
Kardinal Walter Kasper.
Vom Beitrag der Theologen "mehr erwartet"
Kardinal Kasper von Memorandum "maßlos enttäuscht"
Frankfurt. Die Zölibatsdebatte darf nach den Worten von Kurienkardinal Walter Kasper "keine lähmende Dauerdiskussion" werden. Auch er habe vor 40 Jahren für eine Überprüfung der verpflichtenden priesterlichen Ehelosigkeit plädiert. Sie habe aber bei drei Weltbischofssynoden längst stattgefunden und zu klaren Ergebnissen geführt, schreibt Kasper am Freitag (11.02.2011) in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" mit Blick auf das Memorandum reformorientierter katholischer Theologen. Die alten Argumente für eine Abschaffung des Zölibats ließen sich seriöserweise angesichts dieser Ergebnisse nicht einfach wiederholen.
Auch der Forderung nach einer Priesterweihe bewährter verheirateter Männer, sogenannter "viri probati", um dem Priestermangel entgegenzuwirken, erteilte Kasper eine Absage. Sie stehe für einen hoffnungs- und zukunftslosen und damit falschen Konservativismus. Allerdings könne die großflächige Zusammenlegung von Pfarreinheiten auch nicht die Lösung sein. Weiter sagte Kasper, dass gerade die Kirchen, die sich für die Frauenordination und die Anerkennung gleichgeschlechtlicher Paare entschieden haben, "gerade deswegen in einer viel tieferen Krise stecken als die katholische Kirche".
Insgesamt habe ihn das Memorandum mit derzeit 228 Unterzeichnern "maßlos enttäuscht", so Kasper, der bis Mitte vergangenen Jahres Präsident des vatikanischen Rats zur Förderung der Einheit der Christen war. Er vermisse darin einen substanziellen Beitrag; von Theologen habe er "mehr erwartet". Kein vernünftiger Mensch bestreite, dass die katholische Kirche "einen Aufbruch bitter nötig hat". Auch die Forderung nach einer anderen innerkirchlichen Rechtskultur sei richtig. Die gegenwärtige Kirchenkrise sei aber eine Folge der Gotteskrise in der Gesellschaft und nicht in erster Linie auf die Kirchenverfassung zurückzuführen. Die entscheidende Frage sei "die Bezeugung des Glaubens in der Welt von heute". Statt "oberflächlich an der Stellschraube des Zölibats zu drehen", brauche es eine "radikale Erneuerung" dieses Glaubens.
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Text:
KNA Katholische Nachrichtenagentur GmbH | Foto: Jürgen Kappel
11.02.2011
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