
Im Mittelpunkt des zweitältesten niederrheinischen Marienwallfahrtsortes Marienbaum steht die Kirche St. Mariä Himmelfahrt, in der die Pilger Ruhe und Einkehr finden.
Maria im Trappenboom
Wallfahrtsort Marienbaum bei Xanten
Xanten-Marienbaum. Marienbaum ist der zweitälteste Marienwallfahrtsort am Niederrhein. Wer über die Bundesstraße 57 (via romana) das Dorf durchfährt, ahnt nicht, dass diese Wallfahrtsstätte rund 200 Jahre älter ist als Kevelaer. Nach den Aufzeichnungen alter handgeschriebener Klosterbücher beginnt die Wallfahrtsgeschichte im Jahr 1430. Ein armer gelähmter Schäfer vernimmt der Legende nach eine Stimme: Er möge hier in Broechem (Bruch/Heidelandschaft) eine Eiche aufsuchen, deren mächtige Zweige treppenartig geformt seien und in deren Astwerk eine Muttergottes-Statue stehe. Wenn der Hirte sie verehre, würde er Heilung finden, verheißt ihm die Stimme.
Der Schäfer folgt dem Traumbild, findet den Baum mit der Statue und wird geheilt. Die wunderbare Heilung spricht sich schnell herum. Schon bald pilgern viele Kranke und Gebrechliche zur Marienstatue und werden gesund. Der Legende nach versucht der Pfarrer aus dem 1000 Jahre alten Nachbardorf Vynen mehrfach, die Statue zu entwenden und in seiner Kirche aufzustellen. Auf wundersame Weise steht sie jedoch am folgenden Tag immer wieder in der Eiche.
Im Jahr 1438 beschließt er schließlich mit der Erlaubnis der Herzogs Adolf I. von Cleve, an dieser Stelle eine Kapelle zu errichten, in der das Bildnis aufgestellt werden soll. In der Folgezeit wird in einer fast unbewohnten Gegend eine für mittelalterliche Verhältnisse große Kirche gebaut. Laut den vorhandenen Weiheurkunden wird die Kirche – der heutige Chorraum – im August 1441 von einem Kölner Weihbischof feierlich geweiht und der noch vorhandene Steinaltar im vorderen Bereich der Kirche konsekriert.
Da die steigende Zahl von Wallfahrern nicht mehr durch den Pfarrer von Vynen betreut werden kann, wird mit Erlaubnis des Herzogs von Cleve ein eigener Geistlicher für die Seelsorge eingesetzt. Dies führt dazu, dass immer mehr Pilger die "Kapelle an gen Trappenboom" besuchen. Das Gotteshaus reicht nicht aus, alle Pilger aufzunehmen, sodass die Wallfahrtsliturgie oft im Freien stattfindet.
Nach dem Tod des Herzogs Adolf entschließt sich seine Gemahlin, Maria von Burgund, für das Seelenheil ihrer Angehörigen aus eigenen Mitteln ein Kloster zu stiften. Während einer Kutschfahrt hatte sie bei s’ Hertogenbosch ein Birgitten-Doppelkloster kennen gelernt. Beeindruckt, dass dort Schwestern und Mönche zusammenlebten, lässt sie 1457 den Grundstein für das Kloster legen und treibt – den Tod vor Augen – den Bau voran.
Noch vor seiner Vollendung kommen auf Wunsch der Herzogin am 25. Juli 1460, dem Fest des heiligen Jakobus, sieben Schwestern und zwei Patres aus dem holländischen Kloster "Koude Water". Sie feiern anderntags das erste Konventamt. Papst Pius II. bestätigt das Kloster, und kurze Zeit später wird die Klausur eingeführt. Das Kloster erhält den Namen Marienbaum.
Stärkung für Leib und Seele
Individueller Charakter
Marienbaum gehört zu den so genannten stillen Wallfahrtsorten. "Im Schatten von Kevelaer möchten wir eine Oase des Glaubens sein", sagt Pfarrer Wolfgang Derix. Zurzeit besuchen etwa 150 Wallfahrtsgruppen und zahlreiche Einzelpilger den Ort. Das Wallfahrtsteam – dem 20 engagierte ehrenamtliche Frauen und Männer angehören – hat unter Leitung des Pfarrers ein individuelles Programm gestaltet. "Wir möchten zur Stärkung des Glaubens beitragen und bieten darum in Marienbaum Dienste für Leib und Seele", sagt Derix. Dazu gehören Pilgergottesdienste mit Pilgerpredigt. Es werden Kirchenführungen angeboten, und durch den ehemaligen Klosterpark führt ein Kreuzweg, an dessen Stationen die Pilger beten können. Das kleine Wallfahrtsmuseum erzählt die Geschichte des Birgitten-Doppelklosters. Bei Messdienerwallfahrten ist die Übernachtung im Jugendheim möglich. Auf Wunsch werden Mahlzeiten (Mittagessen sowie Kaffee und Kuchen) vermittelt. Informationen erteilt das Wallfahrtsbüro unter Telefon 0 28 04/3 70.
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