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24.05.2012
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Pilgern zur Burg von Javier.

Nach Angaben der spanischen Organisatoren pilgerten 4.000 Jugendliche zur Burg von Javier.

Viele Nationen auf dem Jakobsweg

Pilgern im "Stop and go"

Javier. Nadine Venhaus aus Borken atmet tief durch. Sie stellt ihren Rucksack ab und nimmt einen großen Schluck aus ihrer Wasserflasche. Der Sonnenbrand auf ihren Armen – ein Mitbringsel der Mittagshitze. Erschöpft lässt sie sich auf das Rasenstück vor der Burg von Javier fallen. Trotz möglicher Grasflecken: Die luftige weiße Sommerhose war für die Pilgertour heute die richtige Wahl. Endlich hat die 20-Jährige das Ziel erreicht. "Die Hitze hier ist schon eine Andere als bei uns", sagt sie. "Es war anstrengend, aber gut."

Rund viertausend Jugendliche aus aller Welt sind am Samstag (13.08.2011) gemeinsam ein Stück des Jakobsweges gepilgert. Von Sangüesa im Nordosten Spaniens bis zur Burg von Javier, dem Geburtsort des Heiligen Franz Xaver. Die Straße dorthin ist breit und gut begehbar. Kurvenreich zieht sie sich durch die trockene, gebirgige Landschaft. Der heiße Teer brennt unter den Schuhsohlen – dazu die Hitze der spanischen Vormittagssonne.

Andere Länder, andere Sitten

"Es ist so heiß", beklagt sich Amanda Carticiano aus Island. "Das sind wir nicht gewohnt. Bei uns ist es um diese Zeit nur 15 Grad warm." Anders: die Brasilianer. Sie singen, klatschen und tanzen auf dem Weg zur Burg. Hier schlägt einer den Takt auf der Trommel, dort scheppert ein anderer mit dem Schellenkranz. Hannah Holtmann von der Katholischen Landjugend des Bistums ist begeistert. "Wir sind mit zwanzig Brasilianern unterwegs", sagt sie, "die bringen uns ihre Tänze bei."

Viertausend Jugendliche auf einer Strecke von rund vier Kilometern. Immer wieder staut sich der Menschenstrom. Wer zurück blickt, sieht vor allem Fahnen und Hüte. Fahnen aus Lettland, von den Philippinen, aus Italien, Deutschland oder Ecuador. Hüte aus Stroh, dazu blaue, gelbe, rote oder grüne Mützen, sogar zwei junge Frau mit Sombrero. Und noch eines hat jeder Pilger bei sich: einen Rucksack. Meist bepackt mit einer Trinkflasche im Seitenfach. Bei dem einen oder anderen baumelt auch ein Paar Turnschuhe daran. "Ich habe noch ein Spanisch-Wörterbuch eingesteckt", sagt Hendrik Drüing, pastoraler Mitarbeiter in Rhede. Und gesteht mit einem Lächeln: "Ich bin der Sprache hier leider nicht mächtig."

Die Musik ist selbst gemacht

Das Pilgern im "Stop and Go" scheint hier niemanden zu stören. Vorne beten die Italiener auf Latein das "Vater unser", mittig erklingen spanische Gesänge, hinten das berühmte "Wo zwei, oder drei..." Sarah Drewniok kennt das Geheimnis: "Du musst so lange singen, bis es auf andere übergreift", sagt sie. Auch Daniel Franzen aus Bocholt denkt so. Er geht mit der Jugendkirche "Believe" den Pilgerweg – und hat eine kleine Wandergitarre dabei. "Das gehört für mich zum Weltjugendtag dazu", sagt er und zupft vergnügt an den Stahlsaiten, "singen und Musik machen."

Ein Italiener klettert den steilen, sandigen Hang hinauf, der zu einer Seite die Straße begrenzt. Oben angekommen, schwenkt er mutig seine Nationalflagge – und wird dafür mit dem Jubel seiner Landsleute belohnt. Andere tun es ihm gleich. Nach wenigen Minuten sind rund dreißig Jugendliche auf der Anhöhe versammelt: Franzosen, Brasilianer, Letten. Auch Jugendliche des Bistums schwenken das weiße Münster-Banner mit dem bunten Kreuz.

Ganz vorne mit dabei: die Gruppe von der Jugendkirche

Ganz vorne mit dabei: die Gruppe von der Jugendkirche "Believe" aus Bocholt

Pilgern bei 30 Grad im Schatten

Von weitem wird jetzt ein großes, schwarz-weißes Schild sichtbar. Es zeigt die Burg von Javier, das Ziel des heutigen Tages. Bienvenidos, Bienvenus, Benvenuti und Welcome: Der großer Schriftzug heißt die Pilger willkommen. Jetzt ist es nicht mehr weit. Die Uhr zeigt 12.30 Uhr, das Thermometer 30 Grad.

Neben Nadine Venhaus hat es sich auch Simone Fromme auf dem Rasenstück gemütlich gemacht. "Wir fahren immer zusammen zum Weltjugendtag", sagt sie, "auch beim letzten Mal in Australien waren wir dabei." Der Platz vor der Burg ist jetzt prall gefüllt. In wenigen Minuten beginnt der Gottesdienst, bei dem auch Bischof Felix Genn und Weihbischof Heinrich Timmerevers mit am Altar stehen. Die beiden Frauen sind sich einig: "Es ist schön, Teil der großen Gruppe zu sein."

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