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25.05.2012
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Professorin Dorothea Sattler.

Professorin Dorothea Sattler ist Direktorin des Ökumenischen Instituts an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Münster.

Bitte um Geduld auf dem Weg zur Kircheneinheit

ÖKT: Dorothea Sattler über den Stand der Ökumene

München / Münster. An die Aufgabe aller Christen, die Ökumene zu festigen und zu fördern, erinnerte Professorin Dorothea Sattler mit einem eindringlichen Appell: "Ökumenisch zu leben, das ist göttliche Berufung. Jesus bittet in Todesnähe um die Einheit der Menschen in seiner Nachfolge. Das ist sein Testament: Menschen in seiner Nachfolge sollen eins sein, damit die Welt zum Glauben an ihn kommt." Die Worte Jesu aus dem Johannesevangelium (Joh 17,21) bedeuteten, dass Christen Ökumene nicht aufgeben dürften, wenn sie schriftgemäß leben wollten, sagte Sattler.

Die Direktorin des Ökumenischen Instituts an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Münster sprach auf dem Ökumenischen Kirchentag über das "Reizwort und Hoffnungsthema Ökumene". Sie machte den vielen Zuhörerinnen und Zuhörern in der überfüllten Münchener Messehalle Mut, sich trotz vieler Enttäuschungen auf dem Weg zur Einheit der Kirchen nicht entmutigen zu lassen.

"In der einen Taufe verbunden"

In den vergangenen Jahrzehnten sei viel erreicht worden: "Wir leben in der Gewissheit, in der einen Taufe verbunden zu sein. Wir alle vertrauen auf Gottes Wort, das uns verheißt, allein aus Gnade und allein aufgrund des Glaubens allein durch Jesus Christus erlöst, gerechtfertigt, angenommen und bejaht zu sein. Wir alle sprechen ein Glaubensbekenntnis und ein Vaterunser. Wir alle möchten den Ärmsten der Armen dienen in der Liebe. Wir alle möchten Zeugnis geben für Jesus Christus."

Durch viele ökumenische Gespräche und Begegnungen seien viele Missverständnisse behoben worden, meinte Sattler und erwähnte das geschwisterliche ökumenische Gespräch über den Petrusdienst und die Annäherungen zum gemeinsamen Verständnis von Abendmahl und Eucharistie. "Wir alle bekennen uns zur wahren Gegenwart Jesu Christi im Heiligen Geist im eucharistischen Mahlgeschehen. Was uns unterscheidet, das sind die philosophischen Anleihen zum menschlichen Verstehen dieses einen Geheimnisses." Hier könnten die Konfessionen voneinander lernen und sich in der Vielfalt der Deutungen bereichern. Die Ökumene-Expertin bedauerte es, dass bei der Abendmahlsfrage in der Regel nur die Zulassungsbedingungen kritisch bedacht würden und nicht das "gemeinsame theologische Verständnis dieses Geschehens".

"Nicht allein auf den Papst blicken"

Eine Bitte richtetet die katholische Theologin an die evangelischen Kirchentagsbesucher, die einen Stillstand in der Ökumene vermuten: "Bitte blicken Sie nicht allein auf den Papst, die Verlautbarungen, die rechtlichen Normen – wir tun das auch nicht, sondern schauen Sie vor allem auf das gelebte Glaubenszeugnis der römisch-katholisch Getauften, der vielen Gläubigen im Alltag des Lebens."

Sattler bat um Geduld auf dem Weg zur Kircheneinheit. Die eigene Lebenszeit sei nicht der allein angemessene Bezug im Blick auf die Ökumene. Dies dürfe aber nicht zur Resignation führen. In Generationen gedacht, sagte Sattler: "Es könnte wohl so sein bis zu meinem Lebensende: keine ökumenische Mahlgemeinschaft, vielleicht ein offenerer Umgang mit pastoralen Einzelsituationen; keine Zulassung von Frauen zum ordinierten Amt; keine ökumenische Beratung bei der Ausübung des Dienstamtes des Bischofs von Rom. All dies ist zu befürchten. Umkehrbemühungen brauchen Zeit."

"Alles tun, was die Ökumene festigt"

In der heutigen Phase der Kirchenannäherung sollten die Gemeinden alles tun, was die Ökumene festige und fortführe. Diese "Zwischenzeiten" ließen sich miteinander gut aushalten in geistlicher Gemeinschaft. Dies zeige der Ökumenische Kirchentag.

In kurzen Statements versprachen der amtierende Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche, Präses Nikolaus Schneider, und der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, die Ökumene in Respekt voreinander fortzuführen. "Wir wachsen jetzt schon real aufeinander zu", meinte Schneider zum Stand der Ökumene. Und: "Die Einheit in Christus ist schon da." Mit deutlichen Worten gab Schneider seine Verärgerung zum Ausdruck, dass der Vatikan die evangelischen Kirchen nicht als vollwertige Kirchen ansehe: "Nicht der Papst entscheidet darüber, ob wir Kirche sind oder nicht. Das entscheidet ein anderer." Im ökumenischen Gespräch dürfe nicht das Gefühl vorherrschen: "Hier sitzt der Gute, dort der Böse. Das bringt uns nicht weiter."

"Ungeduld vieler Christen"

Zollitsch verwies auf das schon Erreichte und sagte: "Ich sehe die Ungeduld vieler Christen, weiterzukommen. Die Gespräche machen mir Mut, dass es in der Ökumene vorangeht." Einen Zeitplan für die Kircheneinheit wollte Zollitsch nicht nennen, aber er gab ein Beispiel, wie rasch sich Zeiten ändern könnten: 1988 habe er nicht daran geglaubt, dass ein Jahr später die "Berliner Mauer" fallen könnte. Deshalb blicke er zuversichtlich nach vorn.

Der Generalsekretär des Ökumenischen Rats der Kirchen im Sitz in Genf, Olav Fyske Tveit, meinte, der "Fall der Berliner Mauer" sei ein Beweis für unerwartete Veränderungen. "In der Ökumene wird stetig und hartnäckig weitergemacht, bis die Mauer fällt." Die ökumenische Bewegung sei ein Hoffnungsträger für viele Menschen.

Erinnerung an Widerstand gegen die Nazi-Diktatur

Mit viel Beifall wurde das verlesene Wort des Journalisten Klaus Harpprecht an die Kirchentagsbesucher aufgenommen. Der 83-jährige Happrecht, dessen Vater Mitglied der Bekennenden Kirche war und dessen Familie im christlichen Widerstand gegen die Nazi-Diktatur stand, sprach sich dafür aus, den Mut zur Ökumene nicht aufzugeben. Der gemeinsame Widerstand habe Zeichen gesetzt. Leider seien diese Zeichen nach 1945 nur ansatzweise aufgenommen worden.

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