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11.02.2012
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Freckenhorster Kreuz.

Das Freckenhorster Kreuz ist Mittelpunkt einer langen Wallfahrtstradition, von der auch die vielen Votivgaben im Hintergrund erzählen.

Und im Herzen strahlt das Kreuz

Das Heilige Kreuz von Freckenhorst

Warendorf-Freckenhorst. Seit der Gründung des Klosters im Jahr 854 ist viel passiert in Freckenhorst. Das Damenstift entwickelte sich nach vielen Wirren zwischenzeitlich zur "hochadligen, kaiserlichen, freiweltlichen" Einrichtung. Die Kreuzverehrung erlangte im 14. und 15. Jahrhundert ihren Höhepunkt. Kern der Wallfahrt ist das Krüßingfest, das von der Verbundenheit der Freckenhorster mit ihrer Kirchengeschichte zeugt.

Die reiche Geschichte trägt noch heute

Wer etwas über die Geschichte von Freckenhorst erfahren möchte, nimmt sich ein Buch oder nutzt das Internet. Oder er setzt sich für einige Augenblicke mit Clemens Averhoff und Friedel Rose zusammen. Die Daten des Wallfahrtsorts sind bei den beiden Rentnern ebenso präsent wie in jedem Fremdenführer. Aber die Geschichten, die sie aus ihrem Leben rund um die Stiftskirche erzählen, sind einmalig.

"Das Kreuz war immer in unserer Mitte", sagt Averhoff. "Als Kind, als Jugendlicher, als Erwachsener – immer." Irgendwie habe man von Kleinauf das Gefühl gehabt, in einem besonderen Ort zu wohnen, erzählt der 76-Jährige. "Ich habe damals immer gedacht, Krüßing sei neben Weihnachten und Ostern der wichtigste Tag im Jahr und würde überall gefeiert." Später habe er gewusst, dass Krüßing noch viel wichtiger sei, fügt er lächelnd hinzu.

Friedel Rose (l.), Clemens Averhoff.

"Das ist guter Freckenhorster Lokalpatriotismus", sagt Friedel Rose. "Wir haben das Gefühl, eine große Tradition weiterleben zu dürfen." Die Stiftskirche sei für sie in der Rangliste der wichtigen Kirchen im Bistum immer direkt nach dem Dom gekommen, erinnert sich der 69-Jährige. Viele Kardinäle und Bischöfe hätten in Freckenhorst Messen gefeiert. Und als der Dom in Münster nach dem Krieg wiederaufgebaut worden sei, seien in Freckenhorst die Diakone geweiht worden. "Nicht wenige große Kirchenmänner  hatten eine Lebensstation hier", weiß Rose. "Bischof Tenhumberg war hier Vikar."

Es sei "die Ehre gewesen, nah dran zu sein an der großen Geschichte und den großen Persönlichkeiten der Kirche", beschreiben die beiden Freckenhorster das Gefühl des Stolzes. Und genau der habe in allen Lebensphasen die Identifikation mit ihrem Wallfahrtsort ausgemacht – als Kinder, wenn es sechs Mal in der Woche in den Schulgottesdienst ging, als Messdiener und später in vielen ehrenamtlichen Funktionen. Averhoff war schließlich zehn Jahre Küster in St. Bonifatius. "Und ich war lange Zeit 'Vize-Küster'", sagt Rose schmunzelnd. Er ist heute Vorsitzender des Heimatvereins in Freckenhorst. In all diesen Jahren habe es viele Momente gegeben, in denen sie froh gewesen seien, Freckenhorster zu sein.

"Wenn es früher nach dem sonntäglichen Hochamt zum Frühschoppen in die Kneipe ging", erzählt Averhoff von so einem Moment. Es sei dann immer hoch hergegangen. "Die Freckenhorster, die zur See gefahren waren, hatten irgendwann genug getrunken und fingen an, Seemannslieder zu singen", erinnert er sich. "Den Leuten haben dabei die Tränen in den Augen gestanden."

Die meisten Erinnerungen ranken sich natürlich rund um das Krüßingfest. Zum Beispiel, als sie einmal die Birken für den Straßenschmuck aus dem Wald holten, der harte Winter aber noch kein Grünen zugelassen hatte. "Wir haben alle Bäumchen über Nacht in die warme Backstube des Bäckers gestellt", erzählt Averhoff. "Am nächsten Morgen hatten sie ausgetrieben und wir konnten schmücken."

Mittelpunkt des Orts ist die Stiftskirche, die im Jahr 2005 um einen neuen Altar neu gestaltet wurde.

Auch Rose erinnert sich gern an solche Anekdoten. Etwa als das Freckenhorster Kreuz Ende der 1970er Jahre für etwa zwei Jahre nur als leere Hülle in der Kirche stand. "Es war restauriert worden und in die silberne Hülle passte das ursprüngliche Steinkreuz nicht mehr." Das habe, ohne dass es die Wallfahrer wussten, in Zeitungspapier gewickelt in der Schatzkammer gelegen. "Irgendwann bekam der Pfarrer dann doch ein schlechtes Gewissen und ließ das Kreuz wieder einsetzen."

Wenn man sie einmal gefragt hat, staunt man über den Reichtum ihrer Erinnerungen. Averhoff und Rose erzählen von Bombenangriffen während der Messe, von schnell aufgestellten Holzkreuzen auf dem Kirchplatz, welche die englischen Besatzer fernhielten, und vom gescheiterten Tresor-Knacker-Einbruch in die Kirche, nach dem der Geruch des Schweißgeräts noch bei der Schulmesse in der Luft gehangen habe. Sie berichten aber auch von aktuellen Erlebnissen, die zeigen, dass die reiche Geschichte des Wallfahrtsorts auch heute noch auf die Menschen ausstrahlt.

"Wenn ich die Kommunionkinder durch die Kirche führe, kann ich ihr Staunen heraushören", berichtet Averhoff. Etwa 200 Mal war er schon mit ihnen im Glockenturm, um ihnen die zwölf Glocken zu zeigen und die Geschichte zu erzählen, wie die Freckenhorster die letzten Glocken 1947 auf dem Schwarzmarkt mit Speck und Eiern bezahlten. Und Rose sieht immer wieder gern, wenn bei einer Tauffeier mit einem Eimer das Wasser aus dem Brunnen in der Kirche hervorgeholt wird, das früher Heilmittel für Menschen mit Hals- und Ohrenleiden war. Das alles seien Momente, in denen die Geschichte lebendig werde. "Und genau das hat uns immer getragen und wird auch andere künftig tragen."

Lange Tradition

Die Kreuzreliquie
Das Freckenhorster Kreuz ist eine silberummantelte Steinform, mit Edelsteinen besetzt. Der Fuß birgt hinter einem Bergkristall eine im Jahr 1743 von Papst Benedikt XIV. geschenkte Kreuzreliquie. Das Originalkreuz, das bereits im Mittelalter verehrt wurde, ging in den Reformationswirren verloren. Heute existiert eine Nachbildung, die in der Kirche ausgestellt ist.

Das Krüßingfest
Historische Quellen berichten von einer Kreuzverehrung in Freckenhorst bereits im neunten Jahrhundert. Die Entstehung des Krüßingfestes geht auf die Wiederauffindung des Kreuzes im Mittelalter zurück. Heute wird es immer am 3. Mai oder an dem darauf folgenden Sonntag gefeiert. Höhepunkte des überregional bekannten Heimatfestes sind die Prozession durch die geschmückte Innenstadt und die so genannte Orchestermesse.

Das Damenstift
Das Kloster in Freckenhorst wurde 854 gegründet. Damals stattete Bischof Liutbert das Stift mit Reliquien aus, darunter eine Reliquie des heiligen Bonifatius. Die erste Äbtissin Thiatildis gelangte in den Ruf der Heiligkeit. Von der Bedeutung des Damenstifts und den Macht- und Einflusswechseln besonders im Mittelalter zeugt die Stiftskirche mit Bauteilen aus dem elften und zwölften Jahrhundert. Darin befindet sich heute auch der Schrein der heiligen Thiatildis.

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Text: Michael Bönte | Foto: Michael Bönte in Öffnet internen Link im aktuellen FensterKirche+Leben
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