
Marianne Heimbach-Steins.
Forderung der münsterschen Professorin Heimbach-Steins
Missbrauch: Kirche soll Selbstverständnis überprüfen
Frankfurt / Münster. Im Zug des Missbrauchsskandals hat Marianne Heimbach-Steins, Professorin für Christliche Sozialwissenschaften an der Universität Münster, eine grundsätzliche Überprüfung des kirchlichen Selbstverständnisses gefordert. Kirchliche Institutionen sähen sich bisweilen immer noch als heilig und unantastbar, sagte Heimbach-Steins am Dienstag (30.03.2010) der "Frankfurter Rundschau". Aus diesem Verständnis heraus werde Kirche für fähig gehalten, "Probleme in den eigenen Reihen selbst zu lösen – also insbesondere ohne Eingreifen der staatlichen Justiz oder ohne angemessene Berücksichtigung humanwissenschaftlicher Erkenntnisse".
Eine Sicht der Kirche als "vollkommene Gemeinschaft" neben der säkularen Gesellschaft sei angesichts der aktuellen Krise nicht möglich und im Verhältnis zwischen Kirche und säkularem Staat "kaum vermittelbar", sagte die Theologin. Auch der Papst sei "keine neutrale – gleichsam außenstehende – Beurteilungsinstanz, sondern durch sein Amt Teil des Systems". Deshalb müsse er sich mit den strukturellen Fragen auseinandersetzen.
Zugleich forderte Heimbach-Steins, die priesterliche Lebensform auf den Prüfstand zu stellen. So sei eine offene Diskussion darüber, ob Zölibat und Priesterberuf zusammengehören, dringend erforderlich. Außerdem müsse in der Ausbildung und Begleitung von Klerikern der verantwortungsvolle Umgang mit der eigenen Sexualität stärker thematisiert werden. – Heimbach-Steins ist Mitglied des Zentralkomitees der deutschen Katholiken.
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Text:
KNA Katholische Nachrichtenagentur GmbH | Foto: Johannes Bernard
30.03.2010
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