
Mehrer Tausend pilgerten nach Telgte.
Tausende bei der Osnabrücker Wallfahrt
Verschwitzt, aber glücklich
Telgte. Bei Temperaturen von weit über 30 Grad sind am Samstag (10.07.2010) mehrere Tausend Teilnehmer der großen Wallfahrt von Osnabrück nach Telgte singend und betend in die Emsstadt eingezogen. Ihr Ziel war die Wallfahrtskapelle mit dem Gnadenbild der Schmerzhaften Mutter, das pro Jahr bis zu 90.000 Pilger aufsuchen. "Wir sind kaputt, aber glücklich", beschrieb der Osnabrücker Eberhard Jaeckel die Stimmung unter den Weggenossen. Zusammen mit rund anderen 500 Gläubigen war er um drei Uhr vom Osnabrücker Johannisfriedhof gestartet, nachdem den Wallfahrern dort der Reisesegen gespendet worden war. Unterwegs schwoll der Zug auf mehrere Tausend Teilnehmer aus dem Landkreis Osnabrück, aber auch aus anderen Diözesen an. Wegen der Hitze blieb die Zahl der Pilger allerdings deutlich unter der Rekordmarke von 11.500 aus dem Jubiläumsjahr 2002 zurück.
Über Oesede und Iburg führte die Strecke zunächst nach Glandorf, wo eine Frühstückspause eingeplant war. Dann ging es weiter nach Ostbevern. Hier konnten sich die Pilger mit Erbsensuppe sowie mit kühlen Getränken, Kaffee und Kuchen für die letzte Etappe stärken. "Die acht Kilometer nach Telgte werden wohl die härtesten, weil es jetzt immer heißer wird und es unterwegs kaum noch Schatten gibt", vermutete Dieter Köcher mittags in Ostbevern. Seit vielen Jahren ist Köcher bei der zweitgrößten Fußwallfahrt im deutschsprachigen Raum mit von der Partie. Er wohnt in Telgte und ist – wie viele andere Gläubige auch – nachts mit dem Bus nach Osnabrück gefahren, um sich von dort in seine Heimatstadt auf den Weg zu machen. "Mit anderen Menschen unterwegs sein hin zu Gott", bringt er das Wesen der Wallfahrt auf den Punkt. Jeder habe auf der Strecke einmal einen Durchhänger, räumt der Telgter ein. Aber die Masse trägt den Einzelnen weiter. Köcher: "Im Takt des Gebets laufen die Beine wie von selbst. Der Kopf wird frei."
Überzeugung und Ehrgeiz
Das bestätigen Silke Rocholl-Zubb und Carola Dierkes. Wie viele andere Pilger sind die beiden 35-jährigen Frauen nicht die ganze Strecke gelaufen, sondern haben sich unterwegs angeschlossen. Zum ersten Mal mitgegangen sind die beiden Glandorferinnen als Kommunionkinder – genauso wie die achtjährige Afra, die dieses Jahr das erste Mal mit dabei war und mit ihrem Großvater in Ostbevern startete. Eine weitere Wegstrecke dagegen hatten die 54 Mitglieder des Wallfahrtsvereins aus Remsede bei Osnabrück zu bewältigen. "Es hat sich trotz brütender Hitze wieder gelohnt", blickte Thomas Maßmann aus Remsede zufrieden zurück. Nächstes Jahr will er wieder dabei sein – aus christlicher Überzeugung, aber auch aus einem gewissen sportlichen Ehrgeiz. Immerhin: 48 Kilometer gilt es pro Wegstrecke zu bewältigen – fünf pro Stunde. "Da muss man fit sein", sagt Maßmann.
"Ihr werde meine Zeugen sein" (Apg. 1,8) lautete das Motto der diesjährigen Wallfahrt. Gepäckfahrzeuge und Sanitätskräfte begleiteten den Zug. Die B 51 war an beiden Wallfahrtstagen auf Teilstrecken voll gesperrt. Die Gläubigen, die in Telgte und Umgebung zum Teil in Zelten übernachteten, feierten am Sonntagmorgen mit dem Osnabrücker Weihbischof Theodor Kettmann eine Pilgermesse auf dem Platz zwischen der Gnadenkapelle und der Telgter St. Clemenskirche. Um acht Uhr machten sich die Wallfahrer wieder auf den Heimweg.
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Text: Marita Galka | Foto: Marita Galka
11.07.2010
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