
Papst Benedikt XVI.
"Besinnt euch auf euer religiöses Erbe"
Benedikt XVI. besucht San Marino
San Marino. Wann spricht ein Papst schon einmal unmittelbar zu einem Gutteil der Gesamtbevölkerung eines Landes? In San Marino, dem 32.000 Einwohner zählenden Zwergstaat unweit von Rimini: Rund 22.000 Sanmarinesen und Italiener versammelten sich am Sonntag (19.06.2011) zum Gottesdienst mit Benedikt XVI. auf dem Gelände des "Stadio Olimpico". Bei sonnigen 25 Grad versicherte der Papst zu Beginn seiner eintägigen Pastoralreise in das Bistum San Marino-Montefeltro, dass er gekommen sei, um die Freuden, aber auch die Mühen und die Ideale der Diözese San Marino-Montefeltro mitzutragen. Die Bevölkerung dankte es ihm mit Applaus, der Chor sang Mozart, die Straßen waren abwechselnd mit Fahnen San Marinos und des Vatikan sowie mit Willkommens-Plakaten geschmückt.
Die Erwartungen, die zuvor an den Papstbesuch geknüpft wurden, waren hoch: "Herr, stärke unseren Glauben" lautet das offizielle Motto der Visite. Dieses Thema griff der Papst auch in seiner Predigt auf: Er warnte eindringlich vor einer Verdrängung christlicher Werte durch Machtstreben und Genusssucht und rief die Bevölkerung zu einer Rückbesinnung auf das reiche christliche Erbe des Landes auf.
Lage der Familien
Besorgt äußerte er sich zudem über die Lage von Familien. Viele von ihnen befänden sich aufgrund der psychologischen und geistlichen Instabilität der Eheleute in einer Krise, sagte der Papst. Angesichts der vielen sozialen Schwierigkeiten und der schlechten Aussichten auf dem Arbeitsmarkt sei es außerdem schwierig geworden, für eine kontinuierliche Erziehung der Jugendlichen Sorge zu tragen.
Der Bischof von San Marino-Monteveltro, Luigi Negri, hatte vor dem Besuch hervorgehoben, dass auch San Marino keine Insel der Seligen mehr sei. Viele Unternehmen befänden sich in einer Krise, die Arbeitslosigkeit sei hoch, die besten Kräfte verließen das Land.
Wer jedoch die vielen, überwiegend russischen Touristen sieht, die sich aus dem rund 25 Kilometer entfernten Rimini aufmachen, um in San Marino einzukaufen, könnte auf den ersten Blick durchaus den Eindruck gewinnen, dem Kleinstaat gehe es gut. Die Hauptstraße, die durch die sanmarinesischen Gemeinden auf den Monte Titano führt, säumen Sportartikel-, Luxuswagen- und Sportwaffengeschäften. Die Statistik spricht jedoch eine andere Sprache: Das Bruttoinlandsprodukt von San Marino sank nach jahrelangem Wachstum 2009 zuletzt um satte 13 Prozent. Von der wachsenden Arbeitslosigkeit sind, wie im umliegenden Italien, insbesondere junge Menschen betroffen.
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Text:
KNA Katholische Nachrichtenagentur GmbH | Foto: Michael Bönte
19.06.2011
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