
Manchmal legen Unbekannte ein paar Münzen zu den Blumen.
Mein Denkmal und ich (271): Fatima-Gebetsstätte im Bakumer Gemeindeteil Carum
Gießwasser im Kofferraum
Bakum-Carum. Sie fegen Laub, harken die Beete und freuen sich, wenn jemand eine brennende Kerze zurückgelassen hat. Ab und zu treffen Ursula Südkamp und ihr Mann auch Beter bei der kleinen Lichtung mitten in dem Eichenwäldchen in Carum, einem 200-Seelen-Dorf in der oldenburgischen Gemeinde Bakum. Oder sie finden ein paar Münzen, die Unbekannte zurückgelassen haben. "Dafür kaufen wir dann zum Beispiel neue Blumen für den Altar", sagt die 70-Jährige.
Seit gut fünf Jahren pflegen die beiden ehrenamtlich die Gebetsstätte vor der Fatima-Madonna. "Wir waren Rentner geworden und wollten etwas für Carum tun", erklärt Ursula Südkamp. Vorher wäre dafür kaum Zeit gewesen. Mehr als 30 Jahre saß Rudolf Südkamp (72) als LKW-Fahrer hinterm Steuer. Und auch sie selbst hat ihr Lebtag gearbeitet. Erst auf einem Bauernhof, später in einer Näherei, inklusive Nachtschicht. Vier Kinder haben sie großgezogen, das Haus in der Dorfsiedlung selbst gebaut.
Und auch die regelmäßige Pflege der Fatima-Gebetsstätte kann manchmal anstrengend sein. Das Wasser zum Gießen füllt Rudolf Südkamp in Kanister und fährt sie mit dem Wagen heran. Im Sommer mindestens einmal in der Woche, wenn es heiß ist, auch öfter.
Ursula Südkamp. |
Ein großes Ereignis
Im Wallfahrtsort Fatima sind er und seine Frau nie gewesen. Das Reisen sei nichts für sie, sagt Ursula Südkamp. Aber sie kann sich noch erinnern, als im Herbst 1954 eine Madonna durch das Oldenburger Land getragen wurde, von Gemeinde zu Gemeinde. Und dass diese Madonna auch in ihrer Heimat Dinklage Station machte, bevor sie nach Carum kam, transportiert auf einer vierspännigen Kutsche, begleitet von Radfahrern, wie in der Ortschronik zu lesen steht, die das Ehepaar Südkamp aus ihrem Bücherschrank holt.
Damals errichteten Gläubige die Gebetsstätte mit der Fatima-Madonna. Der Pfarrer segnete sie, später kamen Bänke davor. Alljährlich findet an der Stelle eine Marienandacht statt.
Dafür, dass alles immer ordentlich aussieht, dafür sind Ursula und Rudolf Südkamp da. Und zwar nicht immer ganz allein. "Manchmal", so freuen sie sich, "manchmal hilft uns auch ein Nachbarsjunge."
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Text: Michael Rottmann | Fotos: Michael Rottmann in
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