Kirche

Bistumspilger sind in bunter Bundeshauptstadt unterwegs

Berlin. Die Politiker lächeln etwas blass von den Plakaten an den Laternenpfählen. Abgerissen und ausgeblichen zeugen sie vom vergangenen Wahlwochenende in Berlin. Außer des riesigen Papstkonterfeis an der Hauswand des Springer-Konzerns und den zwei gelben Vatikanflaggen am Brandenburger Tor merkt man eigentlich nicht, dass am Donnerstagmorgen (22.09.2011) das katholische Oberhaupt die Bundeshauptstadt besuchen wird. Da muss man schon ganz genau hinschauen oder in die katholischen Ecken Berlins gehen, um ein bisschen Vorfreude auf den Gast aus dem Vatikanstaat zu entdecken.

"Habemus papam – Und wir haben ihn auch!" wirbt eine Gemeindebücherei im Schaukasten für Werke von und über Papst Benedikt XVI. Ein Banner mit dem Slogan des Papstbesuches "Wo Gott ist, da ist Zukunft", weht vor dem Kirchturm. Sonnenblumen und wilde Sommerblumen ragen rund um die Matthias-Kirche in Schönefeld in den blauen Berliner Himmel: "Es gibt hier einen ehrenamtlichen Gärtner, der macht das Guerilla-mäßig", erklärt Pfarrer Edgar Kotzur.

"Guerilla Gardening" vor Galens Gedenktafel in Berlin-Schönfeld.

Wirkungsstätte von Kardinal von Galen

Da die Stadt Berlin sich noch kaum um ihre Grünflächen kümmere, nähmen oft Privatmenschen das "heimliche" Gärtnern, genannt "Guerilla-Gardening" in die Hand und verschönern eigenmächtig und aus eigener Tasche Flächen in der ganzen Stadt. Pfarrer Kotzur stört es nicht, im Gegenteil, so sieht alles hübsch aus, wenn gleich die Gäste aus seinem alten Bistum kommen.

Nicht nur der Papst besucht Berlin, auch zahlreiche Pilger machen sich auf. Die Gruppe um Matthias Schlettert, Geschäftsführer des Kreisdekanats Borken, hat das Glück, vor der Papstmesse die alte Kirche von Clemens August Kardinal von Galen zu besuchen und hier mit ihrem geistlichen Begleiter Wilfried Theising Abendmesse zu feiern.

Negative Berichterstattung

Pfarrer Kotzur freut sich auf die Gäste, war er doch selbst von 1963 bis 1966 Kaplan in Kevelaer. Seit 35 Jahren ist Kotzur hier Pfarrer. Getreu nach dem Wunsch des Stifters, dem preußischen Beamten Matthias Aulike, der sich bis 1865 für eine katholische Gemeinde in Berlin einsetzte, kommen alle Pfarrer seit der Zeit aus dessen Heimat – eben dem Bistum Münster.

Noch sei die Stimmung eher verhalten, beschreibt der Gemeindepfarrer die Atmosphäre in der Stadt: "Der Berliner Tagesspiegel berichtet ziemlich negativ", schildert der 74-Jährige. "Man muss den Berlinern zugute halten, dass sie hier organisatorisch einiges durchmachen", fügt er hinzu. Erst die vielen Straßensperren für den türkischen Ministerpräsidenten und kurz nach dem Papstbesuch sind die Straßen schon wieder dicht, wegen des Berlin-Marathons.

Weihbischof Wilfried Theising feierte die Messe in der Matthias-Gemeinde Berlin.

"Es geht um die eigentliche Botschaft Jesu Christi"

Die Niederrheiner und Borkener kommen aber in ihrem Reisebus gut durch den Feierabendverkehr und es gibt ein freudiges Händeschütteln zwischen Pfarrer Kotzur und Matthias Schlettert: "Wir sind eine schön gemischte Truppe, junge und ältere Menschen", sagt er, die Stimmung ist gut. Vor sieben Jahren war Schlettert das letzte Mal in der Kirche, in der Clemens August Graf von Galen von 1906 bis 1929 wirkte, erst als Kaplan, dann als Pfarrer. Ein Reliquiar rechts vor dem Altar erinnert an den 2005 selig gesprochenen "Löwen von Münster".

Als "erste Etappe" bezeichnet Weihbischof Theising die Ankunft hier in Berlin. In seiner Predigt betont er das Wichtige am Papstbesuch: "Die Debatten um die Rede im Bundestag von Benedikt XVI. gingen hin und her. Was mussten wir da nicht alles lesen. Wenn wir jetzt Eucharistie feiern, wird uns bewusst, es geht um die eigentliche Botschaft Jesu Christi." Der Papst komme als Zeuge für die Auferstehung, um die Menschen im Glauben zu stärken und die die auf der Suche seien zu bereichern: "Wir leben in einer Welt der Todesbotschaften, haben den Tod oft vor Augen. Deshalb tut es uns gut, die Botschaft des Lebens neu aufzunehmen", sagte der Weihbischof vor den rund 70 Gläubigen.

Den Glauben in Gemeinschaft feiern

Für die Bistumspilger geht es nach der Messe im Olympiastadion noch weiter nach Etzelsbach zur Marienvesper, der dritten Station von Papst Benedikt. Vier Uhr Aufstehen heißt es da am Freitagmorgen um rechtzeitig Richtung Erfurt aufzubrechen. Bernadette Uphus aus Kleve, die mit ihrer Freundin Kassandra Lutterbach angereist ist, macht das nichts aus: "Ich freue mich, mit den anderen den Glauben in Gemeinschaft zu feiern und den Papst einmal live zu sehen." Und dafür braucht es ja auch keinen Papst auf einem Pappplakat.

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