
Über der Wallfahrtskirche ist die "Schmerzhafte Mutter", die in Aengenesch verehrt wird, in einer steinernen Statue abgebildet.
Trost für die Sorgen der Landwirte
Die "Schmerzhafte Mutter" in Geldern-Aengenesch
Aengenesch. Der Trend zur Wallfahrt steigt unaufhörlich. Während die Schar der Gläubigen in den Pfarrgemeinden schrumpft, nimmt die Zahl der Pilger zu. Das betrifft nicht nur die großen Wallfahrtsstätten wie Kevelaer, Lourdes oder Fatima. Auch in die kleinen, stillen Wallfahrtsorte kommen immer mehr Pilger, die sich in kleinen Gruppen zum Beispiel vor der "Schmerzhaften Mutter" in Aengenesch zum Gebet versammeln.
Wundersamer Beginn
Eine Handvoll Bauernhöfe, eine Schreinerei und eine kleine Kapelle bilden das Dorf. Die Kapelle beherbergt die Schmerzensmadonna von Aengenesch. Einer wunderlichen Geschichte um diese Madonna verdankt das Dörfchen seine Bedeutung als Wallfahrtsort:
Zu Beginn des 14. Jahrhunderts wanderte das Holzbild der Schmerzensmutter von Winnekendonk nach Aengenesch. Und das gleich drei Mal. So oft versuchten die Gläubigen aus der Bauerschaft Aengenesch, das Madonnenbild in ihre Hauptkirche St. Urbanus nach Winnekendonk zu tragen. Und jedes Mal fanden sie das Bild dort wieder vor, wo sie es gefunden hatten, in "aen-en-Esch" – an der Esche mitten in ihrem Ort.
Die kleine Wallfahrtskirche steht im Zentrum der Bauerschaft Aengenesch. Vor der Kirche steht die Esche – mittlerweile ist es ein zweiter Baum – vor der die Madonnenstatue gleich drei Mal gefunden wurde. |
Kapelle für die Madonna
Die Menschen gaben nach und bauten der Madonna um 1380 schließlich eine Kapelle aus Holz. 50 Jahre später (1430/31) entstand eine Steinkapelle, die der damalige Weihbischof Conrad von Köln feierlich weihte. Das Geld für den Umbau der Kapelle und deren Unterhaltung hatte eine adlige Familie gespendet.
Es begann zweierlei: die Wallfahrt zur Schmerzensmutter und der Streit darüber, wem die Kapelle denn nun gehörte. Die Ortschaft Aengenesch lag zum Teil auf dem Gebiet der Pfarrei Kapellen und zum Teil auf dem der Pfarrgemeinde Winnekendonk. Durchgesetzt hat sich der Herzog von Geldern, der den ersten Geistlichen von Aengenesch einsetzte. Dieser gehörte dem Gelderner Karmel an. Das Gelderner Karmeliterkloster erhielt Ende 1435 das Recht, die "in der Eschen up der Stegen" genannte Kapelle mit allen Ämtern und Gütern zu übernehmen.
Zahlreiche Pilger
Allerdings setzten sich die Karmeliter – im Gegensatz zu den Oratorianern in Kevelaer – kaum für die Wallfahrt ein. So litt die Wallfahrt von Aengenesch von Beginn an unter mangelnder Organisation. Dennoch fanden zahlreiche Pilger den Weg zu der Schmerzensmutter.
Traditionell ist die Wallfahrt der Issumer, die in der Zeit der Reformation in der Mitte des 17. Jahrhunderts Zuflucht in der "Eschenkapelle" fanden. Auch die Kapellener kamen nach Aengenesch, seitdem sie im Jahr 1693 von einer schweren Ruhrepidemie heimgesucht wurden.
Auch wenn die Wallfahrt immer nur lokale Bedeutung hatte, so entwickelten sich doch spezielle Anliegen, mit denen die Menschen zur Schmerzensmutter pilgerten. Viele Bauern kamen beispielsweise mit der Bitte, dass ihr Vieh von Krankheit verschont bleibe. Gerade die armen und leidgeprüften Bauern der Niederungen suchten Trost für ihr lastenreiches Leben.
Unverwechselbar: Aengenesch - Lebendige Gemeinde
Aengenesch ist der kleinste Ort innerhalb der neuen Pfarrgemeinde St. Maria Magdalena. Seit 1431 ist er ein Wallfahrtsort. Im vergangenen Jahr wurde die 575-Jahr-Feier festlich begangen.
Zahlreiche Gläubige kommen im Lauf des Jahres in die Wallfahrtskirche "Zur Schmerzensmutter". Zum Beispiel pilgern auch Christen aus Issum und Kapellen nach Aengenesch. Die Ursprünge dieser Wallfahrten gehen auf Wallfahrtsgelübde aus dem 15. Jahrhundert zurück. Ansonsten aber ist Aengenesch eher ein stiller Wallfahrtsort für viele Einzelpilger, die auf die Fürsprache der Schmerzensmutter vertrauen. Im Mai wird jeden Mittwoch eine Maiandacht von einem der drei örtlichen Vereine durchgeführt. Die Abschlussandacht findet traditionsgemäß am letzten Freitag im Mai am Haus Beerenbrouck unter Mitwirkung des Chors und vieler Gläubigen aus Kapellen und Aengenesch statt.
Eine Messfeier besonders für die Älteren gibt es einmal im Monat, wenn zur Seniorenmesse geladen wird. Das Brauchtum lebt bei Traditionen wie dem Gottesdienst am Erntedankfest, dem Martinsfest mit eigenem Umzug sowie dem vom Männerchor gestalteten Cäcilienfest fort. Die Bruderschaft, der Männerchor und die KFD sind die drei Vereine, die auf vielfältige Weise das kirchliche und dörfliche Leben gestalten.
Mehr zum Thema in kirchensite.de:
In der ersten Reihe der Wallfahrt
Pfarrer Dördelmann: Ort der Stillen Anbetung
Bistumshandbuch: Aengenesch (Wallfahrtsort im Bistum Münster)
Dossier: Wallfahrt
Text: Jürgen Kappel | Fotos: Jürgen Kappel in
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