
Die ehemalige Vorsitzende des Diözesankomitees, Margret Pernhorst (l.), mit Bischof Felix Genn und ihrer Nachfolgerin, Mechthild Eisenstecken.
Pernhorst als Vorsitzende des Diözesankomitees der Katholiken verabschiedet
Bischof Genn: "Sie haben Impulse gesetzt"
Bistum. Mit einem festlichen Gottesdienst und einer Feierstunde ist Margret Pernhorst als Vorsitzende des Diözesankomitees der Katholiken im Bistum Münster verabschiedet worden.
Bischof Felix Genn hob am Samstag (26.06.2010) bei der Feier im münsterschen Liudgerhaus das Engagement Pernhorsts hervor. "Sie haben Impulse gesetzt", betonte Bischof Genn. Die scheidende Vorsitzende der diözesanen Laienvertretung habe ihm geholfen, in sein neues Bistum zu finden. Der Bischof verwies auch auf das Leben Pernhorsts: Persönliche Schicksalsschläge hätten sie nicht resignativ, sondern stark werden lassen. In der Messfeier zu Beginn der Feiern gab Generalvikar Norbert Kleyboldt seiner Hoffnung Ausdruck, dass Pernhorst der Diözese weiter erhalten bleibe: "Niemals geht man so ganz."
"Mutige Kämpferin"
Das Wirken von Margret Pernhorst würdigte für das Diözesankomitee deren langjährige stellvertretende Vorsitzende und jetzige Geschäftsführerin, Ise Kamp. "Du bist in deinem Leben immer eine sehr engagierte Frau gewesen und wenn es sein musste auch eine mutige Kämpferin." Die scheidende Vorsitzende habe stets ein "feines Gespür" für die Themen gehabt, "die dran sind", und für das, was die Menschen bewege.
Darüber hinaus habe sie ihre Bodenständigkeit und eine "tiefe Verwurzelung" im Glauben eingebracht. Kamp verwies auf das Selbstbewusstsein Pernhorsts: "Du lässt nicht auf dich herabblicken und du blickst auf niemanden herab. Solange ich dich kenne, stehst du für mich für eine glaubwürdige und geschwisterliche Kirche."
"Wir brauchen eine neue Missionsbewegung"
Den Festvortrag hielt der frühere münstersche Diözesanvorsitzende des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) und jetzige Vizepräsident des katholischen Missionswerkes "Missio", Gregor Freiherr von Fürstenberg (Aachen); Margret Pernhorst hatte sich als Vorsitzende der diözesanen Laienvertretung stets für Entwicklungshilfe und die jungen Kirchen in der so genannten Dritten Welt eingesetzt.
"Wir brauchen in Deutschland eine neue Missionsbewegung", betonte Fürstenberg in seinem Vortrag. Jeder Einzelne sei gefordert, in seinem Lebensumfeld christlich zu leben und karitative Werke einzuüben. "Eine missionarische Kirche braucht Menschen, die ihr Christsein offen, positiv und aktiv leben."
Kirche leidet – Spiritualität wieder "hipp"
Der Missio-Vizepräsident gestand ein, dass sich die Kirche in Deutschland in einer Krise befinde. "Sie leidet unter den Missbrauchsfällen und einer erst langsam wachsenden Transparenz im Umgang mit diesen, unter einschneidenden Sparmaßnahmen und einer nach wie vor nicht abgeschlossenen Klärung ihres Verhältnisses zur Moderne." Dies dürfe allerdings keine Entschuldigung sein, anderen Menschen die Botschaft vom kommenden Reich Gottes vorzuenthalten.
Der religiöse Grundwasserspiegel hat sich nach Meinung Fürstenbergs "spürbar gehoben". Spiritualität und Religion seien wieder "hipp". "Dies ist ein gewaltiger Kulturwandel", hob der Missio-Vizepräsident hervor. In dieser Situation müssten die Verantwortlichen auf die Menschen zugehen, ihnen zuhören, was sie von der Kirche erwarteten.
Modell der "Kleinen Christlichen Gemeinschaften"
Den rund 100 Teilnehmern der Feierstunde stellte Fürstenberg als Konkretisierung seiner Thesen das Modell der "Kleinen Christlichen Gemeinschaften" (KCG) vor: Es entstammt nach seiner Darstellung der Praxis der Kirchen in Afrika, Asien und Lateinamerika. Diese von Laien organisierten Gruppen träfen sich regelmäßig zum Bibelgespräch, bei dem es um die Begegnung mit Jesus Christus ginge. Die Gruppen seien territorial organisiert und böten damit auch die Chance, dass mit ihnen die Kirche in Dörfern und Stadtteilen präsent bleibe. Vor Ort übernähmen die Mitglieder soziale und politische Verantwortung. Kleine Christliche Gemeinschaften seien kein Ersatz für die Kirche, stellten aber einen Baustein im kirchlichen Leben dar.
Pernhorst (66) war 20 Jahre Vorsitzende des Diözesankomitees der Katholiken im Bistum Münster. Sie wurde in Paderborn geboren und wuchs in Münster-Gievenbeck auf. Sie war Ende der 1960er Jahre Referentin der Katholischen Landjugend-Bewegung (KLJB). 1982 wurde sie als Mitglied der Katholischen Landfrauen-Bewegung (KLFB) Delegierte in der Vollversammlung des Diözesankomitees katholischer Verbände, dem jetzigen Diözesankomitee der Katholiken. 1986 wurde sie stellvertretende Vorsitzende des Gremiums, 1990 übernahm sie den Vorsitz, den sie im Mai 2010 abgab. Zu ihrer Nachfolgerin wurde Mechthild Eisenstecken aus Billerbeck gewählt.
Mehr zum Thema in kirchensite.de:
Pernhorst im Interview: Wofür der Tiger seine Zähne hat (25.06.2010)
Margret Pernhorst scheidet aus ihrem Amt (28.05.2010)
Mehr zum Thema im Internet:
Text: Norbert Göckener | Foto: Norbert Göckener
26.06.2010
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