
Während der Vigilfeier ging ein heftiges Gewitter über das WJT-Gelände in Madrid.
Sicherheitsmängel beim Weltjugendtag in Madrid
Münstersche Bistumspilger reisen vorzeitig ab
Madrid. Wegen Sicherheitsmängeln auf dem Veranstaltungsgelände hat das Organisationsteam vom Weltjugendtagsbüro Bistum Münster entschieden, die Pilgerfahrt zum WJT in Madrid einige Stunden eher zu beenden.
Noch während der Vigil mit Papst Benedikt XVI. am Samstagabend (20.08.2011) haben alle 850 Pilger des münsterischen Weltjugendtagsbüros das Gelände des Flughafens Cuatro Vientos verlassen und die Nacht an einem sichereren Ort verbracht. Am Sonntagmorgen traten sie von dort ihre Heimreise an und werden für den Montagvormittag im Bistum Münster zurückerwartet. Dies teilte das Weltjugendtagsbüro des Bistums Münster mit.
"Gravierende Mängel"
Der Abbruch war demnach nötig geworden, weil aus Sicht der münsterschen Verantwortlichen die Sicherheit der Teilnehmenden nicht länger gewährleistet werden konnte: "Die Mängel stellten sich im Verlauf des Abends als so gravierend dar, dass wir es nicht länger verantworten konnten, auf dem uns zugewiesenen Ausweichplatz zu bleiben", schildert Frank Rauhaus, Projektleiter der Weltjugendtagsfahrt des Bistums Münster.
Die Jugendlichen aus der Diözese hatten Karten für gute Plätze im eigentlichen Veranstaltungsgelände. "Als wir ankamen, war schon alles hoffnungslos überfüllt", musste der Projektleiter feststellen, "wir wurden auf eine Wiese südlich des Flughafens umgeleitet".
Wenig Wasserstellen
In diesem Ausweichbereich gab es zwar zunächst noch reichlich Platz, aber keine Ordner, keine Sicherheitskräfte, keine Essensausgaben, nur wenig Wasserstellen und nur eine kleine Erste-Hilfe-Station am Eingang. Trotz der wiederholten Demonstrationen von Papstgegnern an den Vortagen fanden hier keinerlei Sicherheitskontrollen statt. "Als uns all dies klar wurde, bekamen wir schon ein mulmiges Gefühl", beschreibt Rauhaus.
Rasch füllte sich auch dieser Ausweichbereich. "Pilger belegten die Flächen komplett, so dass zwischen den Parzellen kaum Geh- oder Fluchtwege blieben – und niemand kümmerte sich darum, weil offenbar niemand für diesen Bereich zuständig war". Mit der eintretenden Dämmerung wurde ein weiterer eklatanter Mangel sichtbar: der Platz war fast nirgendwo beleuchtet.
"Panikartige Fluchtbewegungen"
Dann zog ein Unwetter auf. Starker Regen durchnässte die Kleidung und die Schlafsäcke der Pilger. Heftige Böen unterbrachen nicht nur die Papstansprache, sie warfen auch einen Lichtmast um. "Gott sei Dank war niemand aus unserer Gruppe darunter", atmet Rauhaus auf.
Als dann eine Gruppe von Pilgern bei dem Versuch, das Hauptgelände zu erreichen, Zaunelemente umstürzte und panikartige Fluchtbewegungen auslöste, in die niemand steuernd eingriff, "fühlte ich mich sehr an die Geschehnisse von Duisburg erinnert", erläutert Rauhaus. Nach sorgfältiger Abwägung traf das Leitungsteam die unausweichliche Entscheidung, die Gruppen vom Feld zu holen. "Das war für uns nicht einfach, weil wir den Jugendlichen natürlich die Höhepunkte des WJT nicht leichtfertig vorenthalten wollten", erklärt Rauhaus. "Bestätigt sehen wir uns darin, dass viele Gruppen, auch aus anderen Ländern, das Ausweichgelände ebenso mit Sack und Pack verlassen haben."
Nacht mit viel Aufregung
Die Gruppe aus dem Bistum Münster verbrachte die Nacht in einem wenige Kilometer entfernten Park eines Freiluft-Campingbetriebs. "Die örtliche Polizei hat uns dankenswerterweise spontan zu diesem sicheren Übernachtungsplatz geleitet", lobt der Projektleiter. Nach einer Nacht mit viel Aufregung und wenig Schlaf machten sich die Reisenden am Sonntagmorgen auf die Rückfahrt.
Bischof Felix Genn, der auch am Weltjugendtag mitwirkte, war über die Entscheidung informiert worden und trägt sie mit, heißt es in der Pressemitteilung. Er wünschte den Weltjugendtagsteilnehmern aus dem Bistum Münster eine gute Heimreise und dass sie die Veranstaltung trotz der vorgezogenen Abreise gut in Erinnerung behalten werden.
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Text: pd | Foto: pd WJT-Büro Madrid
21.08.2011
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