
Detlef Pollack.
Religionssoziologe Pollack:
Nur kleine Proteste beim Papstbesuch
Münster. Beim Papstbesuch in Deutschland wird es nach Einschätzung des münsterschen Religionssoziologen Detlef Pollack nur "kleinere moderate Proteste" geben. "Die Gruppe der Papst-Gegner in Deutschland ist klein und ungleichartig zusammengesetzt", erklärte er am Donnerstag (15.09.2011) in Münster. Die Kritiker verfolgten unterschiedliche Interessen und könnten keine breiten Bevölkerungskreise mobilisieren.
Die Ankündigung von Bundestagsabgeordneten, der Papstrede im Parlament fernzubleiben, hat Pollack nach eigenem Bekunden nicht überrascht. "Politiker, die für eine Trennung von Kirche und Staat eintreten, gibt es in der Bundesrepublik seit den 1960er Jahren, vor allem in der SPD und FDP", so der Experte des Forschungsverbundes "Religion und Politik" an der Universität Münster. Die laizistische Richtung sei aber schwach.
"Haltung des Papstes ist vollkommen klar"
Auch aus katholischen Reihen wird Kritik nach Ansicht des Wissenschaftlers nur vorsichtig formuliert, obwohl viele Kirchenmitglieder die Haltung des Papstes zu Pflichtzölibat, Sexualmoral, Homo-Ehe, Gleichberechtigung von Frauen, Ökumene und Staat-Kirche-Verhältnis ablehnten. "Katholiken wissen schon jetzt, dass alles beim Alten bleiben wird - auch bei der Ablehnung des gemeinsamen Abendmahls von Katholiken und Protestanten", so der Forscher. "Die Haltung des Papstes ist vollkommen klar."
Laut Pollack wird der Papstbesuch der katholischen Kirche in Deutschland insgesamt Nutzen bringen. "Das Bild von Benedikt XVI. ist hierzulande inzwischen so schlecht, dass er mit seinem Besuch nur gewinnen und sein Image aufbessern kann." Zu erwarten sei ein freundlicher, aber eher zurückhaltender Empfang. Die anfängliche Papst-Begeisterung nach der Amtseinführung im Jahr 2005 sei verflogen und das Interesse an der Institution Kirche generell gering.
"Event als Bestätigung"
Die Kritik am Papstbesuch im Vorfeld der Visite hat laut Pollack damit zu tun, dass die Kirche seit zehn Jahren in Medien und Öffentlichkeit sichtbarer geworden sei. Wenn die Kirche ihre Verkündigung dialogischer anlegen würde, könnte sie viele kritische Katholiken stärker an sich binden. Für unwahrscheinlich hält es der Religionssoziologe, dass der Papstbesuch viele Menschen zum katholischen Glauben zurückbringen wird. "Solche Events dienen vor allem denjenigen Katholiken als Bestätigung, die bereits eng mit ihrer Kirche verbunden sind."
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Text:
KNA Katholische Nachrichtenagentur GmbH | Foto: pd
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