
Papst Benedikt: Das Konzil war ein Pfingstereignis.
Feierliche Gottesdienste zum Pfingstfest:
Papst: Kirche braucht die Kraft des Heiligen Geistes
Vatikanstadt/Berlin. Papst Benedikt XVI. hat die Christen zur Rückbesinnung auf die bleibende Botschaft des Pfingstfestes aufgerufen. Die Kirche brauche die Kraft des Heiligen Geistes durch ihre Geschichte hindurch und auch heute. Sonst wäre sie wie ein Segel ohne Wind, sagte er am Sonntag (23.05.2010) bei seinem Mittagsgebet auf dem Petersplatz. Pfingsten sei nicht ein einmaliges historisches Ereignis, sondern müsse sich ständig in der Kirche wiederholen. Die Herabkunft des Heiligen Geistes auf die in Jerusalem versammelten Apostel sei die eigentliche "Taufe" für die Kirche gewesen.
Nicht nur im Abendmahlssaal von Jerusalem, sondern immer wieder in der Geschichte habe es Pfingstereignisse gegeben, so der Papst weiter. Dazu gehörten die großen Konzilien, einschließlich des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-65). Dazu zählten auch kirchliche Großereignisse wie die großen Jugendtreffen sowie liturgische Feiern in den Pfarrgemeinden. Aber auch seine jüngste Wallfahrt nach Fatima Mitte Mai, wo sich eine gewaltige Menschenmenge vor dem Marienheiligtum einmütig zur Messe versammelt hatte, sein ein "neues Pfingsten" gewesen.
Auf Deutsch begrüßte Benedikt XVI. nach dem Mittagsgebet zahlreiche Besucher aus den deutschsprachigen Ländern. Ein besonderes Grußwort richtete er an die Teilnehmer einer großen Parade von Musikkapellen aus Deutschland und Österreich, die zum fünften Mal in Rom stattfindet.
Kirche als "Instrument der Einheit für die ganze Menschheit"
Bei der Festmesse zu Pfingsten unterstrich er am Sonntag im Petersdom die weltweite Gemeinschaft der Kirche. Sie sei nicht in politische, rassische oder kulturelle Grenzen eingeschlossen oder durch sie begrenzt. Man dürfe sie auch nicht mit einem Staat oder einer Staaten-Föderation verwechseln. "Ihre Einheit ist von einer anderen Natur und überschreitet alle menschlichen Grenzen."
Der Papst sagte weiter, die Kirche wolle die getrennten und zerstreuten Teile der Menschheitsfamilie in einer neuen Ordnung vereinigen und den zerstrittenen und durch Konkurrenzkampf vereinzelten Menschen die Erfahrung von Gemeinschaft geben. Erkennungszeichen der von Gott durch den Heiligen Geist geschaffenen Kirche sei die Einheit und zugleich die Universalität.
Dabei habe der Heilige Geist keinesfalls eine Art von Gleichschaltung schaffen wollen, so Benedikt XVI. Vielmehr gehe es um eine Kultur der Vielfalt, in der alle Nationen und Völker in ihren unterschiedlichen Sozialgeflechten leben könnten. Damit die Kirche ein "Instrument der Einheit für die ganze Menschheit" sein könne, müsse sie sich ihre Unabhängigkeit von Staaten oder bestimmten Kulturen bewahren.
Bischöfe rufen zur Erneuerung der Kirche auf
Die deutschen Bischöfe riefen am Pfingstfest zur Erneuerung der Kirche auf. Dabei sprachen viele von ihnen am Sonntag die Missbrauchsfälle an. Die Kirche habe an Glaubwürdigkeit verloren. Um so mehr sei neuer Aufbruch notwendig. Weitere Appelle galten dem Lebensschutz und sozialer Gerechtigkeit. Unter Verweis auf die Botschaft des Pfingstfests ermunterten Bischöfe die Gläubigen auch zu mehr missionarischem Engagement.
Der Kölner Kardinal Joachim Meisner sagte im Kölner Dom, die Kirche sei "in der Tat - wie wir traurig in den letzten Wochen erkennen mussten - keine Elite des Menschengeschlechts. Doch auf diese "vielleicht allzu menschliche Glaubensgemeinschaft" sei der Heilige Geist aus und wolle die Kirche prägen. Der Kardinal appellierte auch zu mehr Anstrengungen beim Lebensschutz. "Mehr Särge als Wiegen" seien Zeichen einer Welt, die der Geist Gottes verlassen habe.
In Bamberg mahnte Erzbischof Ludwig Schick, das weit verbreitete Reden über Krisen nicht rein negativ zu sehen. Krise bedeute nicht Ende, sondern Neubeginn. Der Passauer Bischof Wilhelm Schraml sprach von einer tiefgreifenden Erschütterung im Innengefüge der Kirche.
Overbeck: "Begrenzte und sündhafte Menschen"
Auch der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck rief zu einem Neuanfang in der Kirche auf. Er räumte weiter ein, dass die Träger von Institutionen "immer begrenzte und sündhafte Menschen" blieben. Es gelte, wachsam zu bleiben für die, die ihre Macht missbrauchten. Nach den Worten Overbecks muss die Kirche die Menschenwürde in die Mitte der Verkündigung stellen.
Der Paderborner Erzbischof Hans-Josef Becker appellierte, sich der Missbrauchsopfer anzunehmen. Es sei offen, wie es mit Kirche weitergehe und welche Lehren aus der Missbrauchsdebatte zu ziehen seien, meinte er und sprach von Ratlosigkeit.
Den "Mief" aus der Kirche treiben
Der Fuldaer Bischof Heinz Josef Algermissen plädierte gleichfalls für einen Neuanfang. Wörtlich sprach er von einer "großen Krise der Kirche". Ausdrücklich betonte der Bischof, unter denen, die sich zu Christus bekennten, müsse es eine Grundsolidarität geben. Sie liege weit vor allen kirchlichen Strömungen. Der Speyerer Bischof Karl-Heinz Wiesemann wandte sich gegen Tendenzen der Resignation in Kirche und Gesellschaft. Der Geist Gottes solle den "Mief" aus der Kirche treiben.
Der Freiburger Weihbischof Rainer Klug warnte bei einer Erneuerung der Kirche vor "deutscher Kleingeisterei". Die Bibel verbiete jede Sektiererei. "Manchmal kann in Deutschland der Eindruck entstehen, wir hätten das vergessen", meinte er. "Wenn wir uns von unseren Wurzeln abschneiden", lasse sich die Glaubwürdigkeit der Kirche nicht wiedergewinnen. Klug leitete den Gottesdienst im Freiburger Münster, da Erzbischof Robert Zollitsch, der Vorsitzende der Bischofskonferenz, in Kur ist.
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Text:
KNA Katholische Nachrichtenagentur GmbH | Foto: Michael Bönte
24.05.2010
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