
Bischof Felix Genn (Mitte) beim Jugendgebetsabend am Freitag im St.-Paulus-Dom.
Jugendgebetsabend erinnerte an die Messdienerwallfahrt
Der Dom stand in Rom
Bistum. Für gut eine Stunde stand Münsters Dom in Rom. Denn der Jugendgebetsabend mit Bischof Felix Genn am Freitag (10.09.2010) war eine Art Nachtreffen der Internationalen Ministrantenwallfahrt: Anfang August hatten sich 2.000 Messdiener aus dem Bistum Münster in die Ewige Stadt aufgemacht, um Kollegen aus 17 Nationen und den Papst zu treffen.
Gut 500 Jugendliche sind zum Jugendgebetsabend gekommen, und die Messdiener fühlen sich gleich wie in Rom: "Die farbigen Lichter, die Musik – das ist wie bei den Abendgebeten in Santa Maria in Trastevere", sagt Benedikt Ickerodt (18) aus St. Vitus Olfen. "Wir haben schon Bekannte aus Rom getroffen", ergänzt Corinna Tepper (17) aus Olfen. Nicht zuletzt: "Die Stimmung ist wieder da", findet Alena Dresselhaus (17) aus Herz Jesu Ibbenbüren-Püsselbüren. Das liegt vor allem an der Musik. Das Lied "Lasst uns ziehen zu den Quellen des Lebens" klappt noch wie auf dem Petersplatz: Beim Refrain "Denn Du bist da, Du bist da, Gott, so nah" wiegen sich die Jugendlichen mit erhobenen Armen. Zum perfekten Wallfahrts-Gefühl fehlt nur der Papst.
Leben als "Weg, Jesus zu entdecken"
Bischof Genn immerhin ist gekommen: "Ihr glaubt gar nicht, wie mich das stärkt, dass Ihr da seid. Dass Gott Euch findet, dass Ihr Gott findet." In der Predigt bezieht er sich auf das Motto der Ministrantenwallfahrt, "Aus der wahren Quelle trinken", und spricht über die Quellen, aus denen er schöpft: "Mein ganzes Leben war ein Weg, Jesus zu entdecken." Das sei nichts, was man auswendig lernen könne, wenn es in der Schule abgefragt wird. "Das ist die Entdeckung eines Menschen, einer Person, einer Freundschaft, einer Liebe. Das hat für mich bis jetzt nicht aufgehört."
Eine Kraftquelle für ihn, sagt der Bischof, sei jeden Morgen das Gebet vor der Monstranz mit dem Leib Christi. "Dann komme ich zur Ruhe. Da treffe ich jemanden, der wirklich mein Freund ist. Ich schaue auf ihn – und er schaut auf mich. Das ist mein Gespräch mit ihm." Es ist still im Dom.
Die römischen Wallfahrts-Lieder brachten auch in Münster die Messdiener in Bewegung. |
"An der Quelle sprudelt es frisch"
Ebenso wichtig sind für Genn das Gespräch mit Mitchristen und die gemeinsame Messe: "Wenn ich in der Wandlung sagen darf 'Das ist der Leib Christi, das ist sein Blut', dann bin ich am tiefsten Punkt meines Lebens."
Das Gebet empfiehlt der Bischof auch den Jugendlichen: "Schau ihn an", wendet er sich an jeden Einzelnen. "Mach es einfach. Auf ihn kannst du dich verlassen." Im "Strom des Lebens" schwimme "eine Menge Dreck", weiß Genn. Das gelte auch für ihn, "für all das, was mir als Bischof so um die Ohren fliegt. Aber wenn du an der Quelle trinkst, sprudelt es frisch."
Jeder könne erfahren, dass Jesus "nach meinem Glauben" dürste: "Er hat Sehnsucht nach mir, er möchte mit mir zusammen sein. Und darum", sagt Genn, "wird er Mensch."
Kraftquellen der Jugendlichen
Nach dem Bischof sind die Teilnehmer des Jugendgebetsabends eingeladen, von Quellen zu erzählen, aus denen sie schöpfen. Dazu wandert ein Handmikrofon durch den Dom. "Aus dem Gebet", sagt eine junge Frau. "Aus Freundschaften und Gemeinschaft", sagt ein junger Mann. Ein anderer sagt: "Aus Musik, aus meinem Singen und Tanzen. Das ist für mich noch mehr als Gebet." Eine Frau ergänzt: "Aus der Liebe. Aus der, die ich schenke, und aus der, die ich empfange."
"Wer glaubt, ist nicht allein", betont Felix Genn auch an diesem Abend, an dem die Messdiener im Dom ähnlich empfinden: Viele haben diese Erfahrung im August in Rom gemacht. Und von ihren Erlebnissen bei der Ministrantenwallfahrt war am Freitag (10.09.2010) noch lange die Rede: Nach dem Gebet trafen sich die "Römer" noch in der Aula der münsterschen Studentengemeinde.
Mehr zum Thema in kirchensite.de:
Übersicht: Internationale Ministrantenwallfahrt Rom 2010
VIDEO: Rückblick auf die Ministrantenwallfahrt
Dossier: Bischof Felix Genn
Bistumshandbuch: Jugendgebetsabend im St.-Paulus-Dom
Kirche von A bis Z: Messdiener
Text: Jens Joest | Fotos: Michael Bönte
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