
Bischof Felix Genn während seiner Katechese in Madrid.
Katechese des Bischofs beim Weltjugendtag in Madrid
Genn: "Bildet Gruppen und sprecht über den Glauben"
Madrid. Geht es nach Bischof Felix Genn, kehren etliche Neuverliebte vom Weltjugendtag zurück ins Bistum Münster. "Wir brauchen euch", ruft er den Jugendlichen bei seiner Katechese in der Kirche Santa Maria de Cervellón im Nordosten Madrids zu. Die Kirche habe es nötig, dass die jungen Menschen sich entzünden lassen von der Liebe zu Jesus: "Dass ihr verknallt seid."
"Burning Persons" nennen Fachleute das – Menschen, die für etwas brennen. Ein bisschen "neu verknallt" haben sich die jungen Leute offenbar schon. Denn obwohl die Hitze in der überfüllten Kirche am Freitagmorgen (19.08.2011) ermüdet, obwohl manche kurze Nacht im Gemeinschaftsquartier und manches lange Warten auf den Papst Spuren in den Gesichtern hinterlassen hat – zur Bereitung der eucharistischen Gaben geschieht Bemerkenswertes. Die jungen Pilger singen das Lied "Durch das Dunkel hindurch scheint der Himmel hell". "Steht auf" heißt es im Refrain. Manche zucken schon in der ersten Strophe, aber noch siegt die Müdigkeit. Doch dann die vierte Strophe: "Das Brot soll unser Zeichen sein, steht auf, steht auf, steht auf". Und sie stehen auf, alle, unabgesprochen, beinahe gleichzeitig – um das zu verehren, was auf dem Altar geschieht.
"Gott liebt die Welt unendlich"
Auch der Bischof betont in seiner Katechese die Bedeutung der Eucharistie. "Das ist die Wahrheit unseres Glaubens", sagt er. "Dass Gott die Welt unendlich liebt. Und Jesus kämpft und liebt bis zum Letzten, bis zur Ohnmacht am Kreuz. Er weicht nicht aus, wenn es eng wird. Und diese Liebe dürfen wir in voller Dichte erfahren, wenn er sagt: Das ist mein Leib, das ist mein Blut. Und wenn er sagt: Deine Schuld ist dir vergeben." Genn hält inne. "Was haben wir Christen für Chancen!"
"Missionare der Hoffnung" nennt der Bischof die jungen Pilger. "Ihr seid jünger als ich, ihr seid in einer ganz anderen Welt aufgewachsen, aber ihr glaubt auch an Jesus", freut er sich. Das sei für ihn eines der vielen Zeichen, "dass das stimmt mit dem Auferstandenen".
In Kleingruppen tauschten sich die Weltjugendtags-Pilger über ihren Glauben aus. |
"Die Menschen für Jesus gewinnen"
Genn erinnert an den heiligen Franz Xaver, dessen Geburtsort Javier die Bistums-Pilger am vergangenen Samstag (13.08.2011) besucht hatten. Er sei bis nach Indien und China aufgebrochen, um das Evangelium zu verkünden. Die Botschaft Jesu habe ihm im Herzen gebrannt, das habe Franz weitersagen müssen.
"Ich kann die Botschaft niemandem aufzwingen. Ich will das auch nicht", beschreibt der Bischof die Situation des "brennenden" Christen, der andere anstecken möchte. "Ich will auch niemanden 'kriegen' – in dem Wort steckt das Wort 'Krieg'. Ich will die Menschen für Jesus gewinnen. Ich will ihnen sagen und bezeugen, dass sie etwas verpassen, wenn sie ihn nicht kennen. Ich will, dass die Herzen der Christen davon voll sind, dass er lebt."
Die Kirche nicht abschreiben
"Ich wünsche euch, dass euch Jesus kostbar wird", sagt Genn den Weltjugendtags-Pilgern, denn das Treffen "will umgesetzt werden, wenn wir nächste Woche wieder nach Hause kommen". Und wie? "Indem wir miteinander über den Glauben reden. Indem wir fragen: Was glaubst du, wie glaubst du, was freut dich am Glauben, was macht dir Schwierigkeiten, wie betest du?"
"Bildet Gruppen, in denen ihr über den Glauben redet", bittet der Bischof die Jugendlichen. Er wisse, dass das komisch klinge, und dass junge Leute eher über andere Dinge redeten oder einfach feierten und tanzten, "manchmal auch eine ganze Nacht. Das gehört alles dazu. Aber warum soll der Glaube in eurem Leben außen vor bleiben?" Auch für die Kirche bricht Genn eine Lanze. Er wisse, dass manche sie abgeschrieben hätten, gerade in Deutschland. "Aber in der Kirche haben wir Jesus gefunden, ohne sie würden wir heute nicht glauben. Und da finden wir Jesus immer noch."
Warum die Menschen sich so vom Glauben abwendeten, kann der Bischof nicht verstehen. "Wir haben eine Informationsgesellschaft, aber kaum jemand informiert sich über den Glauben." Genn gesteht: "Im Internet bin ich eine Null, aber ihr nicht." Erneut bittet er die Jugendlichen: "Bildet doch auch im Internet solche Gemeinschaften, in denen ihr über den Glauben sprecht. Und dann berichtet mir davon, wie ich mitmachen kann. Ich muss ja als Bischof nicht immer vorneweg gehen."
Da die Kirche überfüllt war, verfolgten etliche Zuhörer die Katechese von Bischof Genn über Lautsprecher. |
Jugendliche Zeugnisse
"Geht hinaus in alle Welt und verkündet das Evangelium", sagt Jesus (Mk 16,15). Genns Katechese kreist um die Frage "Wie kann ich Zeuge sein?" Einige Jugendliche treten ans Mikrofon und berichten, wie sie es sind. "Ich erlebe Gott als jemanden, der immer für mich da ist und mir hilft", sagt Hendrik aus Hopsten. "Ich weiß, dass man sich lächerlich machen kann, wenn man so etwas sagt. Aber ich möchte euch ermutigen, nicht ängstlich zu sein."
Merle aus Cloppenburg arbeitet im Team eines Jugendklosters mit. "Es macht Spaß, wenn sich in der Arbeit mit Zweifelnden und Suchenden ihre Distanz zum Glauben verringert." Franziska, auch aus Cloppenburg, erzählt von ihrem Vorbereitungskreis für Jugendgottesdienste. "Es ist schön, dass da immer mal wieder etwas ganz Anderes möglich ist."
Neue Maßstäbe
Auch berichten Jugendliche, was sie hindert, Zeugen zu sein. Matthias aus Molbergen stört sich an Alteingefahrenem. "Wenn Jugendliche in den Gemeinden mal etwas Neues machen wollen, sagen zu viele Leute: Das geht aber so nicht." Er bekommt spontan Beifall.
Ralf aus Mettingen wirbt für neue Maßstäbe. "Die Leute regen sich über 'die Kirche' auf und nicht über das, woran sie glauben", erinnert er. "Wir sollten nicht vergessen, dass es in der Kirche um Glauben geht, nicht um Strukturen."
"Nicht selbst am Kompass drehen"
Einige Jugendliche stellen dem Bischof Fragen. Julian aus Datteln hat gelesen, ein Mensch ohne Glauben sei wie ein Schiff ohne Kompass. "Wie kann ich denn meinen Kompass wieder richtig einstellen, und wie kann ich anderen helfen, ihn zu finden?", will er wissen.
Genn rät zu Geduld, weil man an seinem Kompass und an dem anderer Menschen nicht selbst zu drehen brauche. Man müsse sich nur selbst Jesus aussetzen und ihm zutrauen, "dass er mich lenkt. Es macht mich groß, wenn ich mich so beschenken lasse." Und es brauche Vertrauen, dass Jesus "auch heute Zeichen setzt. Indem wir den Menschen als Christen begegnen, tragen wir dazu bei, dass das Böse keine Kraft mehr hat."
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Text: Jens Joest | Fotos: Jens Joest, Marie-Theres Himstedt
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