
Papst Benedikt XVI.
Zollitsch äußert Verständnis für militärischen Einsatz
Papst fordert diplomatische Lösung für Libyen
Vatikanstadt / Hamburg. Benedikt XVI. fordert ein Ende der Kämpfe in Libyen und eine diplomatische Lösung der Krise. Beim Angelusgebet am Sonntag (27.03.2011) auf dem Petersplatz appellierte er an die internationalen Organisationen sowie an alle politisch und militärisch Verantwortlichen, umgehend einen Dialog aufzunehmen, um die Gewalt zu beenden. Angesichts der immer dramatischer werdenden Lage äußerte sich der Papst besonders besorgt über die Unversehrtheit und Sicherheit der Zivilbevölkerung.
"In Momenten größter Spannungen ist es dringend geboten, auf alle Mittel der Diplomatie zurückzugreifen und auch die schwächsten Signale einer Öffnung und eines Versöhnungswillens zu unterstützen", sagte der Papst. Auch für die anderen Nahoststaaten, aus denen in den vergangenen Tagen Unruhen und Gewalt gemeldet wurden, forderte Benedikt XVI. "den Weg von Dialog und Versöhnung". Ziel müsse ein gerechtes und brüderliches Zusammenleben der Menschen und der Staaten sein.
Zollitsch verteidigt deutsche Enthaltung
Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, äußerte Verständnis für den Militäreinsatz gegen Libyen. "Ich kann die Gründe derer nachvollziehen, die sich für das militärische Eingreifen entschieden haben", sagte Zollitsch dem "Hamburger Abendblatt" am Samstag (26.03.2011). Wenn die Truppen Gaddafis tatsächlich kurz davor gestanden hätten, ein Blutbad anzurichten, sei ein Militäreinsatz auf der Grundlage eines Mandates zum Schutz der Zivilbevölkerung grundsätzlich vertretbar.
Zollitsch warnte davor, die Bedenken gegen ein solches Engagement gering zu achten. Er verteidigte die Position der Bundesregierung, sich am Einsatz nicht zu beteiligen. Niemand wisse, "ob aus dem humanitär begründeten Ad-hoc-Schlag am Ende nicht eine lang anhaltende Verstrickung mit unkalkulierbaren Folgen wird", sagte der Erzbischof. Die Kirche könne in einer solchen Situation keine eindeutige und selbstgewisse Empfehlung an die Politik geben.
Der Erzbischof äußerte auch Kritik am Verhalten der internationalen Gemeinschaft gegenüber Gaddafi. Es sei nicht erst in der Rückschau problematisch, dass einem offenkundigen Despoten Waffen und Kommunikationstechnik verkauft worden seien, die er gegen die eigene Bevölkerung einsetzen könne. "Auch hatte die Sanktionspolitik der letzten Wochen etwas Halbherziges", bemängelte Zollitsch. Aufgabe Deutschlands sei es nun, gemeinsam mit der internationalen Gemeinschaft humanitäre Notlagen zu lindern, betonte Zollitsch. Auch solle die Bundesrepublik Libyen Hilfe anbieten, "sich auf den Weg einer freien und demokratischen Gesellschaft zu machen".
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Dossier: Papst Benedikt XVI.
Übersicht: Erzbischof Robert Zollitsch, Vorsitzender der Bischofskonferenz
Text:
KNA Katholische Nachrichtenagentur GmbH | Foto: Michael Bönte
27.03.2011
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