
"Auch das Museum kann ein Ort der Erstverkündung sein", sagte Generalvikar Kleyboldt bei der Eröffnung. "Ein Ort, wo Menschen neugierig werden und Fragen stellen." - Die ersten Besucher zeigten, dass er Recht hatte.
Von einem Ort, der kostbare Schätze beheimatet
Bischof Genn eröffnet neues Stiftsmuseum in Xanten
Xanten. "Es tut Not, Geschichte wahrzunehmen und ihrer zu gedenken." Das sagte der Bischof von Münster, Felix Genn, bei der feierlichen Eröffnung des neuen Stiftsmuseums Xanten am Fest Himmelfahrt Christi (13.05.2010). "Hier können Menschen teilhaben an dem, was sich in den Jahrhunderten des Glaubens und Lebens zugetragen hat", erklärte Bischof Genn weiter, "denn christlicher Glaube ist ohne Geschichte nicht denkbar."
Zeugnisse vergangener Epochen, Skulpturen, Kulturgegenstände und weltweit einmalige Kirchenschätze sowie die Historie des Xantener Doms haben unter anderem ihren Platz in dem neuen Stiftsmuseum gefunden. Diese Einrichtung könne einem "Symbol unserer Zeit", dem Vergessen von Vergangenem, entgegen wirken, sagte Genn während seiner Predigt im Rahmen des Pontifikalamtes im Xantener St.-Viktor-Dom: "Dieses Ereignis ist nicht bloß als Festakt, sondern als Auftrag anzusehen."
Ein solches Museum, dessen Verwirklichung von der Idee bis zur Eröffnung beinahe zwei Jahrzehnte Zeit benötigt hatte, könne das Schaffen aus Vergangenheit sowie dem Hier und Jetzt für nachfolgende Generationen eindrucksvoll dokumentieren und Hoffnung vermitteln, so Genn.
"Ein Ort, wo Menschen neugierig werden"
Nicht ohne Kritiker komme ein solches Projekt in "diesen schwierigen Zeiten" aus, war sich Generalvikar Norbert Kleyboldt sicher. Doch müsse Kirche sich auf neue Wege und Formen einlassen: "Auch das Museum kann ein Ort der Erstverkündung sein", sagte er beim Eröffnungsfestakt. "Ein Ort, wo Menschen neugierig werden und Fragen stellen." Daraus ergebe sich unter anderem ein interessantes Aufgabenfeld für die Religionspädagogik. "Nur dort, wo Kirche bereit ist, mit Kultur zusammen zu gehen, kann sie lebendig sein", stellte er in seinem Grußwort heraus.
Von einem "besonders herausragenden Projekt", welches in "neuer Form" an Kultur- und Geistesgeschichte heranführe, sprach Lutz Lienenkämper, Landesminister für Bau und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen. Er unterstrich, dass sich der Einsatz öffentlicher Mittel gelohnt habe.
Einzigartigkeit des Hauses
NRW-Staatssekretär für Kultur, Hans-Heinrich Grosse Brockhoff, äußerte einen Wunsch für die Zukunft: Jedes Kind des Landes sollte während seiner Schulzeit einmal in dem neuen Xantener StiftsMuseum gewesen sein. Er stellte die Einzigartigkeit des Hauses insbesondere dadurch heraus, dass Domschatz, alte Bibliotheksbestände und ein Archiv, welches mehr als 1.500 Jahre zusammenfasst, unter einem Dach beheimatet sind. "Das ist großartig", sagt er. "Dieses Haus wird Erfolg haben", schloss sich auch Xantens Bürgermeister Christian Strunk den guten Wünschen seiner Vorredner an.
Viel Kraft, Spendenbereitschaft und großes haupt- sowie ehrenamtliches Engagement hatte die Umsetzung der Idee gekostet. Eine Idee, die vor rund 20 Jahren an den heutigen Leiter des Museums, Udo Grote, herangetragen wurde. "Es war ein langjähriges, leidenschaftliches Ringen", wie es Propst Alfred Manthey nannte.
Moderne Architektur
Stolz und dankbar luden Grote und Petra Frank-Diebels, Vorsitzende des Fördervereins Stiftsmuseum Xanten, die geladenen Gäste am Christi-Himmelfahrts-Tag ein, sich von dem Ergebnis, einem "kostbaren Schatz", selbst ein Bild zu machen. Diesen hatten die Architekten um Prof. Dieter Georg Baumewerd und Heinz Wrede in eine moderne Architektur gehüllt.
Gelegenheit zum Kennenlernen gab es für die zahlreichen Besucherinnen und Besucher nach der Einsegnung des Hauses durch Bischof Genn. Gemeinsam gingen sie auf eine Reise durch die kostbarsten Schätze der Historie: mit der Turmmonstranz (aus 1370 oder 1380), mehr als 5000 Urkunden, Goldschmiedearbeiten, Büchern und zahlreichen Zeitzeugnissen mehr.
Weitere Informationen:
Das Stiftsmuseum öffnet dienstags bis samstags in der Zeit von 10 bis 17 Uhr sowie an Sonn- und Feiertagen von 11 bis 18 Uhr. Montags bleibt es geschlossen. Eintritt: vier Euro (Erwachsene), ermäßigt drei Euro, Kinder unter zehn Jahren haben freien Eintritt.
Nähere Informationen unter Tel.: 02801 / 9877820 und im Internet:
www.stiftsmuseum-xanten.de
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Text: Katrin Reinders | Fotos: Armin Fischer
13.05.2010
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