
Bischof Felix Genn.
Feier der Osternacht im St.-Paulus-Dom in Münster
Bischof Genn ermutigt zu Osterfreude aus der Tauferneuerung
Bistum. In schwierigen Zeiten der Kirche hat Bischof Felix Genn die Christen zu Osterfreude aus der Tauferneuerung ermutigt. In der Predigt in der Osternacht (03.04.2010) im St.-Paulus- Dom in Münster rief er die Mitfeiernden auf, bei der österlichen Tauferneuerung nach eigenem Temperament kräftig einzustimmen in die Rufe "Ich widersage" und "Ich glaube". Zudem lud der Bischof die Gläubigen ein, dabei die kleinen Osterkerzen in die Hand zu nehmen, deren tausendfaches Licht den Dom erhellte: "Halten Sie sich am Herrn fest!"
Mit der Aufforderung zum Einstimmen bezog Genn sich auf eine Lesung der Osternachtsfeier. Darin heißt es, das Volk Israel habe den Namen Gottes entweiht (Ez 36,20). Ähnliches sei "auch in dieser Fastenzeit" geschehen, sagte der Bischof mit Blick auf die Enthüllung von Fällen sexuellen Missbrauchs von Kindern durch Geistliche auch im Bistum Münster. Die Tauferneuerung der Osternacht aber zeige, dass Christen mit all dem brechen wollten, "was Jesus den Tod gebracht und Gottes Namen entweiht hat".
Die Kirche sei Jesus seit dem Abend des Gründonnerstags auf seinem Leidensweg gefolgt. Dieser Weg zeige, dass Gott alles tue, um "den Menschen, der sein Abbild ist, nicht zu verlieren". Gottes Sohn habe sogar für die Sünden der Menschen in den Tod gehen müssen. Ostern aber werde deutlich: "Sein Weg hat sich gelohnt", sagte Genn. "Die Liebe siegt doch. Sie schafft es, Sünde und Tod zu überwinden. Gottes Kraft ist stärker."
"Auch wenn die Zeiten noch so schwer waren"
Verständnis zeigte der Bischof für die verstörten Frauen und den ratlosen Petrus, wie der Evangelist Lukas sie schildere. Am leeren Grab müssten sie geglaubt haben, "im falschen Film zu sein", sagte Genn. Sie hätten einen Leichnam salben wollen. "Stattdessen finden sie eine Leere – und erhalten eine Lehre: Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten?" Erst Jesus müsse ihnen begegnen, ehe sie ihn "unter den Lebenden glauben". Die Kirche könne Ostern feiern, "weil sie diesen Zeugen geglaubt hat", weil die Rede von der Auferstehung mehr sei als "Geschwätz" (Lk 24,11): "Diesen Menschen dürfen wir danken."
Zum Ende der Predigt wandte sich der Bischof stellvertretend für alle Gläubigen im Bistum an die Gemeinde im Dom: "Ich wünsche Ihnen, dass Sie voll sind von der Freude, dass Sie Christ sein dürfen." Mit Blick auf die Missbrauchsfälle betonte er, der Osterjubel gelte, "auch wenn die Zeiten noch so schwer waren und vielleicht auch weiter sein werden".
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Text: Jens Joest | Foto: Michael Bönte
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