
Vor 50 Jahren gründete der Vatikan den Vorläufer des heutigen Päpstlichen Rats zur Förderung der Einheit der Christen.
Vor 50 Jahren entstand der Päpstliche Einheitsrat
Wegbereiter der Ökumene
Vatikanstadt. "Eure Heiligkeit möge gnädigst eine Päpstliche Kommission zur Förderung der Einheit der Christen errichten", heißt es in einem Brief des Paderborner Erzbischofs Lorenz Jaeger an Papst Johannes XXIII. Mit jenem Schreiben 1960 gab Jaeger den unmittelbaren Anstoß für die Gründung des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen vor 50 Jahren, am 5. Juni 1960.
Der Paderborner Erzbischof war ein entscheidender Wegbereiter der Ökumene nach dem Zweiten Weltkrieg. Mit dem 1957 gegründeten und in dieser Form damals einzigartigen "Johann-Adam-Möhler-Institut für Konfessions- und Diasporakunde" leistete seine Diözese Pionierarbeit für eine Annäherung der christlichen Konfessionen. In dieser Forschungseinrichtung waren in Zusammenarbeit mit dem deutschen Kurienkardinal Augustin Bea (1881-1968), dem früheren Beichtvater von Papst Pius XII., auch die konkreten Vorschläge für Ausrichtung und Organisation der neuen Kurienbehörde entstanden.
Vorbereitung des Konzils
Johannes XXIII., selbst ein entschiedener Befürworter der Ökumene, griff Jaegers Bitte auf und gründete am 5. Juni das "Sekretariat zur Förderung der Einheit der Christen" – zusammen mit elf Kommissionen zur Vorbereitung des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965): "Damit Unsere Liebe und Unser guter Wille gegenüber den vom Apostolischen Stuhl getrennten Christen noch sichtbarer hervortritt", wie es zur Begründung hieß. Das Konzil formulierte schließlich im "Ökumenismus-Dekret" 1964 erstmals die Wiederherstellung der Einheit der Christen als ein vordringliches Ziel der katholischen Kirche und schuf so die theologische Grundlage für das ökumenische Gespräch.
Zum ersten Präsidenten des Einheitssekretariats berief Johannes XXIII. Kardinal Bea. Der aus der Nähe von Donaueschingen stammende Jesuit war zusammen mit Jaeger einer der Ökumeniker während des Konzils. Nach dessen Abschluss bestätigte Papst Paul VI. das Einheitssekretariat 1966 als ständige Einrichtung des Heiligen Stuhls. Im Zuge der Neuordnung der Kurie durch Johannes Paul II. wurde 1988 aus dem "Sekretariat" der "Päpstliche Rat für die Förderung der Einheit der Christen".
Kasper an der Spitze
An der Spitze des Einheitsrates steht seit 2001 der frühere Bischof von Rottenburg-Stuttgart, Kardinal Walter Kasper. Dem Gremium gehören gegenwärtig knapp 40 Mitglieder aus aller Welt an, darunter der Mainzer Kardinal Karl Lehmann. Ihnen stehen zahlreiche Fachleute als Berater zur Seite. Hinzu kommen rund 20 Mitarbeiter, die in den beiden Abteilungen der Kurienbehörde tätig sind. Die sogenannte östliche Sektion ist für das Gespräch mit den orthodoxen Kirchen zuständig. Der westlichen Sektion obliegen vor allem die Kontakte zu den protestantischen Kirchen und den Anglikanern. Zudem ist dem Einheitsrat die "Kommission für die religiösen Beziehungen mit dem Judentum" angeschlossen.
"Das wichtigste Ergebnis und das Erfreuliche" an der Ökumene der vergangenen Jahrzehnte spiegeln nach Worten Kardinal Kaspers jedoch nicht zuerst einzelne Ereignisse und Dokumente wider, sondern "die wiederentdeckte Brüderlichkeit; die Tatsache, dass wir uns als Brüder und Schwestern in Christus wiederentdeckt, uns schätzen gelernt und uns gemeinsam auf den Weg zur vollen Einheit gemacht haben" - auch wenn der ursprüngliche Enthusiasmus mittlerweile einer nüchternen Betrachtung gewichen sei. Gefeiert wird der 50. Geburtstag in Rom nicht am Jahrestag selbst, sondern im Herbst bei der Vollversammlung des Einheitsrates.
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Text:
KNA Katholische Nachrichtenagentur GmbH
04.06.2010
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