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25.05.2012
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Ans Kreuz genagelt stirbt Jesus einen schmachvollen Tod.

Bischof Felix Genn feiert die Liturgie vom Leiden und Sterben Jesu

Am Karfreitag "zieht Gott das Böse auf sich"

Bistum. Nach den Worten von Bischof Felix Genn schenkt der Karfreitag die Chance, genau hinzuschauen – auch "auf das Brüchige und die Risse in unserem eigenen Leben". Das hat Genn in der Liturgie vom Leiden und Sterben Jesu am Karfreitag (22.04.2011) im St.-Paulus-Dom in Münster unterstrichen.

Wie oft wollten Menschen lieber wegschauen, sagte der Bischof in der Predigt. "Wegschauen bei Wunden, die mein Verhalten anderen zugefügt hat, bei verborgener Schuld, bei Bruchstellen in meinem Leben, bei Rissen in Beziehungen und Gemeinschaften oder bei Ungereimtheiten und falschen Wegen in Gesellschaft, Staat und Kirche."

"Gott hat in der Schmach gehandelt"

Auch im Leiden Jesu gebe es Momente, in denen man wegschauen wolle. Genn wandte sich an die Gläubigen im Dom: "Er wird gegeißelt. Stellen Sie sich diese Schläge einmal vor!" Weiter erinnerte der Bischof an die Backenstreiche, die Dornenkrone, das schwere Kreuz, das Jesus trage. Und doch sei die Geste der Kirche am Karfreitag: "Wir schauen auf den Durchbohrten."

Mit der Erfahrung von Ostern offenbare sich: "Gott hat in dieser Schmach gehandelt." Das mache das Geschehen des Todes Jesu zunächst noch drastischer und furchtbarer. An Karfreitag zeige sich "die tiefste Wurzel des Bösen, die Golgota möglich gemacht hat, die Gott ausmerzen wollte", sagte der Bischof.

"Er höhlt das Böse von innen aus"

"Gott aber stiehlt sich nicht heraus. Wer könnte uns denn vom Bösen befreien, wenn nicht Gott?", fragte Genn. Weil Gott gerecht sei, müsse er die Sünden verurteilen – auch jene, die die einzelnen Menschen begehen. Weil Gott wahr sei, könne er das Böse auch nicht ungeschehen machen. "Also zieht er es auf sich. Er geht den Weg selbst. Damit höhlt er das Böse von innen aus."

Darum könnten die Christen gerade am Karfreitag auf das Böse schauen und es "Gott hinhalten", sagte der Bischof. Darum werde auch das Kreuz verehrt. Genn erinnerte an die Worte der Liturgie: "Seht das Holz des Kreuzes, an dem der Herr gehangen, das Heil der Welt" (vgl. "Gotteslob", Liedruf 204).

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Text: Jens Joest | Foto: Michael Bönte
22.04.2011

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