
Kaplan Gerhard Hirschfelder.
Gerhard Hirschfelder lehnte sich gegen die Nationalsozialisten auf
Glatzer Kaplan wird in Münster selig gesprochen
Münster. Am 19. September um 15 Uhr wird der aus der schlesischen Grafschaft Glatz stammende Kaplan Gerhard Hirschfelder (1907-1942) im St.-Paulus-Dom in Münster selig gesprochen. Das teilte die Bischöfliche Pressestelle am Donnerstag (10.06.2010) mit.
Als Jugendseelsorger in Grenzeck und Habelschwerdt – dort war er ab 1939 zugleich Diözesanjugendseelsorger für die Grafschaft Glatz – hatte Hirschfelder wiederholt gegen die Ideologie des Nationalsozialismus Stellung bezogen. In einer Predigt sagte er: "Wer der Jugend den Glauben an Christus aus dem Herzen reißt, ist ein Verbrecher!"
Mehrfach denunziert und verhört, wurde er Anfang August 1941 von der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) verhaftet. Nach vier Monaten im Gefängnis in Glatz kam er in das Konzentrationslager Dachau bei München, wo er am 1. August 1942 mit nur 35 Jahren entkräftet starb.
Sitz der Visitatur in Münster
Die Seligsprechung erfolgt in Münster, wo die Apostolische Visitatur für die Priester und Gläubigen der Grafschaft Glatz ihren Sitz hat. Zudem besteht eine enge Beziehung der Glatzer Gläubigen zum nahegelegenen Wallfahrtsort Telgte. Der Pilgerzug der Grafschafter zur Schmerzhaften Muttergottes ist der größte in Telgte nach der Osnabrücker Fußwallfahrt.
Die Zeremonie in Münster leitet der Kölner Kardinal Joachim Meisner in Vertretung des Präfekten der vatikanischen Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse, Erzbischof Angelo Amato. Bereits Ende März hatte Papst Benedikt XVI. das Dekret über das "Martyrium des Dieners Gottes Gerhard Hirschfelder" offiziell promulgiert. Postulator des Seligsprechungsverfahrens war der römische Rechtsanwalt Andrea Ambrosi, Vizepostulator der münstersche Offizial Domkapitular Martin Hülskamp.
Verfahren begann 1998
Das Verfahren wurde im September 1998 mit einem feierlichen Gottesdienst im münsterschen Dom eröffnet. In der Folge wurden zwei Dutzend Zeugen befragt, theologische und historische Gutachten erstellt, 500 Seiten Dokumente gingen aus Münster in den Vatikan. Im April 2002 wurde in Münster die abschließende "Positio" mit allen Unterlagen übergeben. Zudem waren mehr als 10.000 Unterschriften von Deutschen, Polen und Tschechen für die Seligsprechung Hirschfelders gesammelt worden. Angesichts dieser Zahl sagte der Glatzer Großdechant Prälat Franz Jung seinerzeit nach Angaben der Pressestelle, der künftige Selige könne "zum Brückenbauer eines geeinten Europas werden".
Die Urne mit Hirschfelders Asche ist auf dem Friedhof in Czermna (Grenzeck) beigesetzt, wo der Geistliche als Kaplan wirkte. Hier ist für den 10. Oktober die "Nachfeier" zur Seligsprechung geplant.
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Text: jjo. pd | Foto: pd
10.06.2010
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