
Beim Festakt (v.l.): Professor Alfons Fürst, Dekan der Katholisch-Theologischen Fakultät, Bischof Felix Genn, Ioannis Zizioulas, Ishmael Noko und Marianne Ravenstein, Prorektorin der Universität Münster.
Lutheraner Noko und orthodoxer Metropolit Zizioulas ausgezeichnet
Ehrendoktortitel für herausragende Ökumene-Vertreter
Münster. Der Generalsekretär des Lutherischen Weltbunds (LWB), Ishmael Noko (66), und der griechisch-orthodoxe Metropolit Ioannis Zizioulas (79) haben die Ehrendoktorwürde der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Münster erhalten. Die Urkunden wurden am Freitag (02.07.2010) übergeben. Anlass der Ehrenpromotion war das 50-jährige Bestehen des Ökumenischen Instituts der Fakultät.
Noko, der aus Simbabwe stammt, ist seit 1994 Generalsekretär des LWB in Genf. Der Pfarrer habe "die Suche nach der sichtbaren Einheit der Kirchen unermüdlich vorangetrieben", heißt es in der Urkunde. Als weitsichtiger Amtsträger beim LWB habe Noko die Gemeinsame Erklärung der lutherischen und katholischen Kirche zur Rechtfertigungslehre von 1999 "maßgeblich vorbereitet". Das Dokument gilt als historisch, da es den Konsens über einen zentralen Streitpunkt der Reformation festhält.
Der Grieche Zizioulas, seit 1986 orthodoxer Metropolit von Pergamon, leitet die Vertretung des Ökumenischen Patriarchats von Konstantinopel in Athen. Seit 2006 ist er Ko-Vorsitzender der offiziellen Dialogkommission zwischen orthodoxer und katholischer Kirche. Zizioulas, der zu den wichtigsten orthodoxen Theologen weltweit zählt, wird für seinen "maßgeblichen Entwurf" zur "eucharistischen Dimension der Kirche" geehrt.
Noko: Verleihung ist "ökumenischer Meilenstein"
Die Direktorin des Ökumenischen Instituts, Professorin Dorothea Sattler, sagte, Noko habe das Gespräch mit der katholischen Kirche "auch nach vielen Enttäuschungen nicht aufgegeben". Mit Blick auf die reformatorische Bewegung, in der Noko steht, ehre die katholische Fakultät Münsters "eine christliche theologische Tradition, die uns selbst in den letzten Jahrhunderten bereichert hat". An Noko gewandt schloss Sattler: "Sie ehren zu können, ehrt uns."
Noko sagte, er akzeptiere die Verleihung, die ihn sehr überrascht habe, mit Freude. Es sei ein "ökumenischer Meilenstein", dass er als Lutheraner den Ehrendoktortitel einer renommierten Universität wie Münster erhalte.
Zizioulas: Das Werk der christlichen Einheit fortsetzen
Professor Thomas Bremer, Orthodoxie-Fachmann am münsterschen Ökumenischen Institut, verwies auf Schwerpunkte der Theologie von Zizioulas. Erstens komme die Kirche aus der Eucharistie und manifestiere sich überall, wo eine Gemeinde Eucharistie feiere. Zweitens sei diese Gemeinde als Gemeinschaft "um den Bischof" gedacht. Der Bischof sei Leiter, stehe aber nicht "über der Gemeinde, sondern in ihr". Die Katholisch-Theologische Fakultät könne sich glücklich schätzen, einen so bedeutenden Theologen, einen "derart engagierten Ökumeniker" und Bischof als Ehrendoktor zu erhalten.
Zizioulas sagte, die Verleihung des Ehrendoktortitels an ihn sei ein "Zeichen der Hochachtung für die orthodoxe Kirche" und eine Ermutigung, das Werk der christlichen Einheit fortzusetzen, besonders zwischen der orthodoxen und der katholischen Kirche.
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Text: Jens Joest | Foto: Jens Joest
02.07.2010
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