
Papst Benedikt XVI.
Rede vor Diplomatischem Corps im Vatikan
Papst besorgt über Verstöße gegen Religionsfreiheit
Vatikanstadt. Benedikt XVI. hat sich beim Neujahrsempfang für das Diplomatische Corps im Vatikan besorgt über Verstöße gegen die Religionsfreiheit auf der ganzen Welt gezeigt. In vielen Ländern und allzu oft werde gerade die Kult- und Gewissensfreiheit der Christen gravierend verletzt, sagte er am Montag (10.01.2011) vor den beim Heiligen Stuhl versammelten Diplomaten. Im Nahen und Mittleren Osten sorgten immer wieder Attentate für Tod, Schmerz und Verzweiflung und drängten die Christen zum Verlassen ihrer Heimatländer.
Die religiöse Dimension gehöre unverzichtbar und untrennbar zum Wesen und Handeln des Menschen hinzu, unterstrich der Papst in seiner mit Spannung erwarteten Rede. Wenn dieser fundamentale Aspekt vernachlässigt oder geleugnet werde, führe das zu Ungleichgewichten und Konflikten auf allen Ebenen. Religionsfreiheit sei kein nachgeordnetes Recht, seine Verletzung sei nicht weniger gravierend als bei anderen Menschenrechten.
Kritik an Sexualkundeunterricht
In seiner Rede vor dem diplomatischen Corps kritisierte der Papst auch eine "in einigen europäischen Ländern" vorgesehene verpflichtende Teilnahme an einem Sexualkundeunterricht, der dem christlichen Menschenbild widerspreche. Dort würden "vorgeblich neutrale Auffassungen von der Person und dem Leben" vermittelt. Diese widerspiegelten jedoch eine Anthropologie, die im Gegensatz zu Glauben und rechter Vernunft stehe. Die verpflichtende Teilnahme an einem solchen Unterricht nannte der Papst eine stillschweigende Bedrohung der religiösen Freiheit von Familien. Vatikansprecher Lombardi sagte nach der Rede vor Journalisten, Benedikt XVI. habe sich mit diesen Worten insbesondere auf die gegenwärtige Situation in Spanien bezogen.
Unter den Michelangelo-Fresken der Sala Regia appellierte der Papst an die Staatengemeinschaft, allen Menschen ihr unveräußerliches Recht auf Religionsfreiheit in allen Bereichen zu gewähren. Insbesondere rief er Regierung und Muslim-Führer im Irak auf, sich für Sicherheit und Lebensmöglichkeiten der Christen in ihrem Land einzusetzen. Von den Behörden in Ägypten verlangte er nach den brutalen Terroranschlägen wirksame Schutzmaßnahmen für religiöse Minderheiten. Die neuen Behörden in Pakistan forderte das Kirchenoberhaupt auf, Maßnahmen zur Abschaffung des Blasphemie-Gesetzes zu ergreifen, da es Ungerechtigkeiten und Gewalt vor allem gegen Christen auslöse.
Gefahr auch in westlichen Ländern
Auch in westlichen Ländern drohten Gefahren für die Religionsfreiheit, hob der Papst hervor. Im Namen von Pluralismus und Toleranz würde die Religion hier vielfach an den Rand gedrängt und zur Nebensächlichkeit degradiert. Sie werde als fremd oder gar destabilisierend für eine moderne Gesellschaft dargestellt. Dabei versuche man, ihren Einfluss auf das gesellschaftliche Leben einzuschränken.
Religionsfreiheit müsse auch das freie Bekenntnis und das gesellschaftliche Mitwirkungsrecht aller Gläubigen einschließen, so Benedikt XVI. Dazu gehöre auch der Respekt gegenüber religiösen Festen und Symbolen. Zugleich kritisierte er Bestrebungen, das Kruzifix aus Respekt gegenüber anderen Religionen oder Nichtgläubigen aus dem öffentlichen Leben verbannen zu wollen. Ausdrücklich begrüßte der Papst daher die Initiative der italienischen Regierung für die Beibehaltung von Kruzifixen in öffentlichen Gebäuden.
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Text:
KNA Katholische Nachrichtenagentur GmbH | Foto: Michael Bönte
10.01.2011
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