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25.05.2012
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Sonderermittlerin des Ordens legt Bericht vor

Missbrauch: Jesuiten deckten Täter jahrzehntelang

München. Der Jesuitenorden in Deutschland hat sexuelle und körperliche Gewalt gegen Kinder an Ordenseinrichtungen über Jahrzehnte systematisch vertuscht und die Täter gedeckt. Das sagte die Missbrauchsbeauftragte des Ordens, Ursula Raue, am Donnerstag (27.05.2010) in München bei der Vorstellung ihres Abschlussberichts. Insgesamt seien bei ihr bisher 205 Meldungen von mutmaßlichen Opfern eingegangen, die den Jesuitenorden betreffen. Dazu gebe es weitere 50 Eingänge, die sich auf andere – meist katholische – Einrichtungen beziehen.

Laut Raue erstrecken sich die Untersuchungen zu den Tätern zurzeit auf 12 Patres, von denen 6 bereits gestorben sind, sowie 2 weitere Personen. Sie wurden von jeweils mehreren Personen als Täter oder Mitwisser genannt. Dazu kommen noch 32 Patres oder weltliche Lehrer und Erzieher des Ordens, die bisher von nur jeweils einem Opfer genannt wurden. Die Anwältin betonte, dass mit den Abschlussbericht noch nicht alle Ermittlungen abgeschlossen seien. Noch immer meldeten sich bei ihr Betroffene.

Provinzial räumt Versäumnisse ein

Mit Blick auf das Verhalten des Ordens sprach Raue von einem "System, das Täterkarrieren wenn nicht beförderte, so doch nicht hinreichend behinderte". Zu fragen sei, "warum der Orden nach außen hin so unbekümmert mit stichhaltigen Informationen über häufige Vorfälle sexuellen Missbrauchs in seinen Einrichtungen umgegangen ist".

Der deutsche Jesuitenprovinzial Stefan Dartmann räumte vor Journalisten ein, dass "die Opferperspektive im Orden über all die Jahre nicht eingenommen wurde". Nirgends sei die Rede gewesen von Fürsorge oder Verantwortung für die Opfer, von Wahrnehmung für das aus dem Missbrauch entspringende Leid. Zugleich gestand Dartmann ein, dass es vielfach oberste Priorität der Verantwortlichen gewesen sei, "keinen Schatten auf die Institution fallen zu lassen". Aus falscher Loyalität zum Täter hätten auch die Mitwisser weggeschaut und geschwiegen. Täter seien geräuschlos verschoben worden, wobei die aufnehmenden Einrichtungen nur wenige Informationen erhalten hätten.

Entschädigung: Dem Runden Tisch nicht vorgreifen

Dartmann betonte, im Namen des Ordens sei er bereit, jedes Opfer persönlich um Entschuldigung zu bitten. Der Orden sei auch zu einem weiteren Dialog mit den Opfern bereit, etwa an dem von früheren Schülern der Jesuiteneinrichtungen initiierten "Eckigen Tisch". Was eine materielle Anerkennung des zugefügten Leids angehe, sieht es der Provinzial als erste Aufgabe des Ordens an, den Opfern notwendige Hilfe zukommen zu lassen. Bezüglich einer pauschalen finanziellen Entschädigung wollten die Jesuiten dem Ergebnis der Beratungen des Rundes Tisches der Bundesregierung nicht vorgreifen.

Zudem ging Dartmann auch auf seine Verantwortung als Provinzial gegenüber den Tätern ein: "Sie gehören zu uns, und wir werden sie nicht aus unserer Gemeinschaft verstoßen." Ob es über die die bereits eingestellten Verfahren hinaus weitere staatsanwaltschaftliche Ermittlungen geben werde, bleibe abzuwarten. Was die noch lebenden Täter betreffe, sei ein kirchliches Verfahren eingeleitet worden. Es sei nun Aufgabe des der Vatikan, über mögliche Konsequenzen für die betroffenen Priester zu entscheiden. Wann dies der Fall sein werde, bleibe abzuwarten.

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