
Bischof Genn bei der Kreuzverehrung im St.-Paulus-Dom.
Karfreitag: Genn predigt im Dom
"Die Welt wird am Kreuz gerettet"
Bistum. Bischof Felix Genn hat die Menschen aufgefordert, sich von der grenzenlosen Liebe Gottes erschüttern zu lassen. "Diese Erschütterung hält Gott in uns vom Herzensgrund auf wach", sagte er in der Predigt der Karfreitagsliturgie (02.04.2010) im St.-Paulus-Dom in Münster. Die Botschaft vom Leiden und Sterben Jesu, in der Gott sich für die Menschen tief fallen ließe, beinhalte eine so große Ausstrahlung, dass sie nicht auf ein persönliches Maß heruntergebrochen werden könnte. "Lassen sie uns heute Zeuge sein, dass Gott in unserer Welt nicht vergessen wird."
Genn sah in seiner Predigt die Katastrophe, vor der die Jünger Jesu am Kreuz gestanden haben: "Sie waren ihm über Jahre gefolgt und hatten erlebt, wie sehr er sich von der Liebe Gottes erfüllt allen Menschen zugewandt hatte." Die Erfahrung, dass er wie ein Verbrecher hingerichtet wurde, habe sie umgeworfen. Sie hätten nur langsam und mühsam ihren Glaubensweg weitergehen können. "Wir Menschen kennen verschiedene Reaktionen darauf, wenn sich unsere tiefe Sehnsucht nicht erfüllt", so der Bischof. Etwa die Resignation: "Es hat ja doch keinen Zweck, gut zu sein – da zieht man ja doch nur den Kürzeren." Die Zynische: "Wer das Gute verhindert, wer unserem Ideal entgegensteht, wird vernichtet." Oder der Rückzug: "Ich bleibe lieber in meinem kleinen Umfeld, wo ich die Übersicht behalten kann."
Erschütternde Liebe
Die Welt werde so aber nicht zu einer besseren, betonte Genn. "Sie wird nicht durch Resignation, Zynismus oder Rückzug gerettet, sondern am Kreuz." Denn Gott habe in Jesu Tod am Kreuz gehandelt, diese Situation gewollt: "ER ist Leben in Fülle und erleidet für uns den Tod, ER nimmt dort Platz, wo er eigentlich keinen Platz hat, ER kostet alles Böse bis ins Letzte aus." Diese Liebe, in der Gott sich in diesen Abgrund begebe, um die Menschen zu retten, müsse uns erschüttern. Denn darin zeige sich, dass Gott keinen verlieren wolle, der nach seinem Abbild geschaffen worden sei. In diesem Bewusstsein dürften die Menschen Ostern feiern: "Ich bin einer derer, für die Jesus gestorben ist."
In dem Gottesdienst wurden angesichts des Skandals um sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche die zehn großen Fürbitten der Karfreitagsliturgie durch ein elftes Fürbittgebet ergänzt. "Lasst uns beten für die Kinder und Jugendlichen, denen inmitten des Volkes Gottes, in der Gemeinschaft der Kirche, großes Unrecht angetan wurde, die missbraucht und an Leib und Seele verletzt wurden", hieß es darin unter anderem. In einem bislang einmaligen Schritt hatte die Deutsche Bischofskonferenz mit der Formulierung dieser Fürbitte auf die aktuelle Situation der Kirche reagiert. Genn hatte angeordnet, dass diese Fürbitte am Karfreitag in allen Gemeinden des Bistums verlesen wurde.
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Text: Michael Bönte | Foto: Michael Bönte
02.04.2010
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