
Erzbischof Robert Zollitsch.
Interviews des Bischofskonferenz-Vorsitzenden
Zollitsch: Kirche hat großen Vertrauensschaden erlitten
Bonn. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, hat sich betroffen über den durch den Missbrauchsskandal entstandenen Vertrauensschaden der Kirche gezeigt. "Wir haben erlebt, dass Menschen von ihrer Kirche bitter enttäuscht sind. Da ist viel Vertrauen verloren gegangen", sagte Zollitsch den "Ruhr-Nachrichten" in Dortmund am Donnerstag (23.12.2010). "Dass viele Menschen aus diesem Grund ausgetreten sind, stimmt uns traurig. Das sind schmerzliche Prozesse."
Missbrauch finde allerdings in der gesamten Gesellschaft statt, nicht nur in der Kirche, fügte der Freiburger Erzbischof hinzu. "Aber es ist moralisch gesehen schlimmer, wenn es ihn in der Kirche und ihren Einrichtungen gibt."
Umfassendes PID-Verbot verlangt
Zollitsch betonte, dass die Kirche alles dafür tun werde, damit sich solche Missbrauchsfälle nicht wiederholten. Dazu dienten auch die verschärften Leitlinien zum Umgang mit Verdachtsfällen und das Maßnahmenpaket zur Prävention. Der Erzbischof stellte eine rasche Entschädigungsregelung für die Opfer in Aussicht. "Wir bieten finanzielle Anerkennung für erfahrenes Leid an", sagte er. Das Geschehene lasse sich allerdings nicht mit Geld ungeschehen machen: "Deshalb stellen wir auch finanzielle Hilfen für Therapien bereit." Die Bischofskonferenz habe ihre Vorschläge am Runden Tisch der Bundesregierung vorgelegt. Er gehe davon aus, dass das Gremium "im nächsten Jahr zu einem umfassenden Vorschlag in Sinne der Betroffenen kommen wird", so der Bischofskonferenz-Vorsitzende.
In der "Passauer Neuen Presse" appellierte Zollitsch an die Bundestagsabgeordneten, ein umfassendes Verbot von Gentests an Embryonen zu beschließen. Die Kirche werde "sehr engagiert dafür streiten", dass das Parlament die Präimplantationsdiagnostik (PID) nicht zulasse, sagte er. Es bestehe "die Gefahr eines Dammbruchs, wenn sich der Mensch zum Herrn über andere Menschen macht und bestimmt, welches Leben sich entwickeln darf und welches nicht".
Bundeswehr in Afghanistan im "Krieg"
Den Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan bezeichnete der Erzbischof ausdrücklich als "Krieg". Er sprach sich zugleich gegen einen überstürzten Rückzug aus. "Es ist ein Krieg in Afghanistan, obwohl es eigentlich um die Befriedung und den Aufbau des Landes geht." Bei aller Sorge um das Leben der deutschen Soldaten sollte nicht vergessen werden, wie viel Positives sie für das Land erreicht hätten. Wichtig sei, dass "eine Konzeption erarbeitet wird, die tatsächlich eine Lösung für Afghanistan bringt", bekräftigte der Erzbischof.
Mit Blick auf den Deutschland-Besuch des Papstes im September sagte Zollitsch, er erhoffe sich ein "starkes Signal" von der geplanten Rede des Papstes im Bundestag. "Eine Rede an 'seine' Nation, in der er uns an unsere Werte und Wurzeln erinnert, wäre ermutigend."
Kurz vor dem Weihnachtsfest sprach Zollitsch von einem in der Gesellschaft tief verankerten Bedürfnis nach Religion. "Die vollen Kirchen an den Festtagen zeigen das große Verlangen nach religiöser Bindung, auch ein Stück Spiritualität", sagte er. Er selber freue sich "über jeden, der an Weihnachten zu uns kommt". Das Fest sei für die Kirche "eine Chance, die Menschen einzuladen, regelmäßiger zu uns in die Kirche zu kommen".
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Text:
KNA Katholische Nachrichtenagentur GmbH | Foto: Michael Bönte
23.12.2010
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