
Beim Gewitter während des Abendgebets mit Benedikt XVI. in Madrid wurden mehrere Personen verletzt, allerdings keine Münsteraner.
Pilger kehren - alle unversehrt - etwas früher ins Bistum zurück
Wolkenbruch in Madrid: Papst bricht Vigil-Predigt ab
Madrid. Die Gebetsvigil des Weltjugendtags am Samstagabend (20.08.2011) ist nach einem Gewitter verkürzt worden. Papst Benedikt XVI. musste seine Predigt abbrechen, nach einer Regenpause von 20 Minuten fuhr er mit Grußworten in verschiedenen Sprachen fort. Die eucharistische Anbetung und der sakramentale Segen fanden wie geplant statt.
Die knapp 1.000 Teilnehmer der von Bistum Münster organisierten Weltjugendtags-Tour verließen nach der Vigil den Militärflughafen "Cuatro Vientos" acht Kilometer südwestlich von Madrid, auf dem eigentlich eine Übernachtung vorgesehen war. Die Polizei führte sie zu einer Art Zeltplatz in einem Park eines nahen Ortes. Dort konnten die Jugendlichen sich stärken, die Toilette besuchen und schlafen. Sie traten bereits am frühen Sonntag (21.08.2011) vor der Abschlussmesse die Heimreise an.
Bei dem Gewitter während des Abendgebets von weit über einer Million Menschen wurden mehrere Personen verletzt. Spanischen Medien zufolge zogen sich sechs Teilnehmer leichte Verletzungen zu, als Gebetszelte durch Sturmböen umstürzten. Alle Bistums-Pilger blieben unversehrt.
Wassermangel und Windschäden
Für ihre frühere Abreise waren neben dem Wolkenbruch spanische Organisationsmängel entscheidend. Viele der 2.000 Trinkwasserzapfstellen auf dem 48 Fußballfelder großen Gelände waren früh erschöpft. An einigen Stellen wurde daraufhin Mineralwasser kostenlos ausgegeben, andernorts kühlte die Feuerwehr mit Löschschläuchen. Karoline Lefert aus Ahaus sagte zu kirchensite.de, sie habe am frühen Abend drei Stunden vergeblich an einer Wasserzapfstelle angestanden, auch nahe gelegene Verkaufsstellen seien ausverkauft gewesen.
Eine Gewitterbö wehte Benedikt XVI. bei der Vigil sein weißes Käppchen vom Kopf. Weitere Windstöße warfen das Weltjugendtagskreuz und ein Gebetszelt auf dem Gelände um, bei Letzterem gab es die Leichtverletzten. Industriekletterer entfernten aus Sicherheitsgründen Teile der Stoffverkleidung des Altarraums. Der Papst verließ das Gelände während des Gewitters nicht.
"Auf Jesus hin orientieren"
"Danke für eure Fröhlichkeit und eure Ausdauer", rief er nach der Regenpause den Pilgern auf Spanisch zu. Auf Deutsch riet er den Jugendlichen, ihre Sehnsüchte nicht ins Leere laufen zu lassen, sondern sich auf Jesus hin zu orientieren. Er sei "der Grund, der trägt, und der sichere Bezugspunkt für ein erfülltes Leben".
Die Pilger reagierten unterschiedlich auf den Wolkenbruch. Emilia Müller aus Ahaus berichtete, sie habe unter einem Schirm Schutz gesucht und den Regen "einigermaßen überstanden. Ein Gewitter erlebt man sicherlich nicht nochmal mit 1,5 Millionen Leuten." Jan Veldscholten aus Velen beklagte, der Wolkenbruch habe "die Stimmung ruiniert". Viele Pilger seien enttäuscht gewesen von der Vigil, die gewöhnlich als Höhepunkt der Weltjugendtage gilt.
Anna Neider aus Dresden hingegen fand, die Stimmung sei am besten gewesen, als die Feier nach dem Wolkenbruch habe fortgesetzt werden können. Ettore, Seminarist aus Italien, nannte den Tag in "Cuatro Vientos" einen "Tag der Freude, der uns in Beziehung zu Christus bringt". Die Italienerin Michaela zeigte sich beeindruckt, mit einer so großen Menschenmenge gemeinsam zu beten.
Leben nach Wahrheit und Liebe ausrichten
In der Predigt hatte Benedikt XVI. die Jugendlichen aufrufen wollen, ihr Leben "nicht nach etwas Geringerem" als nach der Wahrheit und Liebe auszurichten. Die Liebe Gottes sei die große Wahrheit des Lebens, hieß es im Manuskript. Deshalb sei der Mensch nicht Ergebnis von Zufall oder Irrationalität. Am Anfang jeden Lebens gebe es einen "Liebesplan Gottes". Wer in dieser Liebe bleibe, könne nicht anders als im Glauben leben, da dieser nicht das bloße Annehmen abstrakter Wahrheiten sei, sondern "eine innige Beziehung zu Christus".
Ferner wollte der Papst aufrufen, der Welt die Bedeutung Jesu als Retter der Menschen und Quelle der Hoffnung neu aufzuzeigen. Dies sei gerade in einer relativistischen Zeit nötig, die die Suche nach der Wahrheit aufgegeben habe. Zudem hatte Benedikt XVI. die Jugendlichen ermuntern wollen, die eigene Berufung anzunehmen. Wer die "schöne und anspruchsvolle Perspektive" der Ehe von Mann und Frau entdecke, müsse erkennen, dass sie mit Treue, Unauflöslichkeit und der Offenheit für das Geschenk neuen Lebens verbunden sei.
Anbetung in Stille
Die Anbetung des Allerheiligsten in der Vigil erfolgte trotz des vorangegangenen Gewitters in nahezu völliger Stille. In der Nacht konnten die Jugendlichen in 16 Zelten auf dem Flugfeld das Altarsakrament weiter anbeten. Noch nach Mitternacht herrschte großer Andrang.
In den Stunden des Wartens vor der Vigil behandelten die Rettungsdienste nach eigenen Angaben knapp 900 Menschen wegen Übelkeit, Wassermangels und Kreislaufproblemen. Die Lufttemperatur in "Cuatro Vientos" lag bei bis zu 38 Grad Celsius. Rund 30 Pilger kamen ins Krankenhaus, darunter einer mit schwerem Hitzschlag.
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