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24.05.2012
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Das Hauptziel der Wallfahrer im Billerbecker Dom: die Sterbekapelle des heiligen Ludgerus.

Das Hauptziel der Wallfahrer im Billerbecker Dom: die Sterbekapelle des heiligen Ludgerus.

Wenn aus Besuchern Pilger werden

Wallfahrtsort Billerbeck: Heiliger Liudger

Billerbeck. Der Sterbeort des ersten Bischofs von Münster ist bis heute Mittelpunkt der Ludgerusverehrung in der Diözese. Der 1898 fertig gestellte Billerbecker Dom hat die Stätte mit einbezogen, wo der heilige Ludgerus am 26. März 809 gestorben ist. Viele Menschen besuchen das Gotteshaus. Doch längst nicht alle sind Wallfahrer, sondern unter ihnen sind viele, für die Billerbeck ein beliebtes Ausflugsziel ist.

Dem Dom ein Gesicht geben

Seit drei Jahren gibt es im Billerbecker Ludgerus-Dom eine Dompräsenz. "Wir sind keine Aufpasser, sondern Ansprechpartner", betont Marlies Wiesmann. Die 48-Jährige engagiert sich seit Beginn in dem 14-köpfigen ehrenamtlichen Team. Regelmäßig versieht sie ihren zweistündigen Dienst sonntags oder an Feiertagen. "Es kann auch vorkommen, dass ich länger bleibe, weil sich interessante Gespräche ergeben", sagt die Billerbeckerin.

Selten ist man im Ludgerus-Dom allein. Immer wieder öffnen sich die Türen, treten die Menschen in das Gotteshaus ein und sind beeindruckt. "Sie spüren die Atmosphäre, die unsere Kirche ausstrahlt. Selbst wenn die Menschen vorher noch laut miteinander gesprochen haben, werden sie im Dom ruhig", sagt Wiesmann, die seit sieben Jahren auch in Münster beim Kirchenfoyer am Lamberti-Kirchplatz mitarbeitet. Die wenigsten Besucher kämen, um Ludgerus zu verehren. Der Großteil fühle sich eher von dem großen Gotteshaus in dem kleinen Ort angezogen.

Darstellung des heiligen Ludgerus als Reliquiar im Dom in Billerbeck.

Vor allem Kinder seien immer interessiert. Sie hätten viele Fragen. "Mit ihnen schaue ich mir das Weihnachtsfenster an und zeige auf, welche Bezüge es zu unserer Zeit gibt. Denn die Geschichten aus der Bibel sind nicht Geschichten von irgendwann, sondern sie haben mit uns heute zu tun." So besuchte eine evangelische Familie während ihres Dienstes den Dom. Die drei Jungen krabbelten in den Beichtstuhl. "Ich habe ihnen erklärt, was es damit auf sich hat. Anschließend sind wir einige Stationen des Kreuzwegs gegangen. Es war spannend zu erleben, wie unbedarft die Kinder gefragt haben und welche Gedanken sie hatten", nennt die vierfache Mutter ein Beispiel. Eine dreiviertel Stunde sei sie mit der Familie durch den Dom gegangen. "Wir erreichen über die Kinder auch die Erwachsenen."

Ob jemand angesprochen werden möchte oder nicht, das spürt Wiesmann inzwischen gut. Eine der häufigsten Fragen sei, warum es in Billerbeck eine so große Kirche gebe. Und dann kann sie erzählen, vom heiligen Ludgerus, von seiner Mission, seinem Tod und den Gründen, warum ausgerechnet an dieser Stelle die Billerbecker keine Kosten und Mühen im 19. Jahrhundert gescheut hätten, um den Dom zu errichten. Sie hat alte Bilder dabei, die zeigen, wie viel Energie die Billerbecker in den Bau des Doms von 1892 bis 1898 gesteckt hätten. "Ich habe mir einige Fakten angelesen, aber ich mache keine Kirchenführungen", sagt Wiesmann und fügt hinzu: "Das ist bei diesem Dienst auch nicht gefordert. Der Dom ist ein Glaubenszeugnis und gibt von seinen Bildern, seiner Größe und seiner Buntheit katechetisch viel her." So kann sie den Menschen erzählen, dass das Ludgerusfenster im Chorraum das einzige ist, auf dem keine biblischen Motive zu sehen sind. "Und schon sind wir beim Leben des Heiligen oder bei den biblischen Darstellungen. Katechese ganz niederschwellig."

Geschichtsträchtig ist die Johannikirche.

Mit ihrem Dienst versteht sich Wiesmann auch in der Tradition des Bistumsgründers. "Ich sehe mich in einer langen Reihe, meinen Glauben weiterzugeben. Diese Reihe hat mit Ludgerus bei uns begonnen und hört – hoffentlich – nie auf." Die Dompräsenz sei ein Weg, dem Dom und dem Glauben ein Gesicht zu geben. "Die Menschen spüren, dass ich dahinter stehe und nehmen mir mein Glaubenszeugnis ab. Viele sind für Religion offen, besonders übrigens in der Adventszeit." Es ergebe sich auch, dass Menschen das Gespräch suchen und sich öffnen. "Sie erzählen mir aus ihrem Leben, sprechen über Ängste und Sorgen."

Im vergangenen Jahr seien anlässlich des 1.200-jährigen Todestags des heiligen Ludgerus mehr Menschen nach Billerbeck gekommen. "Es war enorm, was wir als kleine Gemeinde auf die Beine gestellt haben. Das hat nur funktioniert, weil alle mitgemacht haben. Die Gemeinde hat dadurch Auftrieb bekommen", freut sie sich.

Wiesmann ist mit der Ludgerusverehrung aufgewachsen. Doch könne sie sich im Rückblick auf ihre Kindheit kaum an besondere Ereignisse erinnern wie zum Beispiel beim Bistumsjubiläum vor fünf Jahren die Ludgerustracht. "Ich bin nicht so schnell zu beeindrucken, aber ich war sehr gerührt, als der Schrein in unserer Kirche stand", gibt sie zu.

kurz + knapp

Ludgerustracht
Anlässlich des 1.200-jährigen Bistumsjubiläums 2005 machte der Schrein mit den Gebeinen des heiligen Ludgerus nach Münster auch Station in Billerbeck. Am 3. April begrüßten ihn 1.500 Menschen in der Stadt. Drei Tage beteten die Gläubigen vor dem Schrein und feierten Gottesdienste. Am 5. April wurden die Reliquien nach einem Aufenthalt in der Benediktinerabtei in Gerleve wieder nach Essen-Werden überführt.

Bischofseinführung
Mit einem Gebet am Sterbeort des Bistumsgründers in Billerbeck hatten die Feiern zur Einführung von Bischof Felix Genn als neuem Bischof von Münster begonnen. Am Samstag, 28. März 2009, wurde Genn von Dompropst Josef Alfers im Namen des Domkapitels und der Gläubigen "auf historischem Boden" begrüßt. Nach einem stillen Gebet Genns an dem Ort, wo der münstersche Bistumsgründer vor 1.200 Jahren starb, feierte er mit den Gläubigen die Vesper im Billerbecker Dom.

Der Sint-Lürs-Weg
Seine letzte Pilgerstrecke nahm Ludgerus von der St.-Lamberti-Kirche in Coesfeld über den Coesfelder Berg durch die Bauerschaften Gerleve, Alstätte und Westhellen nach Billerbeck. Dieser Weg wurde als "Sint-Lürs-Weg" (St.- Ludgerus-Weg) wieder hergerichtet. Von der Abtei Gerleve werden Pilger und Wanderer abseits der Straßen zum Billerbecker Dom geführt.

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  3. Öffnet internen Link im aktuellen FensterSchwerpunktthema: Pilgerorte der Seele

Mehr zum Thema im Internet:

  1. Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.domsite-billerbeck.de

Text: Michaela Kiepe | Fotos: Michaela Kiepe in Öffnet internen Link im aktuellen FensterKirche+Leben
29.05.2010

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