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28.05.2016
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ÖKT.

Bei einem Forum zum Thema Missbrauch meinte Bischof Ackermann: "Die Opfer geraten aus dem Blick, wenn wir jetzt über Kirchenpolitik reden."

Eklat beim ÖKT

Aufgeheizte Stimmung bei Debatte über Missbrauch

München. Bei der zentralen Veranstaltung zum Thema Missbrauch auf dem Ökumenischen Kirchentag (ÖKT) am Freitag (14.05.2010) haben Opfer versucht, die Debatte auf dem Podium zu unterbrechen und zu verhindern. Das berichtet die ÖKT-Nachrichtenredaktion.

Ausgerechnet, als Pater Klaus Mertes ans Pult trat, kam ein Missbrauchsopfer nach vorn und forderte, dass Mertes seinen Vortrag abbreche. Die Opfer sollten jetzt endlich sprechen können. Mehrere Minuten konnte der Jesuit, der als Rektor des Canisus-Kollegs in Berlin die Debatte in Gang gesetzt hatte, mit seinem Vortrag nicht fortfahren.

"Die Opfer haben das Schweigen gebrochen"

Mit Rufen wie "Geben Sie uns eine Stimme" und "Lügentheater" drängte der als Missbrauchsopfer bekannte Norbert Denef darauf, dass Opfer selber zu Wort kommen sollten. Denef ist Sprecher des Netzwerks von sexualisierter Gewalt Betroffener. Nach einem Disput und einer Intervention der Moderatorin setzte Mertes seinen Beitrag fort. "Sie haben vollkommen recht: Nicht ich habe das Schweigen gebrochen, sondern die Opfer haben das Schweigen gebrochen", sagte der Jesuit.

Über 4.000 Besucher in der Messehalle C1 verfolgten den Konflikt. Mertes erklärte, die Opfer hätten einen Anspruch darauf, dass ein Vertreter der kirchlichen Institution endlich spreche. Das Publikum unterstützte den Jesuiten mit starkem Applaus.

Zwischenrufe und Störungen haben den Auftakt des mit Spannung erwarteten Forums auf dem Ökumenischen Kirchentag zum Missbrauch in der katholischen Kirche begleitet.

Frage nach Machtstrukturen in der Kirche

Mertes zitierte Berichte von Opfern, die sich auch über den Umgang mit Sexualität in der Kirche beschweren. Er appellierte an die Kirche, die Krise als Chance zum Lernen zu nutzen. "Die Frage nach Machtstrukturen in der katholischen Kirche muss gestellt werden", so Mertes. "Wenn Kritik immer schon Majestätsbeleidigung ist, dann rieche ich Anfälligkeit für Machtmissbrauch."

Auch der Theologe und Psychotherapeut Wunibald Müller forderte Reformen. Frauen als Priester wären eine Bereicherung für die Kirche, erklärte der Leiter des Recollectio-Hauses der Abtei Münsterschwarzach. "Was im Moment nur halb ist, würde ganz werden", sagte er mit Blick auf die katholische Priesterschaft.

Der Umgang mit der Sexualität in der Kirche wäre besser, wenn auch Frauen in Leitungsfunktionen präsent wären. Außerdem erklärte Müller: "Es gibt keinen Zusammenhang von Zölibat und Missbrauch." Das Problem sei eine unreife Sexualität bei vielen Priestern. "Sie sind nicht pädophil, aber sie handeln so."

Ackermann: Opfer in den Blick nehmen

Der Trierer Bischof Stephan Ackermann, Missbrauchsbeauftragter der katholischen Kirche, diskutierte zusammen mit weiteren Teilnehmern auf dem Podium. "Ich bin erschrocken vom Ablauf der Veranstaltung", erklärte er in Reaktion auf die Vorredner. "Die Opfer geraten aus dem Blick, wenn wir jetzt über Kirchenpolitik reden." Der Bischof musste sich dafür von den Besuchern ausbuhen lassen.

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  1. undefined"Sexueller Missbrauch passiert täglich, stündlich" (14.05.2010)
  2. Öffnet internen Link im aktuellen FensterSchwerpunktthema: Ökumenischer Kirchentag
  3. Öffnet internen Link im aktuellen FensterÜbersicht: Kindesmissbrauch

Text: pd | Fotos: Michael Bönte
14.05.2010

    1. Schwerpunktthema: Ökumenischer Kirchentag 2010
    1. Übersicht: Kindesmissbrauch
    1. "Sexueller Missbrauch passiert täglich, stündlich"

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