
"Es gibt keine fertige Liste, die wir einfach abarbeiten könnten", sagt Michael Kahle, Koordinator für die Papst-Gottesdienste seitens der Deutschen Bischofskonferenz.
Feiern mit bis zu 100.000 erwarteten Teilnehmern
Gottesdienste mit dem Papst: Viel Vorbereitung nötig
Berlin. Auch wenn eine katholische Messe überall auf der Welt dem gleichen Muster folgt: Von der Stange ist nichts, wenn Papst Benedikt XVI. im September in Berlin, Erfurt und Freiburg seine großen Gottesdienste hält. Seit Monaten befasst sich ein eigenes Komitee mit der Vorbereitung der religiösen Feiern. Dabei geht es um heilige Liturgie und profane Logistik. Wie immer steckt der Teufel im Detail.
Schon die Verlegung der Berliner Messe vom Schloss Charlottenburg ins Olympiastadion brachte die Planer wieder ins Grübeln. In der geschlossenen Arena herrscht eine andere Akustik als auf freiem Feld; das verlangt Rücksicht bei der musikalischen Gestaltung und der Vortragsweise von Texten. Die Zeit für die Kommunionausteilung und die Zahl der benötigten Helfer (es sind 600) musste neu kalkuliert werden. Und für eine ehrfürchtige Aufbewahrung der geweihten Hostien kommt, bei allem Respekt vor Hertha BSC, die Umkleidekabine kaum in Frage.
Vatikan besitzt eine gewisse Routine
"Es gibt keine fertige Liste, die wir einfach abarbeiten könnten", sagt Michael Kahle, Koordinator für die Papst-Gottesdienste seitens der Deutschen Bischofskonferenz. Seit 2006 wirkt der heute 37-jährige Priester als Zeremoniar am Hohen Dom zu Köln. Aber auch ihn und die drei anderen Mitglieder der Vorbereitungsgruppe - je ein Kleriker aus den vom Papst besuchten Bistümern - stellen die Feiern mit bis zu 100.000 erwarteten Teilnehmern vor neue Herausforderungen. Erst beim schrittweisen Durchgang des Ablaufplans vor Ort "zeigen sich die Schwierigkeiten", so Kahle.
Immerhin besitzt der Vatikan eine gewisse Routine mit großen Messen. Benedikt XVI. hat einen eigenen Stab liturgischer Mitarbeiter, an dessen Spitze der 46-jährige Zeremonienmeister Guido Marini. Der schickte kurz nach der Besuchszusage des Papstes ein Merkblatt mit einigen Besonderheiten: Etwa, dass das Oberhaupt zu Beginn des Gottesdienstes, nach der Predigt und nach der Kommunionausteilung einen Moment der Stille wünscht. Auch zur Gestaltung der Fürbitten gibt es Leitlinien.
Deutsche Wünsche und vatikanische Erfahrungen
Dann ging es darum, deutsche Wünsche und vatikanische Erfahrungen abzustimmen. "Es nutzt nichts, wenn wir mit einem fertigen Konzept kommen", sagt Kahle. Was an Gestaltung drin ist, entscheidet sich beispielsweise an den Texten und Gebeten, die das Römische Messbuch für das betreffende Datum vorsieht, aber auch an verfügbaren Chören und Instrumentalensembles.
Schon im Frühjahr war das Liturgiekomitee bei Marini im Vatikan, um erste Entwürfe vorzustellen. Umgekehrt kam Marini eine Woche lang im Juli nach Deutschland, um Punkt für Punkt im Einzelnen zu klären. "Wir stehen in regem Kontakt", sagt Kahle.
Anfragen von Liturgiewissenschaftlern
An das Konzept solcher Massengottesdienste gibt es auch Anfragen. Experten etwa im Deutschen Liturgischen Institut in Trier, einer Fachstelle der Deutschen Bischofskonferenz, weisen darauf hin, dass Eucharistiefeiern ihrem Charakter nach eigentlich einen kleineren Rahmen verlangen. Aus organisatorischen Gründen werden für die Kommunion der Gläubigen vorab geweihte Hostien verwendet; das ist aus Sicht von Theologen bedenklich.
Zudem, so argumentieren Liturgiewissenschaftler, ist bei solchen Massenfeiern nie auszuschließen, dass an sich nicht zur Kommunion zugelassene Personen das Sakrament empfangen oder sogar Hostien verunehrt werden. Dies stehe in Widerspruch zu der Striktheit, die der Vatikan sonst zeige - etwa beim Kommunionverbot für wiederverheiratete Geschiedene.
Gewänder: Exklusives oder Second-Hand-Modelle
Stilfragen anderer Art betreffen die Ausstattung der Papstmessen mit Textilien und liturgischen Geräten: Während das Erzbistum Berlin eigens einen Satz Messgewänder für alle mitfeiernden Priester bestellt und Freiburg einen exklusiven Entwurf für das Gewand des Papstes in Auftrag gegeben hat, greift Erfurt auf Second-Hand-Modelle zurück: Angesichts der wirtschaftlichen und sozialen Lage im Osten fand Bischof Joachim Wanke es unangemessen, sich tiefer in Kosten zu stürzen als nötig. Er und seine Priester benutzen 70 Messgewänder, die seit dem Weltjugendtag 2005 in einer Kölner Asservatenkammer lagern.
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Text: Burkhard Jürgens,
KNA Katholische Nachrichtenagentur GmbH | Foto: Michael Bönte
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