
Papst Benedikt XVI. reist in ein krisengeschütteltes Land.
Weltjugendtag in Madrid beginnt
Kirchenfest im krisengeschüttelten Land
Rom. Es ist das größte Kirchenereignis des Jahres – sieht man von der Seligsprechung Johannes Pauls II. am 1. Mai ab. Rund eine Million Menschen werden zur Schlussveranstaltung des Weltjugendtags erwartet, zum dem Papst Benedikt XVI. am kommenden Donnerstag (18.08.2011) nach Madrid reist. Es soll ein geistliches Ereignis sein, ein Fest des Glaubens, so die vatikanischen und spanischen Organisatoren. Aber in der aktuellen Krisenlage des südeuropäischen Landes bekommt es unweigerlich auch eine politische Brisanz.
Weltjugendtag und Papstbesuch fallen in eine Phase von landesweiten Protesten. Spaniens Ministerpräsident Jose Luis Rodriguez Zapatero hat nach Massendemonstrationen gegen seine Sparpolitik und gegen die hohe Arbeitslosigkeit für den 20. November Neuwahlen angekündigt. Sein linksliberaler Kurs und seine Gesellschaftsreformen mit Homo-Ehe, Express-Scheidung und Liberalisierung der Abtreibung hatte zu Dauerproblemen mit der katholischen Kirche geführt.
Protestbewegungen
Unterdessen haben die "Indignados" ("Empörten") der Protestbewegung "Echte Demokratie jetzt" nun auch den Papst zum Feindbild erhoben. Um seinetwillen habe die Madrider Stadtverwaltung die Besetzer vom Zentralplatz Puerta del Sol vertrieben. Daher haben sie zum Papstbesuch zu neuen Demonstrationen aufgerufen: gegen die Räumung des Platzes, gegen die Kosten des Jugendtreffens, gegen die Missbrauchsskandale und überhaupt gegen die Kirche.
Fraglich ist, wie viel die angemeldeten 440.000 Weltjugendtagsgäste aus 192 Ländern von dieser aufgeheizten Situation mitbekommen. Das Kirchentreffen beginnt am Dienstag; zwei Tage später kommt der Papst an. Bis Sonntag trifft er bei vier Großveranstaltungen mit den jungen Katholiken zusammen. Er wird das Motto "Verwurzelt und aufgebaut in Christus, fest im Glauben" betonen: Das Treffen soll nicht nur dem Austausch der Teilnehmer dienen, sondern auch in die Universalkirche und in die Gesellschaft hineinwirken.
20. Auslandsreise
Es ist die 20. Auslandsreise von Benedikt XVI. und sein dritter Besuch in Spanien. Erster großer Programmpunkt am Donnerstagnachmittag ist ein Willkommensfest auf der zentralen Plaza de Cibeles. Am Freitagmorgen stattet der Papst dem Spanischen König Juan Carlos einen Höflichkeitsbesuch im Zarzuela-Palast ab. Danach trifft er im 50 Kilometer entfernten Kloster El Escorial junge Ordensfrauen und junge Universitätsdozenten. Am Abend ist in Madrid eine große Kreuzwegandacht vorgesehen - mit Passionsfiguren, die aus dem ganzen Land herbeigebracht werden. In diese Veranstaltung will sich Spanien mit seiner großen katholischen Tradition in besonderer Weise einbringen.
Am Samstag amtiert Benedikt XVI. zunächst als Beichtvater und spendet einigen Jugendlichen das Bußsakrament. Danach feiert er mit jungen Seminaristen eine Messe. Die größte und abschließende Veranstaltung des Weltjugendtags beginnt am Abend mit einem Gebetsgottesdienst auf dem alten Flughafengelände Cuatro Vientos. Anders als in früheren Jahren mündet die Feier nicht in Musik und Gesänge, sondern in eine Eucharistische Anbetung. Am Sonntag feiert der Papst dann die Schlussmesse, zu der rund eine Million Teilnehmer kommen sollen.
Politische Brisanz
Zuvor steht noch eine Begegnung mit Zapatero auf dem Besuchsprogramm, sicher einer der schwierigeren Punkte des Reiseprogramms. Der Papst empfängt den Ministerpräsident am Freitag in der Nuntiatur zu einer Unterredung. In den vergangenen Tagen war es auffallend ruhig im Verhältnis zwischen Staat und Kirche geworden. Das dürfte auch damit zusammenhängen, dass die Regierung vor den Wahlen die Katholiken nicht zusätzlich verprellen will. Umgekehrt braucht die Kirche die Regierung für einen guten Verlauf des Jugendtreffens.
Es spricht daher vieles dafür, dass die angespannte politische Lage wenig Auswirkungen auf das Kirchenereignis hat. Umgekehrt dürfte sich der Papst mit Äußerungen zu inneren Angelegenheiten in Spanien zurückhalten. Denn schließlich soll das Treffen der katholischen Jugend ein geistliches Ereignis werden.
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Text:
KNA Katholische Nachrichtenagentur GmbH | Foto: Michael Bönte
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