
Bischof Luigi Padovese.
Medien: Tatverdächtiger spricht von religiöser Eingebung
Anklage gegen mutmaßlichen Bischofs-Mörder erhoben
Iskenderun / Vatikanstadt. Gegen den 26-Jährigen, der am Donnerstag (03.06.2010) Bischof Luigi Padovese erstochen haben soll, ist Anklage erhoben worden. Der Fahrer des unter anderem für den Paulus-Geburtsort Tarsus zuständigen Bischofs habe die Tat gestanden, berichten türkische Medien unter Berufung auf den Anwalt des Verdächtigen am Freitag (04.06.2010). Der Anwalt wies Darstellungen zurück, sein Mandant sei vom Islam zum Christentum übergetreten. Padovese war seit 2004 Apostolischer Vikar von Anatolien und seit 2008 Vorsitzender der Türkischen Bischofskonferenz.
Berichten zufolge sagte der Fahrer im Polizeiverhör, er sei mit der Tat einer religiösen Eingebung gefolgt. Sein Anwalt unterstrich, der Verdächtige sei geistig gestört. Dessen Mutter bestätigte das. Auch Padovese habe von der Erkrankung gewusst. In der katholischen Gemeinde der Bischofsstadt Iskenderun dagegen bestehen Zweifel, dass eine Krankheit einzige Erklärung für die Bluttat ist, meldet der vatikanische Pressedienst Asianews. Mehrere Angriffe auf Katholiken in den vergangenen Jahren, die geistig instabilen Jugendlichen zugeschrieben worden seien, hätten später einen türkisch-nationalistischen und christenfeindlichen Hintergrund offenbart.
Papst äußert tiefen Schmerz
Auf seinem Flug nach Zypern äußerte Benedikt XVI. tiefen Schmerz über den Tod Padoveses. Der Bischof habe viel zur Vorbereitung der Bischofssynode für den Nahen Osten beigetragen. Der Papst reist unter anderem nach Zypern, um das Arbeitspapier der im Oktober im Vatikan tagenden Synode vorzustellen. Als Vorsitzender der Türkischen Bischofskonferenz hätte Padovese das Dokument in Nikosia aus der Hand des Papstes entgegengenommen. Die Umstände der Tat müssten noch geklärt werden, sagte Benedikt XVI., es handele sich aber "sicher nicht um einen politischen oder einen religiösen Mord".
Kurienkardinal Walter Kasper zeigte sich erschüttert von Padoveses Tod. In der italienischen Zeitung "La Repubblica" sprach er von einem "unbeschreiblichen Verlust". Über Motive könne man erst nach Abschluss der Ermittlungen gesicherte Aussagen machen. Der Mord dürfe in keinem Fall zu einer Unterbrechung des ökumenischen und interreligiösen Dialogs führen.
Nach der gerichtsmedizinischen Untersuchung wurde Padoveses Leichnam nach Iskenderun überführt. Dort findet am Montag (07.06.2010) in der Bischofskirche eine Trauerfeier statt. Die Beisetzung soll in Padoveses Heimatstadt Mailand erfolgen.
Serie von Angriffen in der Türkei
In der Türkei wurden in den vergangenen Jahren mehrfach Christen attackiert. Im Februar 2006 wurde in Trabzon der römische Geistliche Andrea Santoro in seiner Kirche erschossen – aus religiös-nationalistischen Motiven. Wenige Monate später gab es in Samsun ein Messerattentat auf den französischen Ordensmann Pierre Brunissen.
Im April 2007 wurden im ostanatolischen Malatya drei christliche Mitarbeiter eines Bibelverlages getötet, darunter ein Deutscher. Acht Monate darauf stach in Izmir im Westen des Landes ein 19-Jähriger den italienischen Kapuzinerpater Adriano Franchini nach einem Gottesdienst nieder.
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