
Vermutlich aus dem Jahr 1901 stammt dieses Holzkreuz in Münster.
Mein Denkmal und ich (254): Kruzifix in Münster
Mehr als eine Tradition
Münster. "Ich gucke jeden Morgen nach, ob er noch hängt", erzählt Gabriele Degenhardt-Oberkötter, der ihr Kruzifix mit dem so schlichten wie eindrucksvollen Korpus ans Herz gewachsen ist.
Es stand zunächst mitten auf dem Grundstück an der Warendorfer Straße in Münster, das die Ärztin zusammen mit ihrem inzwischen verstorbenen Mann im Jahr 1974 übernommen hatte. Aber Gabriele Degenhardt-Oberkötter war der Meinung, dieses Kruzifix müsse am Weg stehen. Das bestätigen ihr indirekt auch die zahlreichen Menschen, die an diesem Wegekreuz vorbeikommen, stehen bleiben und innehalten.
Allerdings komme es durch die exponierte Lage auch immer wieder vor, dass der Blumenschmuck, die Kerze mit der Laterne zum Schutz vor Wind oder andere Gegenstände gestohlen werden, mit denen sie das Beet vor dem Kruzifix gestaltet hat. Sie hofft nur, dass ihr nicht der Korpus gestohlen wird – das könnte die 62-Jährige Ärztin überhaupt nicht ertragen.
Gabriele Degenhardt-Oberkötter. |
Restauriert und umgesetzt
Nach Einschätzung von Gabriele Degenhardt-Oberkötter muss das Kruzifix um das Jahr 1901 entstanden sein. In diesem Jahr jedenfalls ist das Haus, in dem sie wohnt, von einem Stellmacher erbaut worden.
1974 ließen die Oberkötters das Kruzifix dann restaurieren, mit einer Kupferabdeckung versehen und an die Kreuzung von Warendorfer Straße und Pleistermühlenweg versetzen.
Das dunkel lasierte Holzkreuz steht im Schatten einiger Bäume und kugelförmig beschnittener Buchsbaumpflanzen und ist noch winterlich mit einem Kranz und einer Schale Heide geschmückt. Eine Kerze brennt davor.
Der Korpus drängt sich dem Betrachter nicht auf, spricht ihn aber gerade in seiner Schlichtheit an, die von künstlerischem und handwerklichem Geschick zeugt.
Liebevolle Pflege
"Entsprechend den Festen dekoriere ich es immer um", berichtet Gabriele Oberkötter. "Solche Denkmale muss man einfach pflegen. Wir haben immer einen Sinn dafür gehabt. Das ist mehr als eine Tradition."
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Text: Claudia Maria Korsmeier | Fotos: Claudia Maria Korsmeier
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