
Freiwillige Helfer beim Abendessen.
Abendgebet in einer Pfarrei vor den Toren Pamplonas
Wie Musik Sprachbarrieren überwindet
Pamplona. Diese Lesung fürchtet jeder Lektor: Beim ersten Abendgebet in der Pfarrei "Padre Nuestro" in Mendillorri vor den Toren Pamplonas am Mittwoch (11.08.2011) wird der Pfingstbericht vorgetragen. Es sind zwar nicht die Bewohner von Phrygien, Pamphylien und Kappadokien wie im Original, aber es sind Deutsche, Letten, Isländer, Brasilianer und Spanier, die den Worten zuhören.
Insgesamt sind rund 100 internationale Pilger in der Dorfpfarrei untergebracht – Jugendliche aus Beckum, Ennigerloh und Sassenberg bilden die Bistum-Münster-Fraktion. Wer volljährig ist, kommt bei einer Familie unter. Die Jüngeren schlafen bereits während der "Tage der Begegnung" im Erzbistum Pamplona dort, wo sämtliche Teilnehmer auch während des eigentlichen Weltjugendtags in Madrid unterkommen werden – in Gemeinschaftsquartieren.
Vielsprachiges Vaterunser
"Und jeder von ihnen hörte sie in seiner Sprache Gottes große Taten verkünden", heißt es im Pfingstbericht. Ganz so wundersam ist die Verständigung beim Abendgebet in Mendillorri nicht – die Texte werden auf Spanisch und Englisch vorgetragen. Dennoch zeigt sich Verbindendes – in der Musik. Beim Lied "Jesus Christ, you are my life" singen die Nationen erstmals gemeinsam. Und da die meisten Gäste das Schlusslied – auf Spanisch – nicht mitsingen können, verlegen sie sich kurzerhand aufs Klatschen. Die jungen Mädchen an den Gitarren und eine ältere Ordensschwester am elektrischen Piano haben Mühe, mit der Melodie Gehör zu finden.
Die Fürbitten weiten den Blick. Für den Papst beten die Jugendlichen, dem sie in Madrid noch begegnen werden. Für sich selbst, dass sie ihren Glauben in diesen Tagen vertiefen. Und für Familien und Freunde, die daheimgeblieben sind.
"Aus allen Teilen der Welt hat uns der eine Gott in dem einen Glauben zusammengeführt", sagt der Lektor. "Wir können nicht alle Sprachen verstehen, aber wir alle verstehen die Sprache der Liebe. Wir alle sind Geschwister, Kinder des einen Gottes, und so können wir gemeinsam das Gebet des Herrn beten – jeder in seiner Sprache." Die Pilger aus allen Nationen und ihre Gastgeber nehmen sich bei den Händen und sprechen ein kräftiges Vaterunser.
Abendessen auf dem Kirchplatz
Nach dem Abendgebet essen Spanier und Gäste gemeinsam auf dem Platz vor der Pfarrkirche. "Wir haben ein Team von 30 Freiwilligen, das während der ganzen Tage in unserer Gemeinde hilft", sagt Isabel Muruzabal, die den Einsatz der Ehrenamtlichen koordiniert. "Aber es kommen bei allen Ereignissen immer noch Leute dazu." Für das Essen haben sie wannenweise Salat geschnitten, Dutzende Baguettes aufgeteilt, es gibt spanische Salami, gekochten Schinken, in wok-ähnlichen Pfannen köcheln kleine Schweinerippchen.
Auch drei Bischöfe lassen es sich schmecken. Neben Felix Genn und Weihbischof Heinrich Timmerevers sitzt der Bischof von Reykjavik in Island, der Schweizer Peter Bürchel, mit am Tisch. "Ich habe unsere 16 Pilger sehr ermutigt, nach Spanien zu fahren", sagt er mit Blick auf sein Land, in dem nur 10.000 Katholiken leben. "Sie sollen spüren: Wir sind nicht allein. Und ich hoffe, dass ihnen die Erfahrung der Weltkirche die Augen und das Herz öffnet für Jesus."
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Text: Jens Joest | Fotos: Jens Joest
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