Runder Tisch tagt in Berlin
Verbindliche Standards gegen Missbrauch
Berlin. Einrichtungen der Kinder- und Jugendarbeit sollen künftig nur bei Einhaltung von Standards gegen sexuellen Missbrauch Gelder von Bund, Ländern und Kommunen bekommen. Darüber habe unter Experten in der Präventions-Arbeitsgruppe des Runden Tischs der Bundesregierung zum sexuellen Missbrauch "große Einmütigkeit" geherrscht, sagte Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) am Dienstag (25.05.2010) vor Journalisten in Berlin. Die Einhaltung der Standards solle regelmäßig überprüft werden. Zudem soll nach ihren Vorstellungen jedes Kind einen Ansprechpartner "wie eine Notrufnummer" haben.
Nach dem ersten Treffen am Dienstag will die Arbeitsgruppe "Prävention und Intervention" im Juni erneut zusammenkommen. Dann wollen die Mitglieder die Standards ausformulieren und verabschieden, erläuterte die Ministerin. Sie sollten für jede Einrichtung verbindlich gelten, in denen es eine besondere Nähe zu Kindern oder Jugendlichen gebe.
Die Standards dürfen nach Angaben Schröders "nicht zu nebulös" bleiben. Sie sollen unter anderem festlegen, wie das Verhältnis von Nähe und Distanz aussehen soll. Dazu zählen Vorgaben, zu welchen Vier-Augen-Situationen es keinesfalls kommen solle, beispielsweise gemeinsames Duschen von einem Erziehern mit einem Heranwachsenden. Festgelegt werden soll auch, wann auf jeden Fall mehr als ein Erwachsener mit einem Minderjährigen zusammen sein solle. Die Einhaltung und Überprüfung der Standards müsse so selbstverständlich werden wie die der Gruppengröße in Kitas.
Sensibilisierung bei der Ausbildung
Als weitere wichtige Themen nannte Schröder nach der gut zweistündigen Sitzung die Sensibilisierung für sexuelle Gewalt an Kindern bei der Ausbildung von Fachkräften. Zudem solle jedes Kind möglichst in jeder Schule vermittelt bekommen, was sexuelle Gewalt sei und wie man sich als Kind in einer solchen Situation verhalten soll. Die Experten hätten kontrovers diskutiert, inwieweit solche Fragen heute schon behandelt würden.
Nach Angaben Schröders ging es in der Arbeitsgruppe bislang "nur am Rande und auch mit unterschiedlichen Meinungen" um die Frage verpflichtender Führungszeugnisse für Ehrenamtliche. Zuvor hatte der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) sich strikt gegen eine solche Vorgabe gewandt. Sie würde Millionen Euro kosten und "Hunderttausende unter Generalverdacht" stellen, bedeute aber nichts mehr als ein "nutzloses Stück Papier", warnte der Verband.
Angesichts der Ende Januar in kirchlichen und weiteren Einrichtungen bekanntgewordenen Missbrauchsfälle hatte die Bundesregierung einen Runden Tisch eingesetzt und eine unabhängige Beauftragte ernannt. Dieser Runde Tisch tagte am 23. April erstmals und benannte drei Arbeitsgruppen. Am vergangenen Donnerstag tagte die Arbeitsgruppe zu Rechtsfragen erstmals. Am 7. Juni kommt dann als letzte Runde die Arbeitsgruppe des Forschungsministeriums zusammen.
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Text:
KNA Katholische Nachrichtenagentur GmbH
25.05.2010
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