
Bischof Felix Genn segnet ein Goldhochzeitspaar.
270 Jubelpaare feiern gemeinsam in Münster
Bischof Felix Genn dankt Ehejubilaren für Lebenszeugnis
Bistum. Bischof Felix Genn hat den Ehepaaren, die in diesem Jahr ein Jubiläum feiern, für ihr Bekennntnis zum Sakrament der Ehe gedankt. "In einer Zeit, in der vieles zur Disposition steht, füllen Sie mit Ihrer Lebenserfahrung den Dom", sagte Genn am Samstag (04.06.2011) im Dankgottesdienst zum "Tag der Ehejubiläen" in Münster mit 270 Paaren. Unter ihnen waren 57 Silber- und 131 Goldhochzeitspaare, sechs Paare, die ihre Diamantene Hochzeit (60 Jahre) begingen, und eines, das seine Eiserne Hochzeit (65 Jahre) feierte.
Genn erinnerte in der Predigt an die Erfahrungen der Eheleute mit Treue, Untreue, Gesundheit, Krankheit, Leid, Freude, Krise und Glück. "Indem Sie all das mit in den Dom bringen, bekennen Sie: Wir stehen in einem Beziehungsgeschehen", sage der Bischof. Im Ehebund gebe es mit Gott einen Dritten, der die Eheleute gehalten, geführt und getragen habe.
"Den Glauben selbst erringen"
Wer die Botschaft des Evangeliums empfangen habe, müsse seinem Bekenntnis auch Gestalt geben. "Jeder Christ steht vor der Aufgabe, sich den Glauben selbst zu erringen und anzueignen", hob Genn hervor. Der Glaube werde in der Regel nicht durch die Hauptamtlichen in der Kirche vermittelt, sondern durch Eltern oder Großeltern. Allerdings sei die Erfahrung der Glaubensvermittlung bei den Jubelpaaren oft gebrochen, weil sie bei Kindern und Enkeln kaum mehr zu greifen scheine. "Die äußeren Haltepunkte, die Sie vor Jahrzehnten einmal hatten, sind nicht mehr da", räumte Genn ein. "Mit Zwang ist allerdings beim Glauben nichts zu machen."
Die Herausforderung der Moderne sei, dass der Einzelne darauf setzen müsse, bewusst Christ zu sein und an das Unwahrscheinliche, nämlich Gottes Kraft, zu glauben. Deswegen sollten die Jubelpaare ihre Kinder und Enkel Gott im Gebet anvertrauen und selbst ein mögliches Nein zum Glauben in Liebe tragen. "Lassen Sie sich heute bestärken, Jesus als Dritten neu in Ihren Ehebund mitzunehmen", beschwor Genn die Ehepaare.
Austausch und Kulturprogramm
Nach dem Gottesdienst, den Kirchenchöre aus Lüdinghausen und Seppenrade unter Leitung von Bezirkskantor Thomas Kleinhenz musikalisch gestalteten, nutzten nahezu alle Paare die Gelegenheit zur persönlichen Einzelsegnung durch die anwesenden Priester. Vor allem bei Bischof Genn bildeten sich lange Schlangen.
Beim Mittagsimbiss im Liudgerhaus und im Collegium Marianum in unmittelbarer Nähe des Doms nutzten die Jubelpaare die Chance zum Austausch. Viele Eheleute bestätigten die Aussagen Genns aus der Predigt. Ein Goldhochzeitspaar aus Bedburg-Hau berichtete, dass die eigenen Kinder und Enkel kaum noch Kontakt zur Kirche hätten. Ein Silberpaar aus Münster ergänzte, es sei ihm nicht gelungen, einen Patenjungen auf Dauer für den Dienst als Messdiener zu begeistern.
Unter den Angeboten des Nachmittags erwies sich eine ausführliche Domführung als Renner, sie war schnell ausgebucht. Der Chor "Simple Voices" sang unter dem Titel "So ein Kuss kommt von allein" Liebeslieder der 1920er und 30 er Jahre. Gern gehört wurden auch plattdeutsche Gedichte, Lieder und Dönekes unter dem Motto "Et sall sick wull riegen!" und ein Vortrag zum Thema "Jahreszeiten der Liebe". Mit einer Andacht im Dom endete der "Tag der Ehejubiläen".
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Text: Gerd Felder | Foto: Gerd Felder
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