
Der Ungläubige Thomas legt dem Auferstandenen die Hand in die Wunde.
Mein Denkmal und ich (209)
Viele Jahre gespart
Nottuln-Darup. Als Schüler hat Christian Schulze Pellengahr für die örtliche Tageszeitung gearbeitet. Und schon zu dieser Zeit hatte er den Traum, nach dem bestandenen Abitur – als Dank für den Abschluss – einen Bildstock zu stiften. Ein Platz im Garten des elterlichen Hauses in Nottuln-Darup, in dem er später mit seiner Ehefrau das Obergeschoss bewohnte, schien wie geschaffen für dieses "schöne Zeichen des religiösen Bekenntnisses". "Ich habe viele Jahre das Honorar für meine Artikel gespart", erzählt der 34-Jährige.
1992 hatte Schulze Pellengahr für die Zeitung eine Serie über Bildstöcke in Darup geschrieben. "Dabei ist mir vor allem ein Bildstock aufgefallen. Er stellte den Ungläubigen Thomas dar. Leider war der Stein sehr verwittert." Das Motiv fand er ansprechend, und es ließ ihn nicht mehr los. "Thomas ist ein Mensch, der zweifelt und erst glaubt, als er sieht. Uns geht es oft ähnlich. Das fand ich treffend", sagt der promovierte Jurist.
Christian Schulze Pellengahr, Velen. |
Mit einem Foto des alten Bildstocks, das er im Pfarrarchiv fand, fuhr Schulze Pellengahr zum Steinmetz- und Bildhauermeister Stefan Lutterbeck nach Everswinkel. "Er schlug vor, keine Rekonstruktion anzufertigen, sondern einen erkennbar zeitgenössischen, mit der nachempfundenen Form eines alten Bildstocks", berichtet Schulze-Pellengahr, der 2008 in der Gemeinde Velen zum Ersten Beigeordneten und bei der letztjährigen Kommunalwahl zum Bürgermeister gewählt wurde.
Seit 1998 steht im Garten der Bildstock mit dem Ungläubigen Thomas, der dem auferstandenen Christus die Hand in die Wunde legt. "Die Zuschauer der Szene haben die Gesichtszüge von Verwandten. Das sieht man aber nur, wenn man sie kennt." Auf dem Sockel des aus einem Block Ibbenbürener Sandstein gearbeiteten Glaubenszeugnisses befindet sich das Wappen der Familie sowie der Wahlspruch des seligen Clemens August Kardinal Graf von Galen "Nec laudibus, nec timore". "Das ist unsere kleine Andachtstätte, an der Tag und Nacht eine Kerze brennt. Ich möchte den Bildstock nicht missen."
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Text: Michaela Kiepe | Foto: Michaela Kiepe in
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