Prälat Jüsten weist auf verfassungsrechtliche Probleme hin
Kirche sieht islamischen Religionsunterricht mit Sorge
Berlin. Die Einführung von islamischem Religionsunterricht sieht der Leiter des Katholischen Büros bei der Bundesregierung, Karl Jüsten, kritisch. Da der Islam in Deutschland nicht die Kriterien einer Religionsgemeinschaft erfülle, mache ihm die Entwicklung "doch einige Sorgen", sagte Jüsten der Katholischen Nachrichtenagentur am Montag (28.03.2011) in Berlin.
Das gelte auch für den Aufbau islamisch-theologischer Studiengänge, die derzeit an vier Universitätsstandorten entstehen, darunter Münster / Osnabrück. "Die Kirche bejaht selbstverständlich die Einführung von islamischem Religionsunterricht an staatlichen Schulen nach den Vorgaben unseres Grundgesetzes", betonte Jüsten. Allerdings schreibe die Verfassung ausdrücklich vor, dass nur Religionsgemeinschaften einen solchen Unterricht beanspruchen dürften. Darauf müsse der Staat achten.
Problem der Vielfalt islamischer Gruppen
Religionsgemeinschaften sind laut Jüsten Vereinigungen von Menschen, die ein religiöses Bekenntnis oder verwandte Bekenntnisse teilen und diese "in einem umfassenden, 'allseitigen' Sinne" pflegen. "Darin unterscheidet sich eine Religionsgemeinschaft von einem religiösen Verein, der lediglich partikuläre – etwa kulturelle oder soziale – Zwecke verfolgt", sagte der Prälat in Anspielung auf die islamischen Verbände in Deutschland, die jeweils einzeln die Rechte von Religionsgemeinschaften beanspruchen.
Nach Jüstens Annahme ist die Vielfalt des Islams in Deutschland ein Hinderungsgrund für den Zusammenschluss zur Religionsgemeinschaft. Es sei aber durchaus machbar, dass sich verschiedene Gemeinschaften mit unterschiedlichen Bekenntnissen bildeten. Die Islamverbände verfolgten jedoch auch divergierende Interessen und repräsentierten nur einen geringen Teil der hier lebenden Muslime.
Islamkonferenz am Dienstag
Die Frage des Religionsunterrichts für die bundesweit 700.000 Schüler und der Aufbau von Studiengängen für islamische Theologie ist Thema beim Treffen der Deutschen Islam Konferenz am Dienstag (29.03.2011) in Berlin. Als erstes Bundesland peilt Nordrhein-Westfalen die flächendeckende Einführung von islamischem Bekenntnisunterricht zum Schuljahr 2012 / 13 an. In sechs weiteren Ländern gibt es entsprechende Schulversuche.
Nach bisheriger Planung sollen islamische Beiräte in den Schulministerien und Universitäten über die Lehrinhalte und Besetzung der Lehrstühle mitentscheiden. Dies, so Jüsten, sei jedoch eine provisorische Konstruktion, die keine Religionsgemeinschaft ersetze. Sie schaffe "verfassungsrechtliche Probleme, die noch längst nicht gelöst und ohne Abweichen vom Begriff der Religionsgemeinschaft wohl auch nicht lösbar sind".
Mehr zum Thema in kirchensite.de:
Durchbruch für Islam-Unterricht in Nordrhein-Westfalen (22.02.2011)
Bund fördert Islamisches Zentrum an der Universität Münster (14.10.2010)
Text:
KNA Katholische Nachrichtenagentur GmbH
28.03.2011
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