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30.09.2016
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Kirche im Web 2.0

Live ins Netz übertragen wurde die Podiumsdiskussion im Franz-Hitze-Haus.

Tagung "Kirche im Web 2.0" mit vielen Teilnehmern

Pioniere im digitalen Schützengraben

Bistum. Per Beamer erscheinen auf der "Twitterwall" im Minutentakt die aktuellen Online-Kurznachrichten, genannt "Tweets". Die Statements der Referenten werden live ins Web gestreamt und angemeldet hatte man sich im Vorfeld über Facebook – wer bis hierin noch die Begriffe versteht, der darf sich mit Stolz als "Onliner" bezeichnen: Eben jenes Problem, Begriffe aus der Netzwelt zu verstehen, sowie Perspektiven für die Kirche im Internet zu entwickeln, war Bestandteil der Tagung "Kirche im Web 2.0", die die Akademie Franz-Hitze-Haus am Freitag (18.03.2011) veranstaltete.

72 Teilnehmer aus ganz Deutschland waren nach Münster gekommen um sich über "Kirche und Social Media – Standards für kirchliche Netzaktivitäten" auszutauschen. Dazu gehörte die Online-Redakteurin des Bistums Osnabrück genauso wie die Öffentlichkeitsarbeiter der katholischen Hilfswerke oder verschiedene Ordensleute. Schon zum dritten Mal trafen sie sich um zu diskutieren: "Wohin geht die katholische Kirche im Internet?" Vor zwei Jahren war der erste katholische Fernsehkanal im Web Thema, im letzten Jahr ging es um Communities, in diesem Jahr also um "Web 2.0 – Standards für kirchliche Netzaktivitäten".

Hauptamtliche fürs Web 2.0 schulen

Wie dringlich dieses Anliegen den hauptamtlichen Tätigen für Internet ist, wurde in einer abschließenden Podiumsdiskussion deutlich. Kann oder muss es überhaupt eine einheitliche Linie für das Auftreten der katholischen Kirche im Netz geben? Stefan Lesting vom "domradio.de" aus dem Erzbistum Köln stellte heraus: "Die Herausforderung im Netz ist die gesellschaftliche Teilung in zwei Gruppen, eben solche Menschen, die im Netz sind, und jene, die nicht im Netz sind." Sein Kollege Tom Noeding von "evangelisch.de" bezeichnete diesen Zustand treffen als "digital gap", dem man begegnen müsse, indem man Hauptamtliche schult und Medienpädagogik weiter fördere.

Die Menschen seien dankbar, wenn es einen Leitfaden gäbe, der ihnen überhaupt mal erklärt, was Facebook, was Social Media und Netzwerke überhaupt seien, wie auch Florian Maier, Social Media Manager beim evangelischen Jugendwerk Baden-Würtemberg ergänzte: "Aus der Jugendarbeit kann ich mitteilen: der Nutzer ruft seine Informationen nicht mehr ab, sondern er hat die Haltung, wenn eine Nachricht wichtig ist, dann wird sie mich schon erreichen." Da müsse man über soziale Netzwerke agieren, das erfordere auch eine Aufstockung an Personal: "Die jungen User sind die Kirche von morgen!" so Maier. Man stehe hier aber ebenfalls vor dem Problem der kirchlichen Einheitlichkeit: "In der Jugendarbeit sind wir schon weiter als auf Ebene der Landeskirche. Dort redet man seit längerem über einen Facebookauftritt. Wir machen das schon lange, weil wir sonst unsere Zielgruppe gar nicht mehr erreichen würden!"

Ofizielle Rückendeckung der Bischöfe?

Über die Notwendigkeit von Netzwerken war sich die Expertenrunde einig, nicht aber in der Umsetzung: "Wir haben ein engagiertes junges Team, die sicher gerne Social Media umsetzten würden", stellte Gunda Ostermann, Redaktionsleiterin von "katholisch.de" heraus. Allerdings wünsche man sich auch "offizielle Rückendeckung". Die kirchliche Verantwortlichkeit muss klar sein, denn " im Netzwerk muss unzensierte Diskussion stattfinden können: "Da muss Kirche auch aushalten, wenn Nutzer kritisch kommentieren."

 Vor dem Hintergrund, dass man seit Jahren über eine einheitliche Strategie der katholischen Kirche in Deutschland im Internet diskutiert, kam Eckhard Bieger, Jesuit und Gründer des Online-Portals "kath.de" zu dem Schluss: "Wir sollten nicht weiter an den großen Strukturen arbeiten, sondern viele Menschen vor Ort zur Glaubenskommunikation motivieren." Der Papst habe doch schließlich in seinem Wort zum Tag der sozialen Kommunikationsmittel 2010 zur Internetnutzung aufgerufen: "Es ist eher ein Problem der Hauptamtlichen, als der Bischöfe. Jeder Christ ist zum Zeugnis seines Glaubens da, warum nicht auch im Netz?"

Worauf prompt die Frage aus dem Publikum aufkam: "Ist denn die katholische Kirche nicht zu hierarchisch im Netz?" Schließlich müsse man als Hauptamtlicher auch mit beruflichen Konsequenzen rechnen, wenn man im Netz nicht auf offizieller Linie agiere.

Zu diesem Restrisiko im digitalen Schützengraben hatte Bieger folgende Empfehlung parat: "Es ist nicht die Aufgabe der Bischöfe, das Internet voranzutreiben, sondern die der Pioniere."

Was ist eine Twitterwall?

Eine "Twitterwall" ist eine Wand voller "Tweets", das sind 140 Zeichen lange Nachrichten, welche auf Twitter verfasst werden können. Eine Twitterwall beinhaltet immer Tweets zu einem bestimmten Stichwort (Hashtag), welches der Ersteller frei festlegen kann. Diese sog. "Hashtags" sind Stichworte mit einer Raute (#) davor, welche auf das Thema eines Tweets hinweisen, z.B. "#twitterwallr" oder "#barcamp". (Quelle: Twitterwallr.com)

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