
Diese Hofkapelle dient auch als Station der Fronleichnamsprozession in Oythe.
Mein Denkmal und ich (216)
Schmücken ist hier Ehrensache
Oythe. Abseits von drei Putenställen und einige Schritte hinter dem Hof, im Schatten mächtiger Rotbuchen und Kastanien, mit dem Blick über die Felder – so steht seit mehr als 100 Jahren die Kapelle der Familie Frilling in Oythe bei Vechta. Statuen der Muttergottes und des heiligen Josef schmücken den Innenraum, an der linken Innenwand hat Ursula Frilling auch kleine Ikonendrucke aufgehängt. Die 65-jährige Landwirtsfrau hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Kapelle regelmäßig zu pflegen. Für sie ist das mehr als Tradition, nämlich auch Ausdruck ihres Glaubens.
Der Hof selbst ist viel älter als die Kapelle, er steht wohl seit 350 Jahren an diesem Ort. Wie und warum die Kapelle errichtet wurde, ist nicht klar. Fragen, die Ursula Frilling bei der Pflege nicht besonders interessieren.
Sorgfältiger Einsatz rund um die Kapelle – er ist besonders vor dem Fest Fronleichnam gefragt. Denn Frillings Kapelle gehört zu den Altären, bei denen die Fronleichnamsprozession Oythe Station macht. Sonst darf der Hofhund dort laufen, aber spätestens am Nachmittag muss er an die Kette, damit er nicht herumtoben kann. Dann schmückt Ursula Frilling den Platz um die Kapelle mit Blumenteppich und mehr als 100 Fähnchen, unterstützt von 15 Männern und Frauen aus der Nachbarschaft.
Ursula Frilling, Oythe. |
Ihr Ehemann Engelbert und ihr Sohn Andreas finden neben der Arbeit auf dem Hof immer wieder Zeit und packen tatkräfig mit an. Denn Ursula Frilling muss ihre Zeit genau planen, weil sie für ihre Schwiegertochter Gitta das jüngste von elf Enkelkindern mitversorgt, ein drei Monate altes Baby.
Elf Enkel, sechs Kinder – Grund zur Dankbarkeit haben Ursula und Engelbert Frilling genug. Deshalb ist das Schmücken der Kapelle zu Fronleichnam für Ursula Frilling Ehrensache. Über die Jahre hat sie an den immer neuen Blumenmustern ihre Freude gefunden. Nur gegen die Wildkaninchen ist anscheinend kein Kraut gewachsen. Immer wieder muss sie deshalb abends noch einmal mit Harke und Schippe nachbessern.
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Text: Franz Josef Scheeben | Fotos: Franz Josef Scheeben in
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