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24.05.2012
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Die spanische Jugend und der WJT

Die spanische Jugend und der WJT: Erreicht er sie? Was bleibt hängen?

Erreicht der WJT die spanische Jugend?

Kleines Pflänzlein Hoffnung in Spaniens Kirche

Madrid. Der Altar vor dem Rathaus auf der Plaza de Cibeles ist fertig, die Balkone und Straßen Madrids sind mit Weltjugendtag-Fahnen geschmückt. Im Stadtpark El Retiro reihen sich 200 futuristische Beichtstühle. Selbst die Souvenirshops bieten Vatikanflaggen an, und Fotos von Benedikt XVI. hängen neben denen der Fußballstars von Real Madrid und FC Barcelona. Seit Tagen füllen Zigtausende junger Katholiken die spanische Hauptstadt. Alles ist bereit für die große fromme Feier, die unter dem Motto "In Christus verwurzelt und auf ihn gegründet, fest im Glauben" steht. Doch wie es um die Glaubensfestigkeit der spanischen Jugend bestellt ist, sehen Fachleute unterschiedlich.

Alfredo Rodriguez Sedano, Soziologieprofessor an der päpstlichen Opus-Dei-Universität von Navarra, ist sich dem sicher: "Die Tatsache, dass bis zu eine Million Jugendliche am Weltjugendtag teilnehmen, zeigt, welche Bedeutung der Glaube für die heutige Jugend hat." Jüngste Umfragen des spanischen Jugendinstituts widersprechen allerdings dieser These. Die Zahl praktizierender Katholiken unter Spaniens Jugendlichen sank in den vergangenen zehn Jahren von 30 auf 10 Prozent. Umgekehrt stieg die Zahl derjenigen, die sich als Atheisten bezeichnen, von 10 auf 30 Prozent.

Religion spielt wichtige Rolle

Doch Rodriguez Sedano insistiert. Eine knappe Mehrheit der spanischen Jugendlichen bezeichne sich noch immer als katholisch. Gerade in der Wirtschaftskrise, in der 44 Prozent der Jugendlichen keine Arbeit fänden, spiele Religion eine immer wichtigere Rolle in ihrem Leben. Viele junge Menschen entdeckten im Glauben etwas, was Gesellschaft und Politik ihnen nicht bieten könnten - Sicherheit und einen Lebenssinn. Diese Sicht des Soziologen bestätigt eine Umfrage der spanischen Zeitung "La Razon": Demnach fühlen sich zahlreiche Jugendliche durch ihre Religion beschützt vor den Unsicherheiten und Schwierigkeiten des Lebens. Rund 70 Prozent der Befragten erklärte sich überzeugt, der Glaube helfe ihnen, sich den großen Herausforderungen zu stellen.

Die katholische Kirche will auf den Weltjugendtagen auch Orientierung angesichts von Arbeitslosigkeit, Verlockungen wie Drogen oder Gefahren wie Aids geben. Die vergangenen Großtreffen hätten gezeigt, dass sich anschließend viele Teilnehmer für ein Priesteramt, ein religiöses Leben oder eine christliche Eheschließung entschieden, so Rodriguez Sedano. Madrids Erzbischof Antonio Maria Rouco Varela ist sich sicher, dass die nächsten Tage einen ähnlichen Effekt haben werden: "Aus jedem Weltjugendtag geht eine neue Generation katholischer Jugendlicher hervor, die in Europa und Spanien zwar nur eine Minderheit darstellt, aber eine große Minderheit."

Ansprechbare Jugend

Rouco Varela gibt das katholische Spanien noch nicht verloren. "Vielleicht haben viele nicht mehr diese Bindung zur Kirche und zum Glauben wie frühere Generationen, aber sie sind sehr ansprechbar für die großen Fragen des Lebens und die Glaubensverkündigung." Wenn sich junge Menschen vom Glauben abwenden, liegt das nach Meinung des Kardinals häufig weder an den Jugendlichen noch an der Kirche: Die Schuld sieht er vielmehr beim spanischen Bildungssystem, bei den Medien die einen negativen Eindruck von der Kirche vermittelten, und in den Familien, die immer seltener christliche Werte an die Kinder weitergäben.

Auf den Einfluss der laizistischen Reformpolitik unter Ministerpräsident Jose Luis Rodriguez Zapatero weist hingegen Evaristo Villar hin. Er ist Priester und Sprecher von "Redes Cristianas", einem Netzwerk katholischer Reformbewegungen, die unter anderem für mehr Demokratie in der Kirche, Gleichberechtigung von Frauen und eine bessere Anerkennung von Homosexuellen eintreten. Die Einführung der gleichgeschlechtlichen Ehe oder die Liberalisierung von Abtreibungen habe Jugendliche darin bestärkt, dass die Kirche nicht recht habe, sagt Villar. Umgekehrt habe diese Politik gläubige Jugendliche noch stärker an die Kirche gebunden. Sie hätten sich "in einer für sie immer feindlicher werdenden Gesellschaft radikalisiert", so der Priester.

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