
Weihbischof Timmerevers freut sich auf die Erlebnisse beim XXVI. Weltjugendtag in Spanien.
Interview mit Weihbischof Timmerevers
"Der Hunger nach Glaubenswissen ist groß"
Bistum. Es ist nicht sein erster Weltjugendtag als Weihbischof. Schon 2002 war Weihbischof Heinrich Timmerevers aus Vechta im kanadischen Toronto mit dabei. Und auch den Weltjugendtag in Köln im Jahr 2005 erlebte er hautnah mit. Jetzt ist der Bischöfliche Offizial für den oldenburgischen Teil des Bistums Münster mit den jungen Pilgern in Pamplona und wird kommende Woche nach Madrid weiterreisen. In einem Interview mit der bischöflichen Pressestelle in Vechta äußert er seine Erwartungen und Hoffnungen für das Großereignis.
kirchensite.de: Herr Weihbischof, freuen Sie sich auf den Weltjugendtag?
Timmerevers: Ja, das tue ich. Es ist ein Fest des Glaubens für junge Menschen. Es ist schön die Gemeinschaft der Gläubigen mit zu erleben als eine, die nicht nur aus deutschen Jugendlichen besteht, sondern aus jungen Menschen aus aller Herren Länder. Auch zu erfahren, dass diese bunte Vielfalt sehr gut zusammen geht. – Ich freue mich auch darauf, dass wir als Bischöfe einen unmittelbaren Kontakt zu vielen Jugendlichen haben werden.
kirchensite.de: Warum ist Ihnen der Weltjugendtag wichtig?
Timmerevers: Es sind 1500 Jugendliche aus dem Bistum Münster, die sich auf den Weg nach Spanien machen. Davon kommen 130 aus dem Oldenburger Land. Das sind zwei gute Zahlen. Durch meine Teilnahme möchte ich dieses auch wertschätzen. - Die Teilnahme ist eine Bereicherung für die Jugendlichen selbst – viele erleben eine solch große Glaubensgemeinschaft ja nur noch selten. Die Teilnahme ist aber auch eine Bereicherung für unser Bistum, für unseren Offizialatsbezirk und für jede einzelne Gemeinde.
kirchensite.de: Ein Weltjugendtag ist – anders als etwa ein Katholikentag – weniger kritisch, weniger kopflastig. Ist es das, was dem einzelnen Gläubigen auch gut tut – den Glauben schlicht zu feiern?
Timmerevers: Den Kopf und die Vernunft darf man nicht ab- beziehungsweise ausschalten. Darüber hinaus erreicht uns der Glaube doch auch wesentlich durch Fest und Feier. Heute würde man sagen durch "Events". Das Hineinwachsen in den Glauben, in das Mysterium, ist immer mit Fest und Feier verbunden. Man kann nicht nur über den Glauben nachdenken: Man muss ihn leben und feiern und ihn im Herzen mitvollziehen. Fest und Feier sind zentrale Bestandteile des Glaubenslebens.
kirchensite.de: Am 18. August halten Sie eine Katechese. 1.000 Jugendliche stehen vor Ihnen. Was ist da das Schwierigste?
Timmerevers: Die Zuhörbereitschaft bei jungen Menschen habe ich nirgendwo sonst so groß erlebt wie bei Katechesen auf Weltjugendtagen. Das ist eine Form der Glaubensvermittlung, die durch die Weltjugendtage wieder neu entdeckt worden ist. Durch das Umfeld werden die Herzen bereit, etwas aufzunehmen. Der Hunger nach Glaubenswissen, nach angeleiteter, vermittelter Glaubenspraxis ist unverkennbar groß. Die Katechesen sind für die jungen Leute eine Erweiterung ihres Glaubenswissens und ihrer Glaubenspraxis. Wenn ich 1.500 Menschen vor mir habe, kommt es natürlich darauf an, das Interesse und auch die Gemütslage dieser jungen Menschen zu treffen. Ich kann also nicht einfach einen trockenen theologischen Vortrag halten. Das Kunststück besteht darin, dass ich Glaubenswahrheiten vermittle gerade durch mein persönliches Glaubenszeugnis; durch etwas, das ich selbst lebe. Das sehe ich als meine Aufgabe und meine Chance an. Und, wenn es möglich ist, will ich andere junge Menschen einladen, selbst Zeugnis zu geben. Damit soll die Wahrheit unseres Glaubens anschaubar werden durch das Zeugnis von Menschen und auch das von Bischöfen.
kirchensite.de: Verraten Sie einige Gedanken aus Ihrer Katechese?
Timmerevers: Das Thema wird sein: "Gegründet in Jesus Christus" mit dem Leitgedanken: "Wer ist Jesus Christus für mich?" Ich werde das Beispiel unseres Kirchenneubaus in Schillig aufgreifen. Ein zweiter großer Block wird die Frage sein: "Wie lebe ich meine Beziehung zu Jesus Christus?" Mehr will ich noch nicht verraten.
kirchensite.de: Die Lage der Kirche in Deutschland ist im Moment manchmal etwas bedrückend. Was ist ihre Botschaft an die deutschen Jugendlichen, aber auch an Jugendliche aus der übrigen Welt?
Timmerevers: Ich sage immer wieder sehr gerne den Satz von Papst Benedikt XVI. aus seiner Antrittspredigt: "Wer sich auf Jesus einlässt, der verliert nichts, sondern er gewinnt alles." Das ist für mich nach wie vor eine wunderschöne Botschaft an uns alle – erst recht an die Jugendlichen. Wer sich also wirklich auf diese Botschaft einlässt, dessen Leben wird nicht arm, sondern reich.
kirchensite.de: Was wünschen Sie sich persönlich von den Tagen in Madrid?
Timmerevers: Die ersten Tage werden wir in Pamplona sein. Das ist eine gute Gelegenheit, die Kirche vor Ort zu erleben. Zu erfahren, wie Spanier ganz konkret ihr Christsein leben. – In Madrid sind es die großen Feiern des Glaubens, die immer etwas Mitreißendes haben. Auch für einen Bischof ist das bereichernd. Und: Wenn man so will, der Weltjugendtag ist nicht nur das größte Katholikentreffen der Welt, sondern auch weltweit eines der größten Bischofstreffen. Es werden rund 500 vertreten sein. Keiner von ihnen muss ein Papier erarbeiten, es gibt keine Konferenzen. In dieser offenen Atmosphäre es ergeben sich viele Gespräche mit Bischöfen der ganzen Welt. Ich freue mich – auch in diesem Bereich - auf die beglückende Erfahrung von Weltkirche.
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