
30 "Seniorenmessdiener" durften im Pontifikalamt im St.-Paulus-Dom dienen.
Erster Seniorenmessdienertag des Bistums
"Gott besonders nah"
Bistum. Ein außergewöhnliches Dankeschön für ein außergewöhnliches Engagement: 620 "Seniorenministranen"aus allen Regionen des Bistums sind am Donnerstag (01.07.2010) zu einem gemeinsamen Tag nach Münster gekommen. Unter dem Leitwort "Meinem Gott zu Ehren" hatte die Hauptabteilung Seelsorge im Bischöflichen Generalvikariat zum "Ersten Seniorenmessdienertag des Bistums Münster" eingeladen. Die Veranstaltung für die Männer und Frauen, die sich zumeist im Renten- und Pensionsalter befinden, war als Dankeschön für ihren "unverzichtbaren Einsatz" organisiert worden, so die Veranstalter.
Auch Bischof em. Reinhard Lettmann dankte den Teilnehmern im Pontifikalamt am Anfang des Tages im St.-Paulus-Dom für ihre Hilfe. "Es gibt nichts Wichtigeres als den Dienst bei der Feier der Eucharistie", sagte er in seiner Predigt. Besonders in Werkagsmessen sowie bei Hochzeiten und Beerdigungen springen die "Seniorenmessdiener" in dem Gemeinden häufig für die jungen Ministranten ein, die durch die Ausweitung des Schulunterrichts auf den Nachmittag dann kaum mehr zur Verfügung stehen.
Für 30 Teilnehmer hatte dieser gemeinsame Tag gleich zu Beginn einen besonderen Höhepunkt: Jene, die sich als erstes für den Tag angemeldet hatten, waren von den Veranstaltern für den Dienst im Pontifikalamt eingesetzt worden. "Da musste ich erst 69 Jahre alt werden, um das erste Mal den Bischofsstab halten zu dürfen", sagte Hermann Hülsmeyer im Anschluss. Der Rentner aus der St.-Pankratius-Gemeinde in Dülmen-Buldern hatte zwar schon als Jugendlicher viele Jahre Messe gedient, aber noch nie einen Gottesdienst mit einem Bischof gefeiert. Er gab zu, ein wenig nervös gewesen zu sein. "Aber in meinem Alter behält man dann doch die Ruhe." Er habe seinen Dienst als "große Ehre" empfunden: "Dieser Tag zeigt auch die Wertschätzung, die unserem Einsatz entgegengebracht wird."
Durchgehend "gedient"
Das empfand auch Josef Weerkamp aus der St.-Ida-Gemeinde in Münster Gremmendorf. Der 82-Jährige, der im Pontifikalamt mit dem Weihrauchfass eingesetzt war, war mit einem ganz besonderen Hintergrund in den Dom gekommen. "Ich kann mittlerweile auf 72 Jahre ununterbrochenen Altardienst zurückschauen." Im Gegensatz zu vielen anderen Seniorenmessdienern habe er sich als junger Erwachsener und Familienvater keine Auszeit als Messdiener genommen. "Krankenhäuser, Wohnheime oder Pfarrei – überall wo ich lebte, gab es genug Möglichkeiten, am Altar im Einsatz zu sein."
Eine Karriere, auf die die vielen Seniorenmessdienerinnen nicht zurückblicken können: "Uns war der Ministrantendienst als Jugendliche ja noch verboten", erinnerten sich Josefa Köhne und Marta Pelsker aus der St.-Johannes-Gemeinde in Coesfeld-Lette. Um so schöner sei es gewesen, als sie vor 15 Jahren in ihrer Pfarrei angesprochen worden seien. "Es waren sofort zehn Frauen bereit für den Dienst." Eine reine Frauengruppe habe sich mittlerweile entwickelt. "Wir empfinden es als schön, dass wir als Frauen etwas nachholen können und so nah dabei sein dürfen." – Ein Sechstel der Teilnehmer am Treffen waren Frauen.
Am Nachmittag konnten die Teilnehmer auf einem "Markt der Möglichkeiten" viele Themen rund um das Messedienen erschließen. Besonders die Veränderungen in der Liturgie durch das Zweite Vatikanische Konzil war ein intensives Thema in den vielen Gesprächen. Das wurde im Anschluss auch in einer Podiumsdiskussion mit Bischof Lettman in der Überwasserkirche thematisiert. Hermann Hülsmeyer aus Buldern hatte wie viele als Jugendlicher noch die Messe nach dem alten Ritus und in Latein gefeiert. Der Sprung zur heutigen Liturgie sei für ihn groß gewesen. Aber damals wie heute habe er immer das Gefühl gehabt, "Gott besonders nah zu sein, wenn ich am Altar stehe".
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Text: Michael Bönte | Foto: Michael Bönte
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