
In der Halle Münsterland sprachen rund 500 Seelsorgerinnen und Seelsorger über das Thema "Sexueller Missbrauch Minderjähriger durch Kleriker".
Diözesane Missbrauchskommission legt Zwischenbericht vor
Bischof Genn: "Jeder Fall ist einer zu viel"
Bistum. 60 Kleriker haben in der Zeit von 1948 bis 2010 im Bistum Münster Minderjährige sexuell missbraucht. Diese Zahl nennt der Zwischenbericht der diözesanen Kommission für Fälle des sexuellen Missbrauchs durch Geistliche. Er wurde am Montag (14.06.2010) bei einem Informationstag in Münster vorgestellt, an dem 500 Seelsorgerinnen und Seelsorger teilnahmen.
Hochgerechnet auf die Zahl der Priester, die im Zeitraum seit Mitte des vergangenen Jahrhunderts in der Diözese tätig waren (insgesamt rund 4000) gebe es damit unter ihnen 1,5 Prozent Täter.
Fast 80 Prozent der Opfer männlich
Für die Zeit bis 2001 beziffert der Bericht 106 Opfer; für den Zeitraum seit 2002 sei die Zahl der Opfer schwer zu benennen, da es auch Missbräuche im Ausland gegeben habe, die nicht zahlenmäßig zu erfassen seien. Dies berichtete der Kommissionsvorsitzende, Pfarrer Hans Döink.
Vier Prozent der Opfer seien unter 14 Jahren alt gewesen, 84 Prozent im Alter von 14 bis 17 Jahren und zwölf Prozent Erwachsene; fast 80 Prozent der Opfer seien männlich gewesen, erläuterte Döink. Als Tatorte nannte er das Umfeld von Messdienerarbeit, Ferienfreizeiten und das Pfarrhaus. Tathandlungen seien zu 90 Prozent das Betrachten und Berühren der Opfer und zu 65 Prozent Onanie, in zwei Prozent der Fälle sei es zu Geschlechtsverkehr gekommen.
Bischof Genn bittet um Vergebung
"Jeder Fall ist einer zu viel", betonte Bischof Felix Genn vor Medienvertretern. Er sprach erneut sein Bedauern über die Fälle aus und bat die Opfer und deren persönliches Umfeld um Vergebung. Genn dankte den Mitgliedern der Missbrauchskommission für deren Arbeit, die sie mit großer Kompetenz getan hätten.
Mit Blick auf Entschädigungen sind nach den Worten des Bischofs zunächst die Täter gefordert. "Ich möchte nicht, dass wir das aus Kirchensteuermitteln bezahlen." Das Bistum habe bislang durch Beratungsangebote den Opfern geholfen. Sollte der von der Bundesregierung eingerichtete "Runde Tisch" eine Grundregel für Entschädigungszahlungen festlegen, werde das Bistum dies mittragen.
Kripobeamtin lobt Transparenz und Offenheit des Bistums
Der sexuelle Missbrauch sei "eine erschütternde Tatsache, die mich tief berührt, weil der Kirche viele junge Menschen anvertraut worden sind", sagte der Bischof. Die Missbrauchsfälle seien etwas, "was ins Mark von menschlichem Schicksal und priesterlicher Sendung geht".
Die frühere Leitende Kriminalhauptkommissarin Gudrun Schramm-Arntzen lobte die Zusammenarbeit mit dem Bistum. "Ich bin erstaunt über die Transparenz und Offenheit", so das Mitglied der Missbrauchs-Kommission.
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Text: Norbert Göckener | Foto: Michael Bönte
14.06.2010
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