
Kein Berg ist zu hoch: Die Radpilger aus Hildesheim haben auf dem Weg nach Madrid einige Hindernisse zu bewältigen.
Rund 2.600 Kilometer im Sattel
Per Rad zum Weltjugendtag nach Madrid
Hildesheim / Madrid. Vorbei an den Weinbergen der Mosel, über die Pyrenäen, durch die Dörfer des Jakobswegs bis in die spanische Hauptstadt: 15 Männer und eine Frau zwischen 17 und 60 Jahren pilgern mit dem Fahrrad zum Weltjugendtag nach Madrid. Sie sind bereits seit Mitte Juli unterwegs, vier Wochen lang, rund 2.600 Kilometer insgesamt. Die Profis bei der "Tour de France" fahren gerade einmal 800 Kilometer mehr.
Als Pfarrer Harald Volkwein aus Sarstedt bei Hildesheim 2008 vom Weltjugendtag in Sydney zurückkehrte, stand für ihn fest: "Zum nächsten Weltjugendtag fahre ich mit dem Rad." Gemeinsam mit Pfarrer Thomas Hoffmann aus Hannover bereitete er die Tour von Hildesheim nach Madrid vor und lud weitere Mitfahrer ein, "eine Erfahrung fürs Leben zu machen".
Ein paar Schmerzen – "aber sonst läuft es"
Der größte Teil der Radler kommt aus dem Bistum Hildesheim, aber auch ein Ostfriese und fünf Bayern haben sich angeschlossen. Zwar schmerzen manche Handgelenke und Knie der Mitfahrer, auch einige Muskeln brennen. Aber ansonsten, sagt Markus Kirchner, "läuft es richtig gut, wir sind eine tolle Truppe".
Kirchner arbeitet im Bad Kissinger Landratsamt. In seiner Freizeit hält er sich mit Radtouren durch Unterfranken fit und ist in der Kirchengemeinde aktiv. Deshalb war der 26-Jährige begeistert, als er im Internet von der Pilgerfahrt las. "Bei der Tour kann ich meine Leidenschaften – kirchliche Jugendarbeit und Radfahren – zusammenbringen."
"So etwas Verrücktes"
Kofi Wayi reagierte zunächst kritisch. So etwas Verrücktes, habe er gedacht. Der gebürtige Nigerianer lebt seit einigen Jahren in Sarstedt und hat "von Europa noch nicht sehr viel gesehen". Auch deshalb entschied er sich für die Radtour. Zwar liegen viele Sehenswürdigkeiten auf der Pilgerstrecke – um die 100-Kilometer-Etappen zu schaffen, sind die Tage aber fest durchgeplant; Verschnaufpausen gibt es kaum. Die größte Anstrengung dabei sind die Pyrenäen zwischen Frankreich und Spanien. "Da müssen wir bis 1.030 Meter hoch", sagt Pastor Volkwein.
Zur Stärkung hat sich die Gruppe ihr Motto "Starker Weg und großes Ziel" auf eigens gefertigte Trikots drucken lassen; für Energie sorgen Müsliriegel und Bananen. Die Menschen am Straßenrand "schauen schon zweimal hin, wenn 16 Leute wie an einer Perlenkette aufgereiht durch die Landschaft fahren", schmunzelt Volkwein. Die meisten seien begeistert von der Aktion und wünschten den Pilgern Kraft und Ausdauer.
In Zelten oder bei Gastfamilien
Übernachtet wird in Zelten oder bei Gastfamilien. In Luxemburg kehrten die Radler etwa bei Bekannten des Sarstedter Pfarrers ein. Ansonsten kümmert sich eine Gruppe des Malteser Hilfsdienstes um den Transport der Zelte und Lebensmittel. Das persönliche Gepäck steckt in je zwei Satteltaschen. "Da musste man schon genau planen", meint Kofi Wayi. Zwei T-Shirts, eine Hose und sein Schlafanzug – das muss bei ihm für vier Wochen reichen. Jeden Abend werden die Sachen auf dem Zeltplatz gewaschen und am nächsten Tag wieder angezogen.
Für Pastor Volkwein sind Gruppenrituale bei einer so langen Tour wichtig: Frühstück um acht, dann Abbau der Zelte und eine Morgenrunde mit einem Schriftwort für den Tag. Jeden Sonntag wird Gottesdienst gefeiert, entweder im Mannschaftszelt oder in der jeweiligen Gemeinde, in der die Pilger gerade übernachten. Der geistliche Gedanke begleitet die Pilger: "Wir radeln ja nicht irgendwo hin, wir fahren zum Papst", sagt Volkwein. Die Gruppe hat auch ein Geschenk dabei – ein Pilgertrikot, das der Papst beim Weltjugendtag erhalten soll.
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Text:
KNA Katholische Nachrichtenagentur GmbH | Foto: Michael Bönte
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